Schiedsrichter bei Handball-WM:Es bleibt ein mulmiges Gefühl

Handball-WM Deutschland - Katar

Patrick Wiencek (re.), verwundert über manchen Pfiff

(Foto: dpa)

Die eigene Leistung war zu schwach - doch auch mit den Schiedsrichtern hadert das deutsche Team nach dem verlorenen Viertelfinale der Handball-WM. Es besteht der Verdacht, dass der Gastgeber mit aller Macht weiterkommen sollte.

Von Saskia Aleythe

Die Haare tropfen noch, das Trikot klebt an Silvio Heinevetter. Es ist Mittwochabend, Deutschland hat gerade das Viertelfinale der Handball-WM verloren, denkbar knapp mit 24:26. Gegen den Gastgeber Katar. Heinevetter tritt vors Mikrofon, er soll erklären, warum es mit einem Sieg nicht geklappt hat. Der 30-Jährige lächelt verbittert, wirft sich das Handtuch über die Schulter, hält inne. "Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht", sagt Heinevetter, "aber heute können wir das Spiel nicht gewinnen." Was das bedeute, wird er gefragt, Heinevetter sagt: "Das weiß jeder. Wir sind immer noch Gäste hier in diesem Land. Man muss aufpassen, was man sagt."

Silvio Heinevetter ist ein emotionaler Mensch. Einer mit einer starken Meinung, und wenn die im deutschen Torhüter brodelt und nach draußen will, dann gelingt ihr das auch. Manchmal zu drastisch, in der Bundesliga gab es schon Verfahren wegen Schiedsrichterbeleidigung gegen ihn. Doch an diesem Abend in Katar war es nicht nur der aufgeregte Berliner, den ein mulmiges Gefühl umgab. Dieses Gefühl, dass Katar mit aller Macht ins Halbfinale kommen sollte. Auch mit Hilfe der Schiedsrichter.

"Ich verliere normal nie ein Wort über die Schiedsrichterleistung", sagte etwa Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes, "aber jeder, der etwas vom Handball versteht, hat gesehen, was hier heute abgelaufen ist." Wer etwas von Handball versteht, weiß: Es ist ein sehr dynamisches Spiel, der Erfolg jedes Angriffes hängt auch von den Entscheidungen des Schiedsrichters ab. Alle paar Sekunden kommt ein Pfiff und die Regeln lassen viel Spielraum zur Interpretation. Und zur Beeinflussung, die niemand tatsächlich nachweisen kann. Alles Auslegungssache.

Mit komischen Pfiffen hatten zuvor die Österreicher ihre Erfahrung gemacht: Im Achtelfinale schied das Team gegen Katar aus. Auffällig: viele zweifelhafte Stürmerfouls. Trainer Patrekur Jóhannesson sagte später: "Ich glaube, Katar wird Weltmeister."

Und wie war das im Viertelfinale der Deutschen? Genau: Es wurden viele zweifelhafte Stürmerfouls gepfiffen. In der 39. Minute stand es plötzlich nur noch 20:19 für Katar, so wenig Vorsprung hatten die Gastgeber seit der zehnten Minute nicht mehr gehabt. Die folgenden Angriffe der Deutschen beendeten die Schiedsrichter mit zwei fragwürdigen Entscheidungen auf Stürmerfoul gegen Patrick Wiencek und Paul Drux. Katar machte derweil vorne seine Tore und war mit 22:19 wieder in einer komfortablen Situation.

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