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Ski-WM: Maria Riesch:Die Retterin von Garmisch

Der Start der Ski-WM hatte prekäre Seiten: Rebensburg krank, Stechert operiert, viele leere Sitze im Zielraum. Nur Maria Riesch gibt alles für die WM in ihrer Heimat.

Wenn man so will, endete der Tag, wie er begann: mit vielen leeren Stühlen. Als Maria Riesch im kitschig bauernhäusigen Treff des Deutschen Skiverbands (DSV) im Garmischer Kurpark ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte, trudelten viele der geladenen Gäste erst herein. Und so lagen die meisten der aufgeschnittenen Leberpasteten und gerollten Butterwellen noch unangetastet da, als sie zum vermutlich 98. Mal von diesem, ihrem ersten Heim-WM-Tag erzählte.

Riesch of Germany celebrates third place after her Super-G race at the Alpine Ski World Championship in Garmisch-Partenkirchen

Jubel von Maria Riesch: Im Super-G wurde die Deutsche Dritte.

(Foto: REUTERS)

Wie sie am Morgen in ihrem eigenen Bett im Garmischer Elternhaus aufgewacht war und diese "große Anspannung" spürte. So lange schon warteten alle auf das erste Rennen der Ski-Weltmeisterschaft, für Maria Riesch ist dies ja eine WM auf den Bergen ihrer Kindheit. Sie fuhr dann den Super-G auf der Kandahar-Strecke hinunter, die so eisig und hart und ruppig war wie noch nie.

Später sollte sie von Kleinigkeiten im oberen Teil berichten, "die nicht gepasst haben", einen verpassten Schwungansatz in der "Hölle", dem berüchtigten Streckenabschnitt, der diesmal wie ein Eis-Spiegel glitzerte. "Aber insgesamt ist mir eine gute, konstante Fahrt geglückt", befand sie. Schlimmer als die Strecke war ohnehin die Zeit danach.

Denn wer will schon Vierte werden bei diesem ersten Rennen? Und danach sah es aus für Maria Riesch, zumindest für ein paar Minuten. Denn Riesch lag im Ziel bereits hinter der Österreicherin Elisabeth Görgl zurück (0,21 Sekunden), dann war auch Julia Mancuso (USA) um 16 Hundertstel Sekunden schneller und oben stand ja noch Lindsey Vonn. Ihre Freundin Lindsey, die fünf der vergangenen sechs Super-G-Rennen gewonnen hatte. "Wenn man auf der Abschlussposition drei steht, zittert man natürlich", sagte Riesch.

Doch Vonn fuhr nicht wie die überstarke Vonn, sondern wie eine, die sich nicht recht traut, nicht alles geben kann. Lindsey Vonn kam auf Platz sieben ins Ziel und endete dort "frustriert und traurig". Ein Trainingssturz am vergangenen Mittwoch zeigte offenbar Wirkung, Vonn sprach von anhaltenden Kopfschmerzen. "Vielleicht war es die falsche Entscheidung zu fahren", sagte sie, "die Konzentration war nicht da, mich hat alles überrascht."

Riesch blieb Dritte, hinter Mancuso und der Weltmeisterin Görgl. Dennoch reagierte das Publikum im Zielraum lange Zeit seltsam unentschlossen. Hatten die meisten bereits mit Gold gerechnet? Nur als Riesch auf der Strecke war, kam so etwas wie gute Stimmung auf. Als die nachfolgenden Starterinnen fuhren, bangten die Menschen nur noch still und seufzend um den Medaillenplatz ihrer Maria. Später bekam die zweite deutsche Starterin, Gina Stechert, ihren Applaus, doch die 23-Jährige stürzte in der Fis-Schneise und wurde noch am Abend wegen einer Daumen-Mittelhandfraktur in Murnau operiert. Ihr droht wohl das WM-Aus.

Ski-WM 2011: Super-G

Der Druck ist weg