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Regionalliga:Fluch der Vergangenheit

Trainer Wolfgang Schellenberg Burghausen enttäuscht schauend Enttäuschung Frustration disappoin

„Wir haben vereinbart, dass wir über die Gründe nicht reden“: Wolfgang Schellenberg verabschiedet sich leise aus Burghausen.

(Foto: Sven Leifer/imago/foto2press)

Große Ansprüche, kleiner Obolus: Trainer Wolfgang Schellenberg tritt beim früheren Zweitligisten SV Wacker Burghausen ab. Zumindest der Zeitpunkt war überraschend.

Die Trennung sei geradezu "harmonisch" verlaufen, sagt Karl-Heinz Fenk, er könne sich bei Wolfgang Schellenberg nur dafür bedanken. Es passiert nicht alle Tage, dass sich der Teammanager über die branchenübliche Etikette hinaus so positiv äußert über einen Trainer, der mehr als zwei Monate lang keinen einzigen Sieg einfahren konnte. Da ist es womöglich fast schon nebensächlich, dass die Frage nach den Gründen beim SV Wacker Burghausen fast nur unharmonische Antworten ergibt. "Wir haben vereinbart, dass wir über die Gründe nicht reden", sagt der nun ehemalige Trainer Wolfgang Schellenberg. "Ich kenne die Gründe nicht", sagt Fenk, "das kam für uns alle überraschend."

Zumindest der Zeitpunkt war es. Am vergangenen Freitag um 18.05 Uhr, quasi zeitgleich mit dem Vorbericht auf das Spiel beim TSV Rain, verschickte der Klub die Pressemitteilung. Am Tag zuvor hatte Schellenberg seinen Rücktritt angeboten, nun löste er seinen bis Saisonende geltenden Vertrag auf. Die Assistenztrainer Ronald Schmidt und Manfred Stutz übernahmen. Das Duo, so viel ist schon einmal klar, wird die Mannschaft bis zur Winterpause anleiten. Danach wolle man sich "in Ruhe zusammensetzen" und einen Nachfolger suchen, wobei Stand jetzt auch Schmidt und Stutz Kandidaten sein könnten. Einen guten Einstand hatten sie allerdings nicht: Burghausen verlor am Samstag trotz Führung 2:4 und ist nur noch drei Punkte von den Abstiegs-Relegationsrängen entfernt.

"Die zweite Liga war Fluch und Segen zugleich"

Fenk erzählt viel davon, dass die Zeiten nicht leicht seien für Amateurklubs. Für Regionalliga-Funktionäre sei der Verein zum Fulltime-Job geworden, und ein Verein wie Wacker Burghausen habe mit ein paar besonderen Problemen zu kämpfen. "Die zweite Liga war Fluch und Segen zugleich", sagt er über die Zeit zwischen 2002 und 2007. Die Ansprüche im Umfeld hätten häufig nichts mehr mit der Realität zu tun, sorgten bisweilen aber nicht gerade für gute Stimmung. Die gute Infrastruktur bei Wacker würde das Bild noch verfestigen, wonach der Klub hochklassig spielen müsse. Dabei sei man mittlerweile ein "Ausbildungsverein", so Fenk. Ohne einen "kleinen Obolus" des Namensträgers gehe es auch gar nicht - man sei sehr dankbar. Vor drei Jahren habe man den Etat um 50 Prozent gesenkt. Zusätzlich habe man aktuell im Vergleich zur Vorsaison "auch nochmal reduzieren müssen", sagt er. Und irgendwann hört es sich so an, als ob Fenk möglicherweise gerade auch über die Gründe redet, die Schellenberg zum Rücktritt getrieben haben.

Natürlich wusste dieser im Sommer 2018, dass niemand in Burghausen eine Rückkehr in den Profifußball plant. Ob ihm aber gegen Ende trotzdem vielleicht einfach die Perspektive gefehlt habe, gepaart mit der Erfolglosigkeit? "Ich will da keine Vermutungen anstellen", sagt der Teammanager. Doch auch, wenn die Perspektive für einen Nachfolger gerade nicht allzu gut sein mag, so haben Traditionsvereine schon noch einen Vorteil gegenüber kleineren Klubs: Der TSV 1860 München hat gerade erst bewiesen, dass man trotz eines niedrigen Tabellenplatzes für viele Trainer attraktiv ist.

"Sie glauben ja nicht, wie viele mich das gefragt haben", sagt Schellenberg auf die Frage, ob sein Rücktritt mit dem Rücktritt von Daniel Bierofka zu tun gehabt habe. Hatte er natürlich nicht, auch wenn Schellenberg insgesamt 13 Jahre für die Sechziger gearbeitet hat (oder vielleicht auch gerade deswegen), die meiste Zeit als Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums, das Spieler wie Julian Weigl hervorbrachte. Aber in einer Woche, in der in ganz Bayern von der ersten bis zur fünften Liga namhafte Klubs ihre Trainer verlieren oder rauswerfen, schießen Gerüchte nur so aus dem Boden. Der namhafte Fünftligist ist übrigens der SV Kirchanschöring, dessen bisheriger Coach Michael Kostner eine Wacker-Vergangenheit hat. Er soll dort jedoch zumindest im Moment kein Thema sein.

Am Wochenende empfängt Wacker Burghausen einen anderen Verein mit Trainerwechsel: Tobias Strobl reist mit dem Tabellenzweiten FC Schweinfurt 05 an. Danach warten Spiele gegen den SV Heimstetten und den SV Schalding-Heining. Es ist gut möglich, dass man diese dann schon als Partien im Abstiegskampf bezeichnen darf.