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Karriere von Alexander Zverev:Von der Grand-Slam-Allergie geheilt

Jung, vielseitig, hitzköpfig: Tennisspieler Alexander Zverev überzeugt 2020 nun auch bei Grand-Slam-Turnieren. Seine Karriere in Bildern.

Von Jakob Schätzle

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Tennis Australian Open 2014

Quelle: dpa

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Wenn jemand in eine Tennisfamilie hineingeboren wird, dann Alexander Zverev. Die Eltern sind ehemalige Tennisprofis, sein Vater Alexander ist bis heute sein Trainer, auch der neun Jahre ältere Bruder Mischa spielt auf der ATP-Tour. So ist es auch bei Alexander nach seinen ersten fünf Lebensjahren vorbei mit der tennisfreien Zeit. Er beginnt beim Uhlenhorster HC in Hamburg. Die Jahre vergehen, der junge Zverev sammelt Turniererfahrung und betritt 2013 die internationale Bühne: Bei den Juniorenausgaben der French Open schafft er es ins Finale, bei den US Open ins Halbfinale. Im Jahr darauf gewinnt er die Juniorenkonkurrenz bei den Australian Open, ist Erster in der Junioren-Weltrangliste. Der Sprung zu den Profis ist nicht mehr weit entfernt, Zverev bleibt aber bescheiden: "Um bei einem Grand-Slam-Event das Viertel- oder Halbfinale zu erreichen, brauche ich etwa noch zehn Jahre", sagte er im Interview mit dem Tennis Magazin.

Off Court At The 2016 Australian Open

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Geschwister sind häufig diejenigen Menschen, die einen das ganze Leben lang begleiten. Da ist es praktisch, wenn Leidenschaft und Beruf wie bei Alexander und Mischa Zverev übereinstimmen. Mischa war schon früh Vorbild für seinen kleineren Bruder, der ihn zu bereits zu Jugendturnieren begleitete. Heute ist die Beziehung zwischen den Brüdern Zverev vielseitig. Mischa berät Alexander, sie stehen als Doppel gemeinsam auf dem Platz wie im Juli 2019 in Hamburg oder 2017 beim ATP-Turnier in Montpellier, wo die beiden zusammen den Titel holen. Vor allem aber scheinen Alexander und Mischa gute Freunde zu sein: "Sascha und ich verstehen uns super, wir streiten nie, telefonieren mehrmals täglich", sagt Mischa einmal über das Verhältnis zu seinem Bruder.

St. Petersburg Open ATP tennis tournament

Quelle: dpa

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Die Tenniswelt ist von Zverev beeindruckt. Mit 17 Jahren erreicht er bei seinem Heimat-Turnier in Hamburg überraschend das Halbfinale. Er kommt unter die Top 150, mit 18 ist er bereits auf Platz 85 der Weltrangliste. Er darf sich "ATP Star of Tomorrow" nennen und sammelt erste Turniersiege. Sein erster ATP-Titelgewinn gelingt ihm in St. Petersburg. "Ich hätte keinen besseren Ort für meinen ersten Turniersieg wählen können", sagt Zverev damals angesichts seiner russischen Wurzeln. 2017 kommt sein erster Masters-Erfolg dazu. Zverev ist zwischenzeitlich Weltranglisten-Dritter, der jüngste seit Novak Djokovic 2007. Er hat einen starken Aufschlag, spielt variabel und mit viel Gefühl. Djokovic und die anderen beiden Giganten des Tennis, Rafael Nadal und Roger Federer, trainieren immer wieder mit ihm.

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Neben seinem Vater probiert es Zverev auch mit den zwei ehemaligen Weltranglistenersten Juan Carlos Ferrero und Ivan Lendl als Trainer - doch das geht nicht lange gut. Nach nur wenigen Monaten folgt beide Male die Trennung, beide Male im Unguten. Mit Lendl gelingt Zverev allerdings der bisher größte Titel seiner Laufbahn, als er bei den ATP-Finals 2018 zuerst Federer im Halbfinale und dann Djokovic im Finale besiegt und sich zum ATP-Weltmeister kürt. 21 Jahre ist Zverev damals alt - niemandem seit Djokovic 2008 gelingt dies so jung. Zudem ist es der erste Weltmeistertitel eines deutschen Tennisprofis seit Boris Becker 1995. 2,5 Millionen Dollar Preisgeld bekommt Zverev - und die Anerkennung seines Finalgegners: "Du hast eine große Karriere vor dir", sagt der Serbe, den Zverev mit 6:4, 6:3 bezwingt.

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Quelle: Tim Ireland/AP

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Das Jahr 2019 verläuft weitgehend enttäuschend. Zverev ist abgelenkt, hat private Probleme und Streit mit seinem ehemaligen Manager Patricio Apey. Die Grand-Slam-Turniere bleiben weiterhin der blinde Fleck in seiner Karriere: Vor Beginn der Australian Open 2020 schafft er es in 18 Majors ins Hauptfeld, erreicht aber nur zweimal, jeweils bei den French Open, das Viertelfinale. Danach ist immer Schluss.

Australian Open

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Bereits sein Trainer Ferrero spricht im Jahr 2017 davon, dass Zverev seine Emotionen auf dem Platz kontrollieren müsse. Über ein zu spät eingeschaltetes Flutlicht bei den Australian Open kann sich der 1,98 Meter große Hamburger ebenso aufregen wie über eine Entscheidung des Linienrichters in Wimbledon. Als er bei einem ATP-Turnier im Vorfeld der Australian Open dieses Jahr gegen Alex de Minaur verliert, zertrümmert er wutentbrannt seinen Schläger auf dem Boden.

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Nach diesem erneuten Aussetzer und der schwachen sportlichen Leistung reist Zverev ohne große Erwartungen zu den Australian Open. Aber er fängt sich, trainiert nach eigener Aussage "mehr als jeder andere". Es wirkt: In den ersten vier Runden bezwingt er seine Gegner jeweils in drei Sätzen, gegen den Weltranglisten-15. Stan Wawrinka im Viertelfinale benötigt er vier für den Einzug ins Halbfinale. Es fliegt kein Schläger. Im Halbfinale unterliegt Zverev schließlich dem Österreicher Dominik Thiem in vier Sätzen. Trotz der Niederlage ist es Zverevs bisher bestes Abschneiden bei einem Grand-Slam-Turnier. Thiem prophezeit: "Er ist ja erst 22, wir müssen nicht mehr lange warten, bis er in sein erstes Grand-Slam-Finale kommt."

2020 US Open - Day 14

Quelle: AFP

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In den Monaten nach den Australien Open fällt Zverev zunächt durch wenig vorbildliches Verhalten in der Coronavirus-Pandemie auf, doch bei den US Open erreicht er erstmals ein Grand-Sla-Finale. Der 23-Jährige verliert in einem dramatischen Fünf-Satz-Match gegen Dominic Thiem. Nur zwei Punkte trennen den deutschen Spieler vom Triumph - doch dann versagen die Nerven. Der Endstand: 6:2, 6:4, 4:6, 3:6 und 6:7 (6:8).

© Sz.de/sonn
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