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SpVgg Unterhaching:Bayerischer Holländer

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3. Liga - 20/21 - SpVgg Unterhaching - Vorstellung Arie van Lent

„Bis jetzt ist es eine runde Sache“: Am Dienstag stand der frühere Bundesligaprofi und nun Trainer der SpVgg Unterhaching, Arie van Lent, erstmals mit seiner neuen Mannschaft auf dem Platz.

(Foto: picture alliance / Fotostand)

Die SpVgg Unterhaching stellt ihr neues Trainerteam mit Chefcoach Arie van Lent und dem Assistentenduo vor. Die Suche verlief emotional, etwa 50 Kandidaten hatten sich beworben.

Von Stefan Galler

Zunächst mal sah sich Manfred Schwabl genötigt, die Sache mit der regionalen Verwurzelung seines neuen Cheftrainers zu erläutern, schließlich war diese ja eines der besonders wichtigen Kriterien bei der Kandidatenkür gewesen: "Holland gehört doch zu Bayern, alleine schon weil die hier so gerne durchfahren auf dem Weg nach Österreich", sagte der Präsident des Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching. Außerdem sei ein früherer Nachbar Schwabls Niederländer gewesen. Und mit dem habe er sich immer prächtig verstanden.

Beste Voraussetzungen also für Arie van Lent - der ja auch eine fußballerische Vergangenheit bei Greuther Fürth hat - sich beim familiären Klub aus dem Münchner Vorort gut zu integrieren. Der 49 Jahre alte Fußballlehrer hatte zuletzt fast sieben Jahre lang als Coach der U19 und U23 von Borussia Mönchengladbach gearbeitet. In Haching erhält er einen Zweijahresvertrag. Van Lent gab sich bei der offiziellen Präsentation mit seinen Assistenten Robert Lechleiter und Roman Tyce am Dienstagmittag jedenfalls optimistisch: Die Gespräche seien offen gewesen, für ihn habe es "optimal gepasst", betonte der frühere Bundesligaprofi. "Bis jetzt ist es eine runde Sache." Er wolle dem Team eine "offensive Gangart ohne die Abwehr zu vernachlässigen" mit auf den Weg geben: "Denn auch wenn ich Stürmer bin, heißt das nicht, dass ich nicht auch defensiv denke", sagte van Lent, dessen Familie ihren Lebensmittelpunkt im Rheinland behalten, aber regelmäßig nach Haching zu Besuch kommen wird.

Sein Vorgänger Claus Schromm, der künftig als Sportlicher Leiter von der Jugend bis zu den Profis im Verein alles im Blick haben soll, war in den vergangenen Wochen maßgeblich mit der Trainersuche befasst, insgesamt bewarben sich rund 50 Coaches um den Job. "Das lief auf allen medialen Kanälen, via WhatsApp, aber auch mit direkten Anrufen von Beratern oder den Kandidaten persönlich. Und nicht nur bei mir, sondern auch beim Präsidenten und bei Kaderplaner Steffen Galm." Letzterer habe auch die Idee mit van Lent gehabt. "Er war von Anfang an Steffen Galms Topfavorit", ergänzte Schwabl. Und Schromm sagte, die verzweifelte Lage vieler arbeitsloser Kollegen habe ihn nachhaltig beeindruckt: "Ich bin wirklich froh, noch nie in so einer Situation gewesen zu sein."

Bisher steht nur fest, dass Stürmer Florian Dietz leihweise für eine Saison zum 1. FC Köln II wechselt

Weniger emotional verlief offenbar die Suche nach den Assistenten. Bei Robert Lechleiter lag eine Beförderung auf der Hand, er hatte zuletzt zwei Jahre lang die SpVgg-U19 in der Bayernliga trainiert und kennt alle Talente im Klub sehr genau. Schon die ersten Einheiten mit dem aktuellen Profikader hätten ihn beeindruckt: "Die Jungs geben schon wieder ordentlich Gas, und das obwohl zuletzt nicht mal ein Cheftrainer da war", sagte der frühere Haching-Stürmer, der später auch bei Hansa Rostock und beim VfR Aalen in der zweiten Liga spielte. Und dann wurde auch noch Roman Tyce in den Sportpark zurückgeholt. Der frühere tschechische Nationalspieler wohnt in der Nachbargemeinde Oberhaching und ist dort seit Jahren beim Bayernligisten FC Deisenhofen engagiert. Er will laut eigener Aussage weiterhin die erfolgreiche Regionalliga-Futsalmannschaft des Klubs betreuen und auch seine gemeinsam mit Paul Agostino betriebene Fußballschule wird wie bisher weiterlaufen. "Es ist ein Traum, hier zu sitzen und wieder in den Profibereich einzusteigen", sagte der ehemalige kampfstarke Profi, der vor seiner Zeit bei Haching (2008 bis 2011) fast zehn Jahre bei den Münchner Löwen gespielt hatte. Den Verein verlassen wird wohl der bisherige Schromm-Assistent Patrick Irmler, der in Besitz der Fußballlehrer-Lizenz ist und einen Cheftrainerposten auf Regionalligaebene anstreben dürfte.

In den kommenden Wochen nun werden die Verantwortlichen aus dem aktuell etwa 30 Mann starken Kader das Aufgebot für die neue Drittligasaison herausfiltern, die am 18. September beginnen soll. "Dann werden wir sehen, welche jungen Spieler regelmäßig mit den Profis trainieren und wer eventuell an unseren Kooperationspartner 1860 Rosenheim verliehen wird", sagte Sportchef Schromm, der sich durch den neuen Trainer auch eine neue Perspektive erhofft: "Oft schaut man fünf Jahre auf einen Spieler und man sieht manches nicht. Da ist es dann gut, wenn sich das neue Augen ansehen."

Bisher steht nur fest, dass Stürmer Florian Dietz leihweise für eine Saison zum 1. FC Köln II wechselt, außerdem können sich Sascha Bigalke und Jim-Patrick Müller laut Präsident Schwabl trotz laufender Verträge bis 2021 neue Vereine suchen. Einen starken Eindruck mache dagegen derzeit im Training Dominik Stroh-Engel, den der Präsident ebenfalls nach der missglückten Saisonendphase scharf kritisiert hatte. Es scheint durchaus denkbar, dass der wuchtige Mittelstürmer in Unterhaching bleibt.

© SZ vom 19.08.2020
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