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Snooker:Er locht die Kugeln mit dem Kinn

Muhammad Ikram wurde ohne Arme geboren - und ist in seiner Heimat Pakistan trotzdem eine Snooker-Bekanntheit. Seine Technik ist beeindruckend.

Von Carsten Scheele

Seine Kraft kommt aus dem Nacken. Muhammad Ikram legt den Oberkörper auf dem Snookertisch ab, visiert die Kugel an, öffnet den Mund ganz leicht - dann stößt er mit dem Kinn zu. Weil sich Videos im Internet besonders schnell verbreiten, ist Ikram, 32, in seiner Heimat Pakistan schon eine kleine Berühmtheit geworden. Er spielt Snooker, und zwar ohne Arme.

Ikram wurde 1988 mit einer Behinderung geboren, ihm fehlen die oberen Gliedmaßen, bei den Besten mitspielen wird Ikram deshalb nie. Die Regeln besagen eindeutig, dass die Kugeln mit einem Queue angespielt werden - auf keinen Fall mit einem Körperteil oder einem Kleidungsstück berührt werden dürfen. Das kann Ikram nicht, aber seine Geschichte geht um die Welt: Wie er in einer pakistanischen Snooker-Sportsbar, an deren Fenster außen ein großes Bild von Ronnie O'Sullivan prangt, am Tisch steht, die Bälle locht und von den umstehenden Männern Applaus erhält.

"Am Anfang habe ich den anderen Spielern nur zugeschaut und mich gefragt, ob ich auch spielen würde, wenn ich Arme hätte", hat Akram ein paar internationalen Nachrichtenagenturen erzählt. Er hat es dann mit dem Kinn versucht, an seiner Technik gefeilt, alle verblüfft. Drei Turniere in seiner Gegend soll er bereits gewonnen haben.

Er kann den Kugeln mit der Unterlippe einen Spin verpassen

Auf den Videos ist zu sehen, dass Ikram fast alles drauf hat: kraftvolle Splits, lange Einsteiger, sogar gelochte Kugeln über Bande. Er kann den Kugeln mit der Unterlippe einen Spin verpassen, so dass sie sich um sich selbst drehen, was im Snooker wichtig ist und eine große Kunst, diese Stöße mit einem Queue zuverlässig hinzukriegen. Ikram macht es einfach mit dem Kinn.

Der Klubbesitzer Muhammad Nadeem aus der Stadt Samundri sagt selbst, dass er Ikram anfangs belächelt hat. Jetzt ist er die große Bekanntheit seines kleinen Ladens in der Region Punjab. Die Leute kommen und bezahlen, damit Ikram gegen sie spielt. Nadeem ist sich sicher: "Er hat in diesem Sport keine Konkurrenz. Im Cricket oder Fußball gibt es behinderte Spieler, aber im Snooker ist er einzigartig." Snooker ist in Pakistan sehr populär, kommt in der Publikumsgunst gleich nach Cricket.

Ikram sehnt sich trotzdem nach einem echten Gegner. "Wenn es da draußen noch jemanden gibt, der so spielt wie ich, wäre ich bereit gegen ihn anzutreten", hat Ikram gesagt. Er möchte noch berühmter werden, im Ausland antreten, wenn die Regularien es zulassen. Ikram sagt, Gott habe ihm zwar keine Arme gegeben, dafür aber viel Mut.

Mit Material des sid

© SZ.de/bek

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