Ski alpin:Note 3,5 vom Chef

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Ski alpin: Kleine Enttäuschung zum Schluss: Linus Straßer beendet den letzten Slalom der Saison nach einem guten ersten Durchgang nur auf Rang 18.

Kleine Enttäuschung zum Schluss: Linus Straßer beendet den letzten Slalom der Saison nach einem guten ersten Durchgang nur auf Rang 18.

(Foto: Mario Buehner/Imago)

In Meribél geht eine anstrengende Alpin-Saison zu Ende - mit einem gemischten Fazit beim Deutschen Ski-Verband. Für den kommenden Winter setzt Alpinchef Maier auf die Rückkehr von Thomas Dreßen.

Von Felix Haselsteiner, Meribel/München

Die letzten Fahrsekunden der Weltcupsaison 2021/22 gehörten den Norwegern. Auf der Salz-Piste von Meribél, die den warmen Temperaturen nur noch gerade so standhielt, fuhr Henrik Kristoffersen seinem dritten Slalom-Weltcupsieg entgegen, sichtbar waren inzwischen die Anstrengungen der zurückliegenden Monate: Jeder Schwung beim Saisonfinale war nochmal ein wenig anstrengender als sonst, nicht nur wegen der tiefen Piste.

Kristoffersen schlängelte sich daher auch nicht elegant durch die Tore, er kämpfte vielmehr und wurde Zweiter beim Sieg seines Landsmanns Atle Lie McGrath. Doch es reichte aus, um die vier anderen Konkurrenten um die letzte zu vergebende kleine Kristallkugel bei den Männern auf Distanz zu halten - was im Umkehrschluss bedeutete, dass der Deutsche Ski-Verband sich damit begnügen musste, die Saison ohne einen weiteren Höhepunkt abzuschließen.

"Es ist natürlich extrem schade heute", sagte derjenige, der noch die Möglichkeit hatte, daran etwas zu ändern. Linus Straßer war mit der Aussicht ins Rennen gegangen, Kristoffersen noch einholen zu können, auch nach dem ersten Durchgang war das noch ein denkbares Szenario. Dann jedoch fiel Straßer zurück, am Ende wurde er 20. und nannte den Abschluss der Saison "bitter" - was allerdings nicht für den Rest des Winters zählte. "Am Schluss war es eine coole Saison, was mir am meisten Spaß gemacht hat, war die Konstanz, die ich gezeigt habe", sagte Straßer, der in diesem Winter fünfmal in die Top-10 im Slalom fuhr und den Nachtslalom in Schladming gewann.

Straßer hat es damit fast im Alleingang geschafft, das deutsche Männerteam durch die Saison zu tragen. In den technischen Disziplinen, wo neben Straßer nur Alexander Schmid einen Podestplatz im Riesentorlauf erringen konnte, aber auch im Blick auf das gesamte DSV-Team, für das Alpinchef Wolfgang Maier ein in der Zusammenfassung recht negatives Fazit zog.

"Brutal finster" - der Chef beklagt einen deutlichen Qualitätsverlust

"Zufrieden können wir definitiv nicht sein mit der Saison. Als Schulnote würde ich eine 3,5 geben", sagte Maier gegenüber dem Sportinformationsdienst. "Es gab Highlights und guten Sport, bei Olympia könntest du mit drei Medaillen heimgehen - immerhin eine haben wir erreicht. Aber es gibt viele Herausforderungen, wo wir drüber schauen müssen." Maier kritisierte vor allem die fehlende Breite bei den Ergebnissen, bei den deutschen Speed-Athleten sah er einen "deutlichen Qualitätsverlust", den in der kommenden Saison nach Möglichkeit die Rückkehr von Thomas Dreßen ausgleichen soll: "Wir bauen zu hundert Prozent auf die Größe Dreßen, in alter Stärke", sagte Maier.

Als "absolute Gewinnerin" lobte er Lena Dürr, die auch am Samstag bewies, dass sie mittlerweile zur Elite im Slalom der Frauen zählt. Platz zwei in Meribél bedeutete für die Münchnerin die beste Saisonplatzierung nach drei dritten Plätzen und einer knapp verpassten Olympia-Einzel-Medaille. "Der Sieg ist immer noch nicht drin gewesen, aber das ist jetzt nochmal völlig okay", sagte Dürr: "Dann werde ich das nächstes Jahr angreifen. Da werden wir nicht locker lassen." Maier sah allerdings auch bei den Frauen, dass es hinter Dürr in der Mannschaft "brutal finster" werde. Einen Rückfall in die alten Zeiten, in denen die deutsche Mannschaft im alpinen Wintersport gar nicht um Podestplätze mitreden konnte, müsse man unbedingt verhindern.

Ski alpin: Strahlende Weltcup-Gesamtsieger: Marco Odermatt (Schweiz) und Mikaela Shiffrin (USA) präsentieren ihre großen Kristallkugeln.

Strahlende Weltcup-Gesamtsieger: Marco Odermatt (Schweiz) und Mikaela Shiffrin (USA) präsentieren ihre großen Kristallkugeln.

(Foto: Alessandro Trovati/AP)

Außerhalb der Slalombewerbe sind das allerdings die Realitäten: Beim Riesentorlauf der Frauen am Sonntag etwa trat gar keine deutsche Fahrerin unter den besten 25 an. Die letzte kleine Kristallkugel holte sich die Französin Tessa Worley, die damit kurz vor Schluss noch Mikaela Shiffrin abfing. Die US-Amerikanerin führte nach dem ersten Durchgang noch mit großem Vorsprung, doch als der Schnee im zweiten Durchgang stark aufweichte, behagte ihr das gar nicht und sie fiel auf Rang sieben zurück. "Natürlich ist es enttäuschend", sagte Shiffrin. Dafür durfte sie sich ja über die bedeutendste Kugel, die große Kristallkugel für den Gewinn des Gesamtweltcups, freuen. Bei den Männern heimste der Schweizer Marco Odermatt diese Auszeichnung ein.

Wie kaum eine andere Fahrerin hatte Shiffrin in diesem Winter miterlebt, welche Herausforderungen der Rennkalender zwischen Corona-Beschränkungen und Olympia in Peking bereithielt, erschöpft wirkte der gesamte Skizirkus. Shiffrin sagte deshalb zum Saisonende nur noch einen kurzen Satz, mit dem sie ihre sportliche Enttäuschung mit dem Blick auf die nun bevorstehende Pause verband: "Aber es ist okay."

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