Sportpolitik Heikle Details

Der Aufsichtsrat von Siemens hat viele Fragen zum Fall Bach. Es geht um die Grundsatzfrage, ob Ehrenämter wie die beim IOC und DOSB vereinbar sind mit dem Engagement für einen Konzern, der an Aufträgen rund um den Sport kräftig verdient.

Von Thomas Kistner und Klaus Ott

Thomas Bach hat es eilig, ziemlich eilig sogar. Deutschlands mächtigster Sportfunktionär drängt auf einen raschen Termin in der Münchner Konzernzentrale der Siemens AG, bei der Abteilung Compliance. Das ist jene Abteilung, die dafür sorgen soll, dass im Unternehmen alles mit rechten Dingen zugeht. Von den Verantwortlichen bei Compliance will Bach bescheinigt bekommen, dass an seinem vor einer Woche öffentlich bekannt gewordenen Beratervertrag mit Siemens nichts auszusetzen sei. Bach ist seit Jahren als Wirtschaftsanwalt für den Konzern tätig. Aber auch für den Sportfunktionär Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist der Fall von hoher Bedeutung.

Der Aufsichtsrat von Siemens hat viele Fragen zum Fall Bach.

(Foto: Foto: dpa)

Unruhe bei Siemens

Es geht um heikle Details, die bei Siemens für Unruhe sorgen. Und um die Grundsatzfrage, ob Ehrenämter wie die beim IOC und DOSB vereinbar sind mit dem Engagement für einen Konzern, der an Aufträgen rund um den Sport kräftig verdient. Da soll nichts hängenbleiben, was Bach beschädigen könnte. Der IOC-Vize und Geschäftsmann lässt über seinen Anwalt mitteilen, er sehe den Ergebnissen der Prüfung des Beratervertrages gelassen entgegen. "Zugleich erwartet Bach, dass das mit Compliance vereinbarte Gespräch bald stattfindet", sagt sein Bonner Anwalt Gernot Lehr.

Bei Siemens wird intern heftig über das Abkommen mit dem Wirtschaftsanwalt aus der Fechthochburg Tauberbischofsheim diskutiert, auch wegen der üppigen Honorare. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen soll Bach derzeit 400.000 Euro im Jahr bekommen, und zusätzliche 5.000 Euro für jeden Tag, an dem er für den Konzern tätig ist. Bach äußert sich nicht zur Höhe seiner Bezüge von Siemens, er lässt aber sinngemäß mitteilen, er sei sein Geld wert. In Tauberbischofsheim hat der gebürtige Würzburger als Sportler hart trainiert und ist so Weltmeister und Olympiasieger im Florett geworden. Nun betreibt er dort als Wirtschaftsanwalt eine gut gehende Kanzlei mit namhaften Klienten.

Der Beratervertrag mit Siemens soll seit Anfang des Jahrzehnts laufen, erst mit 250.000 Mark, später dann mit 400.000 Mark dotiert gewesen sein. Dass er nun 400.000 Euro bekommen soll, stößt mehreren Aufsichtsräten sauer auf. Es sei absolut unüblich, einen Berater bei einem solch hohen Honorar noch zusätzlich tageweise zu bezahlen, sagen sie. Unmut gibt es bei Siemens auch darüber, dass der neue, seit Mitte 2007 amtierende Vorstandschef Peter Löscher erst jetzt durch einen Zufall von dem Beraterabkommen mit Bach erfahren haben soll.

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Vom Fechter zum Funktionär

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