bedeckt München 16°

SpVgg Unterhaching:Mit dröhnenden Ohren

v li Luca Marseiler Unterhaching 30 zieht ab schießt auf das Tor Adam Straith Sportfreunde

Repräsentativer Werdegang für die gesamte Mannschaft: Torschütze Luca Marseiler konnte lange sein Potenzial nicht abrufen – am Sonntag schon.

(Foto: imago)

Die SpVgg Unterhaching sichert sich mit dem 3:0 gegen Lotte den Verbleib in der dritten Liga.

Sie hatten wirklich alles getan, um ihrer Mannschaft Beine zu machen. Sie hatten vor dem Anpfiff auf der Südtribüne roten und blauen Rauch aufsteigen lassen, das ist für Unterhachinger Verhältnisse in etwa so frech, als würde ein Mieter trotz striktem Verbot der Hausverwaltung einen Kohlegrill auf dem Balkon entzünden. Sie hatten Klatschpappen verteilt an die 3700 Besucher (etwa 50 standen im Gästeblock), das sind für Unterhachinger Verhältnisse so viele, als würden zu dieser Grillparty auf dem Balkon dann auch noch viel zu viele Gäste kommen; an etwas fetzigere Musik als sonst hatten sie auch gedacht, was dazu führte, dass Hunderte Kinder auf der Gegentribüne diese Klatschpappen im Takt von AC/DCs "thunderstruck" schwangen.

Und dann gelang der SpVgg Unterhaching etwas, das viele schon gar nicht mehr für möglich hielten nach über zwei Monaten, in denen sie es vergeblich versucht hatten: der abstiegsgefährdete Drittligist ging tatsächlich einmal wieder in Führung, in der sechsten Spielminute bereits, und in Unterhaching machten sie fortan Party, so gut man in Unterhaching Party machen kann. "Endlich mal wieder in Führung gehen, dann platzt der Knoten", das hatten mehrere Spieler in den vergangenen Wochen immer wieder behauptet. Und auch, wenn der ebenfalls abstiegsgefährdete Gegner von den Sportfreunden Lotte durchaus seine Chancen hatte, so sollten sie doch Recht behalten: Unterhaching gewann 3:0 (1:0), es war erst der zweite Sieg seit der Winterpause. Dank der starken Hinrunde genügt das für den Ligaverbleib.

Rein mathematisch zwar noch nicht. Aber Präsident Manfred Schwabl war trotz der wochenlangen nervlichen Anspannung schon zu Scherzen aufgelegt, als er von dem Szenario hörte, das zum Abstieg führen würde: Jena gewinnt gegen 1860, Sonnenhof-Großaspach gegen Fortuna Köln, Braunschweig und Cottbus spielen remis - und Unterhaching verliert 0:11 beim VfL Osnabrück: "Ah. Dann müssen wir für morgen doch noch ein ganz normales Training ansetzen." In Wahrheit bekam die Mannschaft bis Dienstag frei, was allein wegen der Feierlichkeiten nach dem Spiel in der Kabine Sinn macht: Die Musik war so laut, dass den Spielern bis Dienstag die Ohren noch dröhnen dürften.

Das erlösende Führungstor war Luca Marseiler gelungen, einem Spieler aus der eigenen Jugend, den noch in der Winterpause viele als den ersten Kandidaten für einen höherklassigen Transfer gehalten hatten; der sich dann aber erneut verletzt hatte, nach eigenem Bekunden wochenlang unter Schmerztabletten spielte und eigentlich immer noch nicht fit ist - sein Werdegang in den vergangenen Monaten hat etwas Repräsentatives für die gesamte Mannschaft, die so lange ihr Potenzial nicht abrufen konnte. "Im Training hatte ich den selben Schuss, da hat Lukas ihn gehalten", sagt Marseiler über den Keeper Lukas Königshofer. Lottes Steve Kroll aber verpasste mit seiner Faust den hoch angesetzt Halbvolley. Das Spiel blieb in der Folge noch offen, die Gäste näherten sich ab und zu noch gefährlich dem Hachinger Tor an, aber nur bis zur 42. Minute, dann spielten die Westfalen in Unterzahl: Matthias Rahn grätschte Orestis Kiomourtzoglou mit der Sohle voraus in die Beine. "Keine Fehlentscheidung", sagte Lottes Trainer Ismail Atalan später zur Roten Karte.

So oft sie in Unterhaching darüber gerätselt hatten, warum ihre Pläne mal wieder nicht aufgehen, so perfekt lief es diesmal. Kiomourtzoglou, eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, traf als Stürmer in der 72. Minute. Und Stürmer Stefan Schimmer, der nach anhaltender Erfolglosigkeit zu Beginn auf der Bank saß, gelang in der Nachspielzeit auch noch ein Jokertor (90.+3).

"Mit fällt schon etwas Größeres als ein Kieselstein vom Herzen", sagte Präsident Schwabl, freilich habe er keine Zweifel gehabt, dass alles noch klappt. Aber: "Ich habe immer gesagt: Unsere Truppe ist viel zu sehr kopfgesteuert, die machen sich viel zu viele Gedanken." Die Truppe wird - nun etwas reifer - zum Großteil zusammenbleiben. Bei Finn Porath steht nach Leihende der Gang zurück zum Hamburger SV an. Einzig bei Torwart Königshofer läuft der Vertrag aus. Bei Luca Marseiler stellt sich die Frage, ob er gegen Ende noch einmal ausreichend auf sich aufmerksam machen könnte in den höheren Ligen. Anrufe dürfte er aus oben genannten Gründen am Samstag aber sowieso nicht angenommen haben.