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Roman Weidenfeller:Bittere Landung

EM-Qualifikation Gibraltar - Deutschland

Die Zeit des Abschieds naht: Nationaltorwart Roman Weidenfeller nach dem Einsatz gegen Gibraltar.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Nach der Verpflichtung von Torwart Bürki endet Roman Weidenfellers Zeit beim BVB - und auch in der Nationalelf.

Von Christof Kneer, Faro

Immerhin einen letzten Gefallen haben die Dortmunder ihrem Torwart noch tun können. Sie haben Roman Weidenfeller erst in Deutschland landen lassen, bevor sie auf den Knopf drückten und diese Meldung ins Land hinausschickten: "BVB verpflichtet Freiburgs Torwart Bürki für vier Jahre". Weidenfeller stand vor keiner Kamera mehr, als das Land von seinem Nachfolger in Kenntnis gesetzt wurde, kein Mikrofon war in seiner Nähe, die offizielle Länderspiel-Berichterstattung war vorbei. Dennoch wirkten die mutmaßlich letzten Sätze, die Weidenfeller als Nationaltorwart hinterließ, im Zuge der neuen Erkenntnisse eher schräg: "Ich habe beim BVB noch einen Vertrag bis 2016 und gehe derzeit davon aus, dass ich am 29. Juni zum Trainingsstart erscheine", sagte Weidenfeller nach einem 7:0-Sieg, bei dem er kurioserweise der beste Spieler war.

Und dann sagte er noch: "Der Verein muss mir mitteilen, wie er mit mir plant. Dass ich spielen möchte, ist doch eine Selbstverständlichkeit."

Man muss diesen Sätzen wohl entnehmen, dass sie es beim BVB ihrem Torwart noch nicht persönlich gesagt haben, zumindest nicht bis zur Rückkehr vom Gibraltar-Länderspiel: dass sie mit dem jungen Torhüter-Duo Roman Bürki, 24, und Mitchell Langerak, 25, in die neue Saison starten werden. In Traditionsbetrieben tun sie sich aus Nostalgie- und Folkloregründen mitunter schwer, ihre Helden zu verabschieden, sie haben dort nicht den Luxus wie bei der Nationalelf. Joachim Löw kann es sich erlauben zu warten, im Idealfall erledigen sich seine Personalien dann von selbst. Dortmund kann nicht warten. Weidenfeller besitzt einen gültigen Vertrag, der ihn berechtigt, zur neuen Saison wieder zu erscheinen - falls er keinen Klub findet, der sich mit den Ambitionen eines 34-jährigen Nationaltorwarts verträgt.

Joachim Löw wird den Kader weiter durchlüften

Von Weidenfellers beruflicher Zukunft dürfte abhängen, ob dieses hübsche, kleine Länderspiel wirklich sein letztes war. Joachim Löw hat sich in bewährter Manier alles offen gehalten, "wir haben keine Veranlassung, unmittelbar jetzt zu entscheiden", sagte er. Unter Spielern ist dieser Satz berüchtigt, weil es der Satz ist, den schon Kevin Kuranyi, Michael Ballack und Torsten Frings zu hören bekamen, bevor ihre DFB-Karrieren grußlos endeten.

Anders als in diesen Fällen hat Löw allerdings keinerlei ideologische Dispute mit diesem Spieler ausgetragen, er schätzt Weidenfeller als seriösen Stellvertreter. Löw weiß aber natürlich, dass er auch ohne Weidenfeller mehr taugliche Torwarte im Land findet als in ein DFB-Aufgebot passen - zumal der Stammplatz im Tor von diesem Manuel Neuer besetzt gehalten wird, der sich stur weigert, nachzulassen.

Die Zukunft gehöre "den jungen Torhütern", hat Löw gerade gesagt und dabei die U21-Keeper Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Timo Horn genannt, die er noch mehr schätzt als den ebenfalls geschätzten Frankfurter Kevin Trapp, der sich fürs Gibraltar-Spiel als eine Art stille Reserve in der Heimat bereit hielt. Zwar kann sich Weidenfeller mit der Erkenntnis trösten, dass keiner der Genannten gegen Gibraltar weniger Gegentore kassiert hätte als er, dennoch dürfte ihm ein doppelter Abschied bevorstehen: vom BVB und vom DFB.

Die Nationalelf des Jahres 2015 hat keinen Umbruch vor sich, sie ist selbst noch eine Umbruch-Elf, die ihre Hierarchien nach den Rücktritten von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker neu ordnen muss. Dennoch wird Löw den Kader bis zur EM weiter durchlüften, ein Spieler wie Karim Bellarabi hat sich bereits unverzichtbar gemacht, und andere Neulinge wie Jonas Hector, Patrick Herrmann und Antonio Rüdiger haben die unterste Hierarchiestufe schon verlassen und sie freigemacht für Talente wie Kevin Volland, Emre Can, Max Meyer oder Julian Brandt.

Dortmund sucht übrigens auch noch einen Stürmer, aber das wird dem zweiten Streichkandidaten neben Weidenfeller kaum weiterhelfen. Lukas Podolski ist beim BVB kein Thema.

© SZ vom 15.06.2015

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