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Spanien:Barcelona holt Braithwaite

Eine spanische Spezialregel erlaubt den Wechsel des dänischen Stürmers auch noch nach der Transferperiode.

Es muss sich nicht grämen, wem Martin Braithwaite bislang kein Begriff war. Auch in Spanien war der 28 Jahre alte Däne vielen Experten nahezu unbekannt, und das, obwohl er bei einem dortigen Erstligisten beschäftigt war, dem CD Leganés. Am Donnerstag verabschiedete er sich - und schloss sich dem FC Barcelona an. Was viele Fragen aufwirft: Was will Barça mit Braithwaite? Und vor allem: Wieso darf Barça noch einen Stürmer verpflichten, wo doch das Transferfenster für Europa längst geschlossen ist?

Die Antworten auf beide Fragen sind eng miteinander verwoben. In Spanien existiert eine Regel, die besagt, dass sich ein Verein bei höherer Gewalt - konkret: einer nachweislich langfristigen Verletzung eines Spielers - auch außerhalb des Transferfensters verstärken darf. Zuletzt hatte sich der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé verletzt, den Ärzten zufolge wird der Barça-Profi erst zur neuen Saison wieder arbeitsfähig sein. Und weil es in Spanien eine weitere Besonderheit gibt, wonach ein Spieler seinen Vertrag auflösen kann, wenn er die vertraglich festgeschriebene Ablöse deponiert - im Falle von Braithwaite 18 Millionen Euro -, hat Barça nun einen neuen Stürmer. Das hat heftige Gerechtigkeitsdebatten ausgelöst, denn der Abstiegskandidat Leganés schaut nun in die Röhre. Eine Abwerbung - wie jene von Braithwaite - fällt nicht unter höhere Gewalt, Leganés darf seinen Kader nicht mehr aufstocken. "Wir werden die Reichsten auf dem Friedhof sein", sagte ein Leganés-Funktionär, "der Schaden ist irreparabel."

Braithwaite selbst ist kaum ein Vorwurf zu machen, für ihn ist es die Chance des Lebens. Er muss zwar damit rechnen, dass er in einem halben Jahr wieder gehen muss, denn Barcelona will Lautaro Martínez (Inter Mailand) verpflichten, für den man aktuell kein Geld hat, seine Ablöse ist dreistellig. Immerhin: Braithwaite hat einen Vertrag über viereinhalb Jahre unterschrieben. Bei Barça. Dort standen bislang erst vier Dänen unter Vertrag, unter ihnen der frühere Gladbacher Allan Simonsen.

© SZ vom 21.02.2020
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