SSV Jahn Regensburg Mehr als ein Prellbock

Chance bekommen, Chance genutzt: Regensburgs Leihspieler Adrian Fein (rechts).

(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Der Zweitligist ist seit sieben Spielen ungeschlagen - mitten in dieser Siegesserie hat sich Adrian Fein zum Stammspieler entwickelt.

Von Daniel Böldt

Als Adrian Fein am vergangenen Sonntag 20 Minuten vor dem Abpfiff vom Rasen trabte, hatte er einen bewegten Arbeitstag hinter sich. Eigentlich war es fast schon erstaunlich, dass Fein den Weg zur Außenlinie im Laufschritt zurücklegte und nicht etwa auf allen Vieren vom Platz kroch. Beim 1:1 seines Arbeitgebers Jahn Regensburg gegen den 1. FC Union Berlin hatte er viel einstecken müssen. Nach einer halben Stunde beispielsweise griff er sich mehrmals an den Mund, um zu testen, ob nach einem Hand-Wischer von Unions Robert Zulj alle Zähne noch dort waren, wo sie hingehören. Anfang der zweiten Halbzeit rauschte dann Akaki Gogia, den Fuß anderthalb Meter oberhalb der Grasnarbe, recht ungestüm in ihn hinein. Fein musste daraufhin behandelt werden.

Der 19-Jährige trat an diesem Nachmittag aber nicht nur als Prellbock in Erscheinung, sondern durchaus auch als Fußballer. Den Ausgleich durch Jann George bereitete er mit einem technisch anspruchsvollen Pass vor. Und auch die größte Chance der Regensburger im zweiten Durchgang legte er nach einem impulsiven Antritt auf. Feins Auftritt gegen Union ließ einen nicht allzu kühnen Schluss zu: Der Mittelfeldspieler ist angekommen in Regensburg und in der zweiten Liga.

Adrian Fein kam im Sommer von Bayern Münchens U23

Der SSV Jahn Regensburg hat derzeit einen beeindruckenden Lauf: Seit sieben Spielen ist die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer ungeschlagen - Vereinsrekord in der zweiten Liga. Den Auftakt für diese Serie bildete das furiose 5:0 beim Hamburger SV am sechsten Spieltag. Es folgten drei Punkte gegen Heidenheim und Duisburg. Zuletzt vier Unentschieden nacheinander gegen Fürth, Darmstadt, Bochum und Union. Fein, im Sommer von der U23 des FC Bayern München für ein Jahr nach Regensburg ausgeliehen, gelang das Kunststück, sich inmitten dieser niederlagenlosen Serie einen Platz in der Mannschaft zu erspielen. Und das auf einer Position, die beim Jahn seit über zwei Jahren von einem Duo dominiert wird: Marc Lais und Andreas Geipl. Lais musste nun vorerst seinen Stammplatz im zentralen Mittelfeld für Fein räumen.

"Er ist schon sehr weit, was sein Wissen über den Fußball angeht", sagt sein ehemaliger Trainer bei den Bayern, Holger Seitz. "Er versteht Dinge unwahrscheinlich schnell. Und er ist dazu in der Lage, Vorgaben auf dem Platz sehr gut umzusetzen." In Regensburg war dies anfangs vor allem der Trainingsplatz. In den ersten drei Spielen, in denen Fein im Kader stand, kam er lediglich zu Kurzeinsätzen. "Mir war das von Anfang an bewusst, ich bin da klar geblieben im Kopf", sagt Fein über die Situation. "Ich wusste, dass ich meine Chance kriege."

Diese Chance kam am neunten Spieltag beim 1:1 gegen Greuther Fürth. Fein überzeugte und stand fortan in jedem Spiel in der Startelf. Das war ja überhaupt der Hintergedanke, weswegen sich Fein von den Bayern an Regensburg verleihen ließ: "Ich wollte auf einem hohen Niveau regelmäßig spielen. Und in der zweiten Liga habe ich dafür die perfekten Bedingungen." Zweite Bundesliga statt Regionalliga Bayern also. Union Berlin statt FC Pipinsried. Fein gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball und er will sein Können auch im Profibereich beweisen.

Fein gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball

"Seine Stärken hat er im Spiel mit Ball", sagt Holger Seitz. "Er ist ein Spieler, der zielorientiert nach vorne spielt. Viele Spieler haben sich angeeignet, den einfachen beziehungsweise risikolosen Ball zu spielen. Adrian ist einer, der die Lücken erkennt, der den Pass nach vorne spielt oder selbst in eine offensive Eins-gegen-Eins-Situation geht." Verbesserungsbedarf sehen Seitz und auch Fein selbst dagegen noch in der Defensivarbeit: "Hier habe ich noch Luft nach oben, besonders im Kopfballspiel", sagt der gebürtige Münchner.

Mit Fein auf dem Platz hat Regensburg noch keine Partie verloren - mit ihm in der Startelf allerdings auch noch keine gewonnen. Das soll sich an diesem Sonntag beim Spiel in Magdeburg (13.30 Uhr) ändern: "Wenn wir unser Spiel durchbekommen, stehen unsere Chancen gut", sagt Fein. "Wir wollen natürlich gewinnen, auch wenn das ein schwieriges Spiel wird." Und Trainer Beierlorzer: "Das ist für uns ein ganz, ganz wichtiges Spiel, wir können 20 Punkte erreichen. Aber wir wissen, wie schwer das gerade in Magdeburg wird."

Feins langfristiges Streben reicht weit über Magdeburg hinaus. "Natürlich ist mein Ziel, dass ich irgendwann bei den Bayern in der Profimannschaft eine Chance bekomme", sagt Fein. Seitz, der ihn in München knapp zwei Jahre trainiert hat, traut Fein auch den Sprung in die erste Mannschaft zu. Davon sei er fest überzeugt: "Er bringt super Voraussetzungen mit, was die Spielidee des FC Bayern München angeht, nämlich das Spiel mit Ball zu dominieren." Fein könne einer der Spieler werden, auf die der Verein wartet. Dass er Chancen nutzen kann, hat Adrian Fein ja bereits bewiesen.