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Rudern:Nicht im selben Boot

Rudern - Rudergemeinschaft Olympos Würzburg

„Nur die Stadt kann das Aus jetzt noch verhindern“: Stephan Schad (Mi.) hofft trotz aller Rückschläge auf ein Ruderzentrum.

(Foto: Geschäftsstelle Integrationsbeauftragte / OH)

In der Würzburger Ruderszene rumort es seit Jahren - nun muss sich einer der drei Vereine wohl auflösen. Dabei gäbe es auch eine Lösung für alle.

Eigentlich hat Stephan Schad den Kampf längst verloren. Seit einer Mitgliederversammlung Ende September ist es beschlossene Sache, dass sich der Ruderverein, in dem er sich engagiert, zum Jahresende auflösen wird. Schad aber will sich nicht damit abfinden - er kämpft weiter.

An einem der letzten sonnigen Nachmittage des Jahres steht Schad, hellgraue Hose, dunkelblaues Hemd, rote Rahmenbrille, am Würzburger Mainufer und deutet auf die Ruderboote. Es ist deutlich zu sehen, dass das Wetter ihnen ziemlich zu schaffen macht, bei einigen fällt allmählich der Lack ab wie das Laub von den Bäumen, unter denen sie gelagert sind. "Es ist kein Dauerzustand, dass die Boote hier unter freiem Himmel stehen", sagt Schad. In seiner Stimme liegt eine gewisse Entschiedenheit, aber auch etwas Verzweiflung.

Vor mehr als vier Jahren ist Schad aus dem Würzburger Ruderverein Bayern (WRVB) ausgetreten, um mit ein paar anderen Ruderern die Rudergemeinschaft Olympos Würzburg (ROW) zu gründen. Das Problem ist nur: Während der WRVB nach und nach Mitglieder verliert, aber zwei Drittel des gesamten Geländes besitzt, hat die ROW zwar großen Zulauf, allerdings weder ein eigenes Bootshaus noch Umkleideräume. Sie ist deshalb beim dritten Verein der Würzburger Rudermeile untergekommen, dem Akademischen Ruderclub Würzburg, kurz ARCW. Weil dort aber nicht ausreichend Platz ist für zwei wachsende Vereine, steht die ROW unmittelbar vor dem Aus. All die Jahre waren ihre Mitglieder Geduldete - schon bald dürften sie Gestrandete sein.

Schad, 36, setzt sich auf eine Holzbank neben den Booten, legt die Hände in den Schoß und blickt hinunter auf den Main. Es könnte eines der letzten Male sein, dass er sich hier in dieser Idylle aufhält. Schad ist ein tatendurstiger Mann; wenn er jetzt aber über das Klima an der Rudermeile spricht, ist zu spüren, dass sich Resignation in ihm breitgemacht hat. "Wir können es dem ARCW nicht länger antun, dass wir hier die Flächen belegen", sagt Schad, "er bräuchte selbst mehr Platz - stattdessen nehmen wir ihm noch welchen weg."

Die ROW hat die Stadt um Hilfe gebeten, die ROW hat dem WRVB ein Angebot für eines der beiden Bootshäuser gemacht, weil dieses ohnehin nicht genutzt wird, die ROW hat selbst nach alternativen Grundstücken am Main gesucht - vergebens. "Nur die Stadt kann das Aus jetzt noch verhindern", sagt Schad, doch im Rathaus betonen sie, sie könnten sich nicht über Erbpachtverträge hinwegsetzen. Sie seien zwar der Eigentümer des Geländes, es käme aber einer Enteignung gleich, sollten sie etwa den WRVB nötigen, ein Bootshaus abzutreten.

Schad kennt dieses Argument, er hat es x-mal gehört. Inzwischen ist er müde geworden. Müde des Disputs, den er mit dem WRVB austrägt, müde aller Anstrengungen, die Auflösung der ROW noch abzuwenden. Im Grunde will Schad doch bloß eine Lösung erzielen - und er hat auch eine große im Sinn: ein Ruderzentrum, in dem die drei Vereine gemeinsam untergebracht sind. "Das wäre der Königsweg", sagt Schad, "das wäre eine fantastische Sache. Man würde mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen." Er glaubt allerdings nicht mehr daran, dass seine Idee auf offene Ohren stößt, schließlich hat es in diesem Jahr noch kein einziges Gespräch zwischen der ROW und der Stadt gegeben.

Schad hat alle beiläufigen Treffen protokolliert, um nichts durcheinanderzubringen, jetzt trägt er vor: Am 28. November des vergangenen Jahres sei die ROW im Anschluss an eine Sportlerehrung auf Oberbürgermeister Christian Schuchardt zugegangen, bei der Eröffnung der Rudersaison am 1. Mai erneut, bei der Verleihung eines Integrationspreises am 25. Juni ein drittes Mal. Die Frage war stets dieselbe: Wann passiert etwas? Die Antwort war ebenfalls stets dieselbe: Bald.

Inzwischen sagt Cornelia Drewitzki: "Das macht mürbe, es geht an die Substanz." Drewitzki sitzt neben Schad auf der Holzbank, sie ist die Vorsitzende des Vereins und ficht mit Schad jenen Kampf aus, der im Grunde schon verloren ist. Drewitzki trägt eine gelbe ärmellose Jacke und wasserstoffblonde Lockenhaare, sie ist nicht minder energiegeladen als Schad, doch auch ihr hat längst gedämmert, dass das Ende der ROW nahe ist.

In den vergangenen Wochen hat Schad eine Menge unternommen, um die Hoffnung am Leben zu halten. Er hat einen Brief an die Stadt geschrieben, er hat Tag für Tag versucht, die Öffentlichkeit auf die Umstände an der Rudermeile aufmerksam zu machen - aber nun gesteht er doch: "Ich bin geschafft."