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Springreiten:Niedrig zu Ross

In der Lernphase: Milliardärstochter Eve Jobs (mit der Stute Venue D’Fees des Hazalles) gilt als talentiert, ihr Einstieg in Göteborg misslang jedoch.

(Foto: AFP)

Immer mehr Töchter von Superreichen treten im Springsport an - nun auch beim Weltcupfinale. Doch trotz Geldes und beachtlichen Talents ist der Weg steinig.

Von Gabriele Pochhammer, Göteborg

"Reiten macht demütig", sagt Eve Jobs. Pferde kümmern sich nicht darum, ob der Mensch auf ihrem Rücken ein Krösus oder ein armer Schlucker ist. Jobs gehört eindeutig in die erste Kategorie. Sie ist das jüngste der vier Kinder von Steve Jobs, des 2011 verstorbenen Apple-Entwicklers, vom Magazin Forbes geschätzt auf 20 Milliarden Dollar. Doch das ließ die 14-jährige braune Stute mit dem sperrigen Namen Venue d'Fees des Hazalles am Donnerstag in der ersten Wertung beim Springreiter-Weltcupfinale in Göteborg offenbar unbeeindruckt.

Sie nahm dreimal die oberste Stange mit, was zunächst einen hinteren Platz bedeutete. Das passierte auch erfahreneren Reitern und war für die 20-Jährige, zurzeit Nummer 145 der Welt, noch kein Weltuntergang. Ihre Zeit wird kommen, da sind sich Fachleute einig. Jobs gilt als ehrgeizig und im Sattel hoch begabt. Trainiert wird sie vom Iren Eddie Macken, der in den Siebzigerjahren zur Elite seines Landes zählte. Er steht bei jedem Parcours am Einritt und beobachtet seine Schülerin. Auch die frühere Besitzerin von Jobs' Stute ist aus Belgien nach Göteborg gereist, Jobs hat sie zu ihrer Weltcup-Premiere eingeladen.

Noch hat Eve Jobs auch anderes zu tun, als ihre Tage im Sattel zu verbringen. Sie studiert an der Stanford Universität Wirtschaft, der Abschluss ist für 2012 geplant. Dass ihr das gelingt, gilt als sicher, sie ist bekannt für ihre Entschlossenheit. Wollte sie ihren viel beschäftigten Vater sprechen, ließ sie sich von der Sekretärin in dessen Terminkalender eintragen, so berichtet der Chronist von Steve Jobs.

Eve Jobs ist eines der Golden Girls, die im internationalen Springsport immer häufiger die Starterlisten füllen. Georgina Bloomberg gehört ebenfalls dazu, die Tochter des früheren New Yorker Bürgermeisters, der in den einschlägigen Listen auf Platz elf der reichsten US-Bürger geführt wird. Die 36-Jährige gibt als Beruf außer Profi-Reiterin auch "Philanthropin" an. Darüberhinaus nennt sie einen ganzen Zoo hilfebedürftiger Tiere ihr eigen, Hunde, Katzen und eine Ziege. Sie gehört zu den einflussreichsten US-Reiterinnen, finanziert ein Team der Global Champions League, das Team New York Empire. Fünf Millionen Euro müssen berappt werden, wenn eine Mannschaft zwei Jahre lang an der internationalen Serie teilnehmen will. Bloombergs Auftritt in Göteborg geriet wie der von Eve Jobs nicht besonders glücklich, mit drei Abwürfen von Chameur reichte es nur zu Platz 29 von 33 Startern.

Pferde für ehrgeizige Amateure müssen gut und geduldig sein - ihr Preis geht in die Millionen

Zum Reitsport Jet-Set zählen auch Jessica Springsteen, die Tochter von Rocklegende Bruce Springsteen, Destry Spielberg, deren Vater der Star-Regisseur Steven Spielberg ist, und Jennifer Gates, die Tochter des Jobs-Konkurrenten Bill Gates, die den Start in Göteborg knapp verpasste.

Von den Pferden, die diese jungen Frauen reiten, leben eine Handvoll von Pferdehändlern in Europa, deren prominentester Paul Schockemöhle ist. Die Pferde müssen schon vorzeigbare Erfolge haben, bevor sie in einen der Luxusställe jenseits des Atlantiks umziehen dürfen. Die langwierige Ausbildung zum Springpferd haben sie meist in deutschen, belgischen oder holländischen Ställen erhalten. Und ihr Gesundheitsstatus muss erstklassig sein, die amerikanischen Tierärzte gelten als die strengsten. Das hat den Vorteil, dass auf die Pferde Verlass ist, die Ankaufsuntersuchung in den USA gilt als medizinischer Ritterschlag, in der Szene salopp als "TÜV". Dagegen drücken manche reichen Araber schon mal ein Auge zu, wenn sie ein teures Top-Pferd unbedingt kaufen wollen, das dann aber bald nach wenigen Monaten mit allerlei Zipperlein zu kämpfen hat. Die gute Gesundheit allein reicht aber nicht.

Pferde für die gehobenen Amateure müssen auch brav sein, und gut zu handhaben. Und sie müssen auch mal bereit sein, die Fehler ihrer Reiter und Reiterinnen auszuhalten, ohne gleich depressiv zu werden. Die Preise für solche vierbeinigen Wunderexemplare sind entsprechend hoch, oft siebenstellig, manchmal achtstellig.

Kommen diese Pferde dann in den USA an, wartet ein Luxusleben auf sie. So unterhalten die Familien Jobs und Gates opulente Anwesen in Wellington (Florida), mit reichlich Personal, das die Tiere umsorgt. Das ganze Jahr über finden dort Turniere statt, die im Winter gerne von europäischen Reitern besucht werden. Hier können die reichen Töchter ihre Erfahrungen sammeln, doch mit dem wirklichen Leben werden sie erst auf den Turnieren in Europa konfrontiert. Wie nun in Göteborg, beim Finale der Weltcup-Serie, in das man sich nicht einkaufen, sondern nur hineinreiten kann. Und manchmal stellt man dann fest, dass der professionelle Spitzensport noch eine andere Welt ist. Die Pferde zeigen jedem, wo er steht. Vielleicht ist das gerade die Faszination für jene, die sonst alles haben.

© SZ vom 06.04.2019
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