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Shorttrack:Kein Experiment

Die deutsche Shorttrackerin Anna Seidel wünscht Klarheit in der Trainerfrage. Mehrere Athletinnen sprechen sich für Wilma Boomstra aus und kritisieren, dass der Verband sie nicht über die Pläne informiert und auch nicht zu Rate gezogen hat.

Am Mittwochabend hat Anna Seidel noch einmal trainiert in der Eis-Arena von Gangneung. Aber die Shorttrack-Wettkämpfe sind für die 19 Jahre alte Dresden beendet, ihre Bilanz fällt enttäuschend aus: "Es war hart für mich. Ich habe nicht in einem Lauf zeigen können, was ich wirklich kann", sagte die Dritte der diesjährigen Europameisterschaften nach einem Sturz im 1000-Meter-Rennen. Die Situation wird dadurch erschwert, dass sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland vor einer ungewissen Zukunft steht.

"Ich will vier Jahre weiter laufen", sagte Anna Seidel, "aber ich weiß nicht, wo und bei wem." Weil der Posten des hauptamtlichen Bundestrainers nicht besetzt ist, haben Anna Seidel und ihre Dresdener Klubkollegin Bianca Walter, die beiden einzigen deutschen Olympia-Athleten, im vergangenen halben Jahr in den Niederlanden im Privatteam von Wilma Boomstra trainiert.

Der deutsche Verband DESG knüpfte die Kontakte und übernahm die Kosten, aber für die Abiturientin Anna Seidel bedeutete dies unter anderem, dass sie zu Klausuren von Utrecht nach Dresden pendeln musste. Nun ist die Bundestrainer-Stelle ausgeschrieben, und es gibt laut der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) auch Bewerber, aber die Athleten beklagen, dass man sie über die Pläne nicht informiert und auch nicht zu Rate gezogen hat.

Athletinnen sprechen sich für Wilma Boomstra aus

Sowohl Seidel als auch Walter hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, dass Wilma Boomstra die Stelle am Stützpunkt Dresden übernimmt. Sie schätzen die Zusammenarbeit und betonten beide, dass sie sich technisch enorm verbessert hätten. Von den deutschen Shorttrack-Spezialisten hatten sich nur die beiden in Utrecht trainierenden Athletinnen für die Winterspiele qualifiziert, ein dritter Quotenplatz bei den Männern wurden nicht in Anspruch genommen, weil kein Sportler die nationale Norm erfüllte.

Daniel Zetzsche, 27, der die beiden Shorttrackerinnen bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang als kommissarischer Bundestrainer betreut, hat sich nach eigenen Angaben nicht beworben. Er will zunächst weitere Erfahrung sammeln. "Ich hoffe, dass der neue Trainer mich nicht zum Auswandern bringt", hat Anna Seidel nun in Gangneung gesagt. Die Qualifikation und das Trainingskonzept seien für sie ausschlaggebend: "Ich will nicht wieder herumexperimentieren." Für die Shorttrackerinnen steht im März noch die Weltmeisterschaft in Montreal an. Anfang April, sagte Anna Seidel, wolle Wilma Boomstra sie über ihren Entschluss informieren: "Notfalls", sagte sie, "ziehe ich ins Ausland." Die DESG würde ihre beste Shorttrackerin verlieren.