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Starker Ersatz in der Bundesliga:Plan B schlägt Plan A

Besser als das Original: Kingsley Coman macht Ribéry und Robben fast vergessen, Leroy Sané hüpft wie ein Reh und André Schubert hat besondere Kräfte.

Die Alternativen des Bundesliga-Spieltags

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Julian Brandt

Werder Bremen v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Kloink! Unterkante Latte, dann zappelt der Ball im Netz. Was für ein Freistoß von Bayer 04 Leverkusen! Ach, Julian Brandt (2. v. l.) war das? Wenn der ruhende Ball nach einem Foul so schön ins Tor gezwirbelt wird, denkt der Fußballfan eigentlich an Hakan Çalhanoğlu, das Leverkusener Vorbild für Freistoß-Lehrbücher. Der türkische Nationalspieler stand aber gar nicht auf dem Platz, also nahm sich der 19-jährige Julian Brandt die Freiheit, den Ball in ellipsenförmiger Flugbahn unhaltbar im Tor zu versenken. Dass der Klub noch einen hat, der das kann, war bislang nicht bekannt. Mal sehen, wer am Dienstag in Barcelona schießen darf.

(tbr)

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Kingsley Coman

1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Wie geht es eigentlich Franck Ribéry? Oder Arjen Robben? Die beiden fulminanten Freigeister auf den Flügeln sind verletzt. Das waren sie oft in den vergangenen Jahren, was den Münchnern regelmäßig arge Probleme bereitete. Doch weil beim FC Bayern Geld keine Rolle spielt, holte der Klub nun zwei Flügelklone. Douglas Costa auf der einen und Kingsley Coman auf der anderen Seite. Der 19-jährige Franzose (Bild) fügt sich immer besser ein ins Bayern-Spiel und zeigte in Mainz seine beste Partie. Elfmeter rausgeholt, Flanke zum 1:0 geschlagen, Tor geschossen. Ribéry und Robben beobachten aus dem Krankenstand heraus: Ihr Verein hat wohl ihre Nachfolger schon gefunden.

(hum)

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Leroy Sané

Hamburger SV - FC Schalke 04

Quelle: Axel Heimken/dpa

Leroy Sané schlägt seine flinken Haken wie ein junges Reh - am liebsten im Strafraum des Gegners. Mit seinen schnellen Schritten ist ihm in den letzten drei Spielen jeweils ein Tor gelungen. Jetzt wieder gegen den Hamburger SV. Auch HSV-Torhüter Jaroslav Drobny gelang es nicht, den vorbeieilenden Angreifer einzufangen. Mit seinem Siegtreffer macht das 19-Jährige Eigengewächs einen "Schalker Jungen", der gerade zum VfL Wolfsburg gewechselt war, ein bisschen mehr vergessen. Julian Draxler war die Bürde der Identifikationsfigur zu schwer geworden. Die Flucht in die Autostadt war die Folge. Schalke kann nur hoffen, dass das Reh Sané nicht auch so scheu ist und sie wieder einen Jungspund verschrecken.

(tbr)

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Marco Fritz

Hamburger SV v FC Schalke 04 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Die Zuschauer im Hamburger Volksparkstadion spendeten Beifall bei der Auswechslung. Dabei schlich in der 56. Minute kein erschöpfter Spieler von Schalke 04 oder dem Hamburger SV vom Platz. Der Applaus galt dem geglückten Austausch zweier Protagonisten, die darin nicht so geübt sind wie die Fußballprofis. Schiedsrichter Jochen Drees musste die Partie frühzeitig aufgeben, Grund dafür war eine Verletzung. Für ihn sprang der vierte Offizielle Marco Fritz (Foto) ein. Statt Spielführerbinde wurde die Pfeife getauscht. Den Zuschauern gefiel das so gut, dass sie in die Hände klatschten - vielleicht auch nur, weil das Spiel weiterging. Marco Fritz brachte die restliche Partie dann unverletzt zu Ende.

(tbr)

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André Schubert

VfB Stuttgart v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Es ist jetzt nicht so, dass Borussia Mönchengladbach mit dem Interimstrainer André Schubert ganz anders Fußball spielen würde. In sechs Tagen kann man nicht mal die Welt erschaffen. Schon gar nicht ein System in einer so komplexen Sportart wie Fußball verändern, wenn der Vorgänger der dauergrübelnde Lucien Favre ist. Aber über irgendwelche Kräfte muss dieser Schubert verfügen, der frühere Germantistikstudent, damit ihm zwei Spiele reichen, um sechs Punkte zu holen, nachdem Favre in vier Spielen nicht mal ein Zähler gelungen ist. Vielleicht tut der Mannschaft seine ruhige, humorige Art gut. Er werde jetzt im Training Elfmeterschießen üben lassen, kündigte er nach dem 3:1-Sieg in Stuttgart an, "damit Yann auch mal einen Ball hält." Gladbach hat schon acht Elfmeter gegen sich gepfiffen bekommen, drei auch schon unter Schubert, und keinen einzigen hatte Torhüter Yann Sommer parieren können. Humor macht vieles im Leben leichter. Vielleicht ist das die bisher größte Leistung von André Schubert.

(schma)

© SZ.de/tbr/schma/rus
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