Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch:"Das ist wichtiger als jeder Wettkampf"

Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch: "Ich muss nur in die Ergebnislisten schauen, um zu sehen, dass meine Leistungen im Laufe dieser Saison schlechter werden": Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch.

"Ich muss nur in die Ergebnislisten schauen, um zu sehen, dass meine Leistungen im Laufe dieser Saison schlechter werden": Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch.

(Foto: Pavlo Bagmut/Ukrinform/Imago)

Statt sich ganz auf seinen Sport zu konzentrieren, sucht Wladyslaw Heraskewytsch im Internet nach russischen Athleten, die Putins Krieg unterstützen - um Russlands Präsenz bei Olympia in Paris einzudämmen.

Protokoll: Johannes Knuth

"Ich wühle mich seit Monaten durch russische Propaganda, um Athleten aus Russland und Belarus zu finden, die mit dem Militär oder der Regierung verwoben sind. Diese Sportler müssten von den Olympischen Spielen in Paris ausgeschlossen bleiben, so sehen es ja zumindest die Bedingungen des Internationalen Olympischen Komitees vor. Ich mache diese Arbeit auch, weil ich das Gefühl habe, dass das IOC und die Fachverbände daran nicht aufrichtig interessiert sind - aus welchen Gründen auch immer.

Wir arbeiten viel mit ukrainischen Journalisten zusammen, die wirklich Großartiges leisten. Wir durchsuchen etwa Profile in den sozialen Medien, Internetseiten von russischen Armeeklubs und von russischen Militärstrukturen, verfolgen russische Nachrichtenportale, um Fotos oder Videos zu finden, in denen Athleten den Krieg unterstützen. Das alles tragen wir in Listen ein, um den Überblick zu behalten und auf dem neuesten Stand zu bleiben.

"Jeder russische Athlet, der diesen Krieg unterstützt, macht damit einen kleinen Unterschied"

Wenn ein Reporter zum Beispiel herausgefunden hat, dass russische Athleten auf der völkerrechtswidrig annektierten Krim ein Trainingslager abhalten, helfen ihm meine Kollegen und ich, die Athleten zu identifizieren. Wir kennen die Sportler ja am besten. Das Material leiten wir an unsere Funktionäre oder den betroffenen Weltverband weiter, der die Athleten und den betroffenen russischen Verband eigentlich sanktionieren müsste.

Es ist nicht leicht, solche Vorgänge lückenlos zu beweisen, und es ist alles ohnehin sehr aufwühlend. Es kostet viel Zeit und Energie, die ich dafür aufwenden müsste, um mich auf meine Wettkämpfe und mein Training zu fokussieren. Ich muss nur in die Ergebnislisten schauen, um zu sehen, dass meine Leistungen im Laufe dieser Saison schlechter werden.

Aber wenn meine Mitstreiter und ich das alles nicht tun würden, wäre der Preis dafür zu hoch. Wenn wir Russland erlauben, seine Athleten für seine Propaganda zu missbrauchen, wenn viele Athleten diese Propaganda sogar selbst verbreiten, werden noch mehr Russen an die Front gehen, noch mehr Menschen sterben. Jeder russische Athlet, der diesen Krieg unterstützt, macht damit einen kleinen Unterschied. Wir wollen zumindest verhindern, dass er auch bei den Olympischen Spielen eine Bühne erhält. Das ist wichtiger als jeder Wettkampf."

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