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Frank Stäbler:Der Goldkandidat ringt im Hühnerstall

Ringer Stäbler

Freude bei der Arbeit: Frank Stäbler mit seinem Sparringspartner Mohammed Papi in der neuen Ringerhalle auf dem Hof seines Vaters.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Frank Stäblers Olympiatraum erschien durch den Streit mit dem Ex-Verein fast unmöglich. Nun trainiert er im ehemaligen Hühnerstall - und hat einen verwegenen Plan.

Kaum zu glauben, dass hier mal Hühner gackerten. Man braucht schon ein bisschen Fantasie, um sich vorzustellen, wie sie auf den Querstangen dösten, am Boden auf und ab staksten, da und dort Eier legten, und wie sie dann plötzlich aufgeregt flatterten und vielleicht aufeinander losgingen, wenn um den höchsten Stangenplatz gekämpft wurde. Hundert Hühner hatte der Großvater dort noch gehalten, hundert Hühner in gut 20 Ställen. In den Achtzigern war das, lange her. Jetzt kämpfen dort die Ringer.

Dennoch: Der Titel Hühnerstall bleibt erst einmal, auch wenn er gerade umgebaut wurde in eine Trainingshalle. Vielleicht wird dies sogar einer der berühmtesten Hühnerställe im Land. Denn darin wird sich von nun an der dreimalige Weltmeister und beste deutsche Ringer seiner Zeit auf seinen letzten großen Kampf vorbereiten: Bei den Spielen im Sommer in Tokio will Frank Stäbler in der Griechisch-Römisch-Version auch noch eine Olympiamedaille gewinnen. Und vorher versucht er, ein weiteres Mal Europameister zu werden, am kommenden Mittwoch in Rom. Stäbler, 30, ist Großvaters Enkel.

Dass er nun im Bauernhofes seiner Eltern südlich von Stuttgart gelandet ist, liegt an einem absurden Streit zwischen dem Hauptverein TSV Musberg und Stäblers Ringerabteilung, die sich mittlerweile als KSV Musberg abgespaltet hat. Zudem daran, dass weder der Großverein noch die Gemeinde es schafften, für ihre Ringer, die nicht nur Goldmedaillen gewonnen, sondern auch ein Bundesligateam aufgestellt hatten - kurz: die der Gemeinde ordentlich Werbung verschafften -, einen neuen Trainingsraum bereitzustellen. Zwischendurch war Stäbler sogar in den unbeheizten Kuhstall ausgewichen. Abgeschoben in einen Stall, das klingt auch diesmal nach Verbannung, doch das Gegenteil trifft zu. Bei der Einweihung der Trainingsstätte im Hühnerstall erklärte Stäbler: "Dieser Tag ist eine Befreiung!"

Der aufsässigste Goldkandidat hält Hof

Nie hätte sich der Großvater das wohl damals träumen lassen, dass in seinem Stall mal eine Sponsorenleinwand aufgespannt wird, davor Bänke gestellt und Kameras justiert werden. Dass die großen Fernsehsender zu Besuch kommen, die Sportagenturen und die Presse. Draußen stehen viele Autos und der Auflauf drinnen hat auch viel damit zu tun, dass keiner was verpassen will, er ist aber auch sachlich begründet. Denn da hält einer der deutschen Olympia-Goldkandidaten Hof, vielleicht sogar der ehrgeizigste von allen. Jedenfalls der aufsässigste.

"Ringer sind Kämpfer", sagt Stäbler.

Überall in der neuen Trainingshalle ist sie zu spüren, diese Genugtuung. Etwas weiter hinten steht Theo Stäbler, der Vater. Er sei einer seiner drei Musketiere, sagt Frank, zusammen mit dem Opa und dem Familienfreund Uwe. "Die Musketiere haben ein halbes Jahr lang sechs Tage die Woche zehn Stunden geschafft und malocht", sagt der Ringer. Und wenn man Vater Theo fragt, dann erklärt er einem die Details dieses Raumes und wirkt so stolz, als hätte er eine Medaille für Baukunst um den Hals.

Die größte Hürde zum Beispiel, das war die fünf Meter hohe F90er-Brandschutzwand, Vorschrift natürlich. Eine zwei mal zwei Zentimeter dicke Spezialdämmplatte musste da drauf, damit es wirklich eine F90er ist, die einem Feuer 90 Minuten lang standhält. Und dann noch die Dachisolation: Alles musste gedämmt werden, und nicht zu vergessen die Dampfschutzfolie, damit die Dämmung nicht fault. Getackert, gespannt und "sauber abgeklebt", sagt Theo Stäbler und lächelt.

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