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Springreiten:Sieg auf der Tribüne

Janne Friederike Meyer mit Charlotta GER Einzelbild Aktion Klassik Radio Preis Eroeffnungsspring

Mit Augenmaß: Janne Friederike Meyer sichert sich erstmals den Gesamtsieg der Riders Tour.

(Foto: imago/Buthmann)

Die Hamburgerin Janne Friederike Meyer gewinnt trotz Fehlern bei der letzten Station in München die Riders Tour - zum ersten Mal in ihrer Karriere.

Im Finale durfte sie zwar nicht mehr mitreiten, aber das dürfte Janne Friederike Meyer dann nicht mehr gestört haben. Spätestens, nachdem sie von ihrem Tribünenplatz aus den Stangenabwurf ihres letzten Konkurrenten beobachtet hatte, war die Spannung raus. Der Gesamtsieg der Riders Tour 2015 war Janne Friederike Meyer nicht mehr zu nehmen. Die Springreiterin behielt dank ihrer Erfolge im Laufe dieses Jahres mit 53 Punkten die Spitze vor Christian Ahlmann (43 Punkte) und David Will (40). Und sie erhielt auch die dickste Limousine, mit der sie dann aus der Münchner Olympia-Halle brauste.

Dabei war München eben nicht ihr stärkster Auftritt. Mit 51 Punkten war sie zum Finale angereist, nachdem sie und ihr neunjähriger Fuchs Goja aber am Samstag ihrerseits einen Abwurf fabriziert hatten, verpasste das Duo als 14. von 49 Startern den Endkampf und musste am Sonntag noch ein paar Minuten lang bangen. Gefährlich werden konnte ihr aber nur noch einer, Christian Ahlmann auf Codex One, der in der Siegerrunde allerdings eine Stange mitgehen ließ und über Platz sieben nicht hinauskam. Damit war der Hamburgerin Meyer zum ersten Mal der Titel Rider of the Year sicher.

Es soll aber nur eine Etappe werden in der Karriere des Hannoveraners Goja, der als Neunjähriger noch viele Jahre im Sport vor sich hat. Bei der Europameisterschaft in Aachen blieb er als Reservist noch im Stall, aber schon bei der Auswahl für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wird Bundestrainer Otto Becker bei der zur Zeit recht dünnen Besetzung an Spitzenpaaren auf den springgewaltigen Fuchs womöglich nicht verzichten können.

Vielseitigkeits-Weltmeister Jung sorgt für eine kleine Sensation

Die letzte der Station der Riders Tour im Rahmen der Munich Indoors, den Großen Preis, gewann David Will auf der 15-jährigen französischen Stute Mic Mac du Tillard mit einem fehlerlosen Ritt in 33,27 Sekunden. Dafür gab es eine Siegprämie von 20 000 Euro und einen Sprung auf den dritten Platz in der Gesamtwertung der Riders Tour. Mit dem Sieg konnte der 27-jährige Will sein Konto um 20 auf 40 Punkte aufstocken. Der gebürtige Bayer, der in Pfungstadt als Chefbereiter auf der Anlage des früheren Nachwuchs-Bundestrainers Dietmar Gugler tätig ist, steht seit langem auf der Liste der Bundestrainer als Ausnahmetalent. Jetzt kann er nur darauf hoffen, dass ihm die besten Pferde nicht wieder, wie in den letzten Monaten, unter dem Sattel wegverkauft werden.

Eine kleine Sensation war der zweite Platz von Michael Jung auf dem zehnjährigen Schimmelwallach Sportsmann. Er ritt deutlich verhaltener als Will, blieb aber mit 38,32 Sekunden Zweitschnellster der 13 Reiter, die die Entscheidungsrunde erreicht hatten. Michael Jung, der Weltmeister, Europameister und Olympiasieger in der Vielseitigkeit, machte erneut auch im schweren Springparcours eine gute Figur. "Über die reiterlichen Qualitäten von Michi brauchen wir uns nicht zu unter- halten", sagte Heinrich Hermann Engemann, der Co-Bundestrainer der Spring- reiter, "wir haben schon besprochen, dass er im Frühjahr mit auf ein paar Nationenpreis-Turniere soll." Der Doppelkarriere steht offenbar nichts mehr im Weg.

Dritter im Großen Preis wurde Carsten-Otto Nagel. Anders als Will und Jung, die je einen Abwurf kassiert hatten, war er im Umlauf ohne Fehler geblieben, hatte lediglich einen Zeitfehler kassiert. Aber im zweiten Umlauf starteten alle wieder bei Null, eine Besonderheit dieser Prüfungsform.

Die kommende, olympische Saison hält nun für alle große Herausforderungen bereit, in München ging es aber zunächst noch darum, den Sieg zu feiern und den Schampus nach Formel-1-Manier zischen zu lassen. Dass Meyer dabei vom Treppchen fiel und sich im Sandboden wiederfand, bevor die Gratulationstour begann, sollte man aber nicht als schlechtes Omen werten.