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Schottischer Fußball:Rangers und Celtic boten Fußball in Reinform

Nun aber tauchen die einheimischen Talente, die jahrelang im Verborgenen blieben, plötzlich wieder an der Oberfläche auf. Im Pokal-Halbfinale standen zwölf Schotten in den Startformationen - aus Überzeugung, aber auch, weil die ausländischen Ligen finanziell inzwischen weit entfernt sind. Mit jenen 3,5 Millionen Euro, die Celtic in dieser Saison aus der Fernsehvermarktung einkalkulieren kann, lassen sich Spieler aus Mitteleuropa kaum noch überzeugen, nach Glasgow zu wechseln.

Immerhin hat sich die neue Generation schottischer Talente vom Spielstil ihrer Vorfahren emanzipiert, ohne deren Ideale aufzugeben. Sie setzen weiter jedem Ball nach, jeder Zweikampf ist eine körperliche Auseinandersetzung mit maximaler Intensität. Trotzdem finden in den Angriffsreihen kleine, dribbelstarke Spieler ihren Platz, der körperlich robuste, aber unbewegliche Stoßstürmer ist fast abgeschafft.

So wie Kinder das auf dem Bolzplatz tun

Das Glasgower Pokal-Derby hat die Basistugenden des Spiels wieder zum Leben erweckt, jene Tugenden, die bei europäischen Spitzenvereinen zunehmend verschwinden. Den Jugendabteilungen großer internationaler Klubs würde es nicht schaden, sich einmal Sequenzen dieser Partie anzusehen. Rangers und Celtic boten Fußball in Reinform, frei von strategischen Hintergedanken griffen sie an, so wie Kinder das auf dem Bolzplatz tun.

In 120 Spielminuten gab es keine Verletzungsunterbrechung. Einmal prallte Rangers-Kapitän Lee Wallace mit dem Kopf an die Schulter seines Gegenspielers, leicht benommen kniete er am Boden. Die Zuschauer pfiffen ihn so lange aus, bis er ohne Behandlung wieder aufstand. Zeitspiel ist in Schottland verhasst, über allem steht die Einhaltung der Fairness. Trainer und Spieler erlauben sich nicht, Entscheidungen des Schiedsrichters wild gestikulierend zu kommentieren. Nach einem Freistoßpfiff blockiert niemand den Ball.

Diese Werte könnten neben Celtic nun auch wieder die Rangers über ihr Land hinaus transportieren. In einem Monat treffen sie im Pokalfinale auf Hibernian Edinburgh, der Sieger nimmt an der Qualifikation zur Europa League teil.