Ski alpin:Befreiung am Lauberhorn

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Ski alpin: Das Podium ist wieder in Sicht- und Reichweite: Josef Ferstl fährt im Super-G in Wengen auf Rang sechs.

Das Podium ist wieder in Sicht- und Reichweite: Josef Ferstl fährt im Super-G in Wengen auf Rang sechs.

(Foto: Alexis Boichard/Zoom/Getty Images)

Romed Baumann auf Rang vier, Josef Ferstl nach langer Auszeit in der Weltspitze auf Platz sechs: Die deutschen Schnellfahrer eröffnen die heiße Olympia-Vorbereitung vielversprechend.

Von Johannes Knuth, Wengen/München

Er habe es etwas leichter als viele Kollegen, hatte der Skirennfahrer Josef Ferstl vor der Saison im SZ-Interview gesagt: Die Debatten um die Olympia-Qualifikation, die strikten Maßnahmen gegen das Virus in Peking, die Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland, wo am 4. Februar die Wettbewerbe beginnen - damit könne er sich gar nicht lange aufhalten. Er habe ja schon genug damit zu tun, in die Weltspitze zurückzufinden. Ferstls Kapazitäten für außersportliche Diskurse dürften demnach zuletzt wieder gewachsen sein: Am Donnerstag, auf der Lauberhornstrecke in Wengen, im Super-G unter Eiger, Mönch und Jungfrau, da überführte der 33-Jährige sein stärkstes Resultat seit Langem in die Wertung: Platz sechs, sogar das Podium war wieder "in Reichweite", wie er zufrieden notierte.

Ferstls Stimme war deutlich hörbar von einem Bass der Genugtuung unterlegt: Er hat zwei Winter hinter sich, die nicht so verliefen, "wie ich es eigentlich kann", hatte er zuletzt erzählt. Vor allem die vorherige Saison kam für den Schnellfahrexperten mehr einem wilden Slalom gleich; der Saisonbeginn war durchwachsen, und gerade, als er in bessere Form zu schlüpfen schien, stürzte er schwer in Garmisch-Partenkirchen - die WM in Cortina d'Ampezzo war futsch. Seine Lehre? "Ich habe mich in der letzten Saison oft von anderen beeinflussen lassen, weil ich gemeint habe, da höre ich auf den und den und den, dann werden wir noch besser", sagte er zuletzt: "Ich habe mein Hirn abgegeben und mich nicht mehr richtig damit auseinandergesetzt." Dominik Schwaiger, Ferstls Teamkollege, der mit Ferstl damals denselben Servicemann teilte, berichtete zuletzt, dass die Servicekraft etwas zu wenig auf die Wünsche der Fahrer eingegangen sei. Seit Ferstl und er einen neuen Mann hätten, der ihnen die Skikanten schleift, gehe es jedenfalls wieder voran.

Ferstl lasse es ab und zu auch mal etwas lockerer angehen

Wolfgang Maier, der Sportvorstand im Deutschen Skiverband, verortete die Fehlersuche zuletzt allerdings nicht bei der Materialabstimmung. Ferstl habe nach seinen Erfolgen, zwei Super-G-Siege im Weltcup, viel von sich erwartet. Zugleich sei "der Pepi" eher eine sensible Natur, er lasse in gewissen Phasen auch mal locker, sagte Maier. "Dann geht es natürlich sofort nach hinten los, weil die Konkurrenz viel zu stark ist". Wohl wahr: Zwischen Platz drei (dem Österreicher Matthias Mayer) und zehn lagen am Donnerstag vier Zehntelsekunden. Allein der Schweizer Marco Odermatt, der seinen sechsten Saisonsieg schaffte, und Norwegens Aleksander Aamodt Kilde waren dem Feld etwas entrückt.

Auch stark: Romed Baumann, zu Saisonbeginn in den Super-G-Rennen noch holprig unterwegs, wurde diesmal Vierter, drei Hundertstelsekunden hinter Rang drei. Er habe jetzt wieder "das Selbstvertrauen, attackieren zu können", sagte der 35-Jährige, so in etwa hatte er sich vor einem Jahr schon mal geäußert. Kurz darauf gewann er in Cortina WM-Silber.

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