Weltmeisterschaft im Foil-Surfen:Er fliegt 14 Meter über den Wellen

Weltmeisterschaft im Foil-Surfen: Meer statt Berge: Benjamin May wollte Skiprofi werden, mit 15 hat er sich umentschieden.

Meer statt Berge: Benjamin May wollte Skiprofi werden, mit 15 hat er sich umentschieden.

(Foto: Lukas K. Stiller/GWA Wingfoil World Tour/oh)

Mit 19 Jahren hat der Oberbayer Benjamin May vor der Küste Gran Canarias eine Silbermedaille bei der WM gewonnen. In seiner jungen Karriere hat ihm auch die Corona-Zeit geholfen.

Von Vinzent Tschirpke

Es ist ein sonniger Tag auf Fuerteventura, um die 28 Grad, perfekt zum Urlaubmachen. "Für mich sind diese Temperaturen nichts", sagt Benjamin May. Der Foil-Surfer ruht sich noch ein paar Tage auf der Insel aus, bevor es nächste Woche wieder in seine Heimat Otterfing im Landkreis Miesbach geht. "Vormittags mache ich mir dann lieber ein Müsli, schneide ein paar Videos und warte die Hitze ab. Erst nachmittags geht's nochmal raus aufs Wasser."

Wenn May von seiner Zeit bei der Weltmeisterschaft erzählt, wirkt er nicht so euphorisch, wie man es erwarten könnte. Er spricht vom Starkwind, von den guten Bedingungen auf dem Wasser, fast beiläufig erwähnt er die Big-Air-WM, bei der er am vergangenen Wochenende eine Silbermedaille gewonnen hat. Der 19-Jährige ist im Wettbewerb vor der Küste Gran Canarias bis ins Finale gekommen. Lediglich dem Franzosen Julien Rattotti musste er sich geschlagen geben.

Mit seinem Wingfoil-Board, also einem Surfbrett, das auf der Unterseite einen Tragflügel hat und mit einem aufblasbaren Drachen, dem Kite, in die Luft schießt, hat May im Finale eine Höhe von 8,6 Metern erreicht. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, aber: "Beim Aufwärmen davor habe ich einen inoffiziellen Rekord aufgestellt", sagt May. Bei einer besonders hohen Welle habe er sich im richtigen Moment abgedrückt, plötzlich sei er damit auf über 14 Meter gesprungen. Im Finale hätte ihm eine solche Welle die Goldmedaille beschaffen können. "Manchmal hat man eben Glück, manchmal Pech. Außerdem habe ich den Sprung im Warm-up sowieso nicht gestanden, ich brauchte meine Knochen ja noch für das Finale."

Weltmeisterschaft im Foil-Surfen: Benjamin May.

Benjamin May.

(Foto: Lukas K. Stiller/GWA Wingfoil World Tour/oh)

Mit acht Jahren ist er zum ersten Mal auf ein Surfboard gestiegen. Sein Vater arbeitete schon damals für einen Sportartikel-Hersteller, früh fuhren sie zusammen zum Ammersee und Starnberger See. Hier lernte er das Windsurfen, trotzdem wäre May fast in einer anderen Sportart gelandet. Vier Jahre lang fuhr er im Nachwuchsleistungskader des Deutschen Skiverbands. Bis er 15 Jahre alt war, verbrachte er jedes Wochenende in den Bergen, um für die Ski-Rennen zu trainieren. Irgendwann mal Profi zu werden, war lange sein Traum.

Ein Umdenken kam schließlich erst, als er für den Rest der Schulzeit auf ein Ski-Internat gehen sollte, das statt 12 Schuljahren 13 gedauert und einen Umzug aus seiner Heimat Otterfing bedeutet hätte. Das Verletzungsrisiko sei zu hoch gewesen: Wäre ihm etwas passiert, hätte May die Entscheidung für eine längere Schulzeit und den Umzug vielleicht bereut - er verzichtete.

May weiß um das Risiko von schweren Verletzungen, die eine Karriere als Surfprofi schnell beenden können

Also entschied er sich fürs Foil-Surfen, und durch die Corona-Zeit hatte er gleich eine Starthilfe: Weil in der zehnten Klasse ein Jahr lang kein normaler Schulbetrieb herrschte, konnte May jeden Tag üben. Durch den Lockdown fiel ein Großteil des Unterrichts aus, das Homeschooling beschränkte sich drei Monate nur auf das Nötigste. So konnte er tagsüber zum See und abends die Aufgaben nachholen. Danach wurden er und seine Mitschüler in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte hatte die ersten zwei Tage der Woche Unterricht, die andere an den drei Tagen danach. Jede Woche wechselte diese Aufteilung, und May trainierte weiter - dieses Mal mit dem Ziel, Profi im Foil-Surfen zu werden.

Die Verletzungen, vor denen er beim Skifahren Angst hatte, gibt es aber auch beim Surfen. Bei einem Training im Winter hatte May sich nicht aufgewärmt, nach einem Sprung kam er falsch auf und riss sich Außenbänder und Kapsel im rechten Sprunggelenk. Fünf Monate musste er deshalb pausieren, noch heute ist sein Fuß deshalb weniger beweglich.

May weiß also um das Risiko von schweren Verletzungen, die eine Karriere als Surfprofi schnell beenden können. "Damit will ich mich aber gar nicht beschäftigen", sagt der 19-Jährige. Solange es so laufe wie zurzeit, könne er vom Surfen leben. Er plant außerdem zu studieren, und er hat auch schon eine andere Idee für die Zeit nach dem aktiven professionellen Sport: Sein jüngerer Bruder habe auch mit dem Wingfoil-Surfen angefangen, es mache großen Spaß, ihn zu unterstützen. May könne sich gut vorstellen, irgendwann als Trainer zu arbeiten. Bis dahin hat er aber noch genug Möglichkeiten, selbst eine Goldmedaille zu erreichen.

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