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French Open - Roland Garros

Ein Hamburger fürs Hamburger Publikum: Alexander Zverev.

(Foto: Gonzalo Fuentes/Reuters)

Das Turnier am Hamburger Rothenbaum will sich ein modernes Image zulegen. Helfen sollen ein komplett renoviertes Dach über dem Centre-Court, neue Umkleidekabinen, neue Stadionsitze - und ein digitales Museum.

Hamburgs Innensenator Andy Grote ist derzeit stets dabei, wenn es für die im Fußball zweitklassige Hansestadt im Sport etwas zu feiern gibt. Er war zugegen, als die Basketballer der Hamburg Towers in Chemnitz im Mai den Aufstieg in die Bundesliga meisterten. Er zeigte sich als Zuschauer begeistert von der Beachvolleyball-WM im Tennisstadion am Rothenbaum, wo die Stadt mit 3,5 Millionen Euro gut die Hälfte der Kosten abdeckte. Er lud ins Rathaus, um den Neustart des Tennisturniers vorzustellen. Und er prägte den Satz, Paris sei neidisch auf Hamburg. Denn dort müsse man bei den French Open eine Pause einlegen, wenn es regnet.

Damit wies Grote auf den augenfälligsten Aspekt bei dem Neustart des ATP-Tennisturniers hin: ein komplett renoviertes Dach über dem Center Court, das in den vergangenen Jahren seinen Auftrag nur noch bedingt erfüllt hatte. Das Ambiente des seit 1892 bestehenden internationalen Traditionswettbewerbs wurde für zehn Millionen Euro aufgemöbelt - einschließlich neuer Stadionsitze, Umkleidekabinen und einem "Walk of Champions", einer Art digitalem Museum. Der Deutsche Tennis Bund und die Stadt beteiligten sich mit je einer Million Euro an den Kosten; der Sport-Mäzen Alexander Otto hat mit einer Spende von acht Millionen Euro die Zukunft des Rothenbaums gewährleistet.

Nicht mehr dabei ist Hamburgs berühmtester Tennisspieler Michael Stich, der neun Jahre lang Turnierdirektor war und es vor dem Absturz bewahrte. Stich hatte zu viele Gegner beim DTB. Seit der Verband 2018 dem Österreicher Peter-Michael Reichel die Verantwortung übertrug, und dessen Tochter Sandra Stichs Nachfolgerin wurde, funktionierte plötzlich Vieles. Das Geld für Renovierungen kam, weil Stadt, DTB und der Anlagenbesitzer, der Club an der Alster, prächtig zusammenarbeiteten. DTB-Präsident Ulrich Klaus schwärmte angesichts des modernisierten Stadions gar: "Ein Traum wird wahr."

Es gibt eine Reihe neuer Ideen. Wobei Reichels Einfall, die German Open zur European Open zu machen, von der Spielervereinigung ATP abgelehnt wurde. Der Grund: Eine Europameisterschaft und ein zweitklassiges Turnier passen nicht zueinander; in Europa gibt es mit den Masters-Turnieren in Monte Carlo, Madrid und Rom drei höher eingestufte Veranstaltungen. Nun heißt das Rothenbaum-Turnier, das in dieser Woche ausgetragen wird, erstmals: Hamburg European Open.

Das Legendenmatch, in dem der frühere Wimbledon-Sieger Stich gegen Altstars wie John McEnroe antrat, gab es natürlich nicht mehr. Dafür sangen bei der Spielerpräsentation am Sonntag die Hamburger Goldkehlchen und Max Giesinger. Die frühere österreichische Profispielerin Barbara Schett tritt als Moderatorin auf und gewann gemeinsam mit Alexander Zverev gegen Iva Majoli und Nicolas Massu. Und Judy Murray, Mutter des früheren Weltranglistenersten Andy Murray, soll Zuschauern ein paar Trainingsanleitungen geben.

Nur eine Idee? Das Turnier zum Hartplatz-Wettkampf umzubauen

Dass weiterhin kein Hauptsponsor vorzuweisen ist, hat die Linzer Tennis-Veranstalter allerdings ins Nachdenken gebracht. Er sinniere schon darüber, weshalb es in einer so reichen Stadt wie Hamburg so schwierig sei mit Geldgebern, räumt Peter-Michael Reichel ein. Erfreut ist er aber, dem Publikum den Österreicher Dominic Thiem (Nummer vier der Welt) präsentieren zu können; dazu den konstantesten deutschen Profi, French-Open-Achtelfinalist Jan-Lennard Struff. Philipp Kohlschreiber, der mit 35 Jahren älteste Spieler, hat am Montag schon in der ersten Runde gegen Ungarn Marton Fucsovics verloren.

Überraschend im Achtelfinale steht dagegen der 18 Jahre junge Rudi Molleker aus Oranienburg nach seinem Sieg gegen den Argentinier Leonardo Mayer. Die größte Attraktion bleibt der Hamburger Alexander Zverev, der an diesem Dienstagnachmittag ins Geschehen eingreift. Zverevs Zusage ist ein Coup für das Turnier. In den Jahren zuvor passte ihm der Termin nicht in den Kalender, er reiste stattdessen in die USA. Nicht nur wegen Zverev wird geprüft, ob man Hamburgs Sandplatzveranstaltung zu einem Hartplatz-Turnier ummodeln kann. Mit einem Holzunterbau könnte man den Sand für die restliche Zeit retten, sagt Peter-Michael Reichel. Denn der Club an der Alster will die traditionsreichen Sandplätze behalten.

Zudem sicherten sich die Reichels die Lizenz für eine EM der Frauen. Sie streben mit dem DTB an, diesen Wettbewerb verbunden mit einer WTA-Lizenz nach Hamburg zu holen. Das könnte frühestens 2020 möglich sein. Aber auch da müsste die ATP zustimmen. "Die Neupositionierung der Marke Rothenbaum" sei wichtig, sagt Geldgeber Otto. Man wolle "weg vom lokalen klassischen und hin zum internationalen, modernen Look". Dazu gehört, dass das Stadion im nächsten Jahr nur noch 10 000 statt 13 000 Plätze hat, dafür aber mit größerem Komfort.

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