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Premier League:"150 Prozent" Frust

Matchwinner: Timo Werner (rechts) erzielt das einzige Tor bei Chelseas Auswärtssieg gegen West Ham United.

(Foto: Andy Rain/AP)

Liverpool patzt im Kampf um die Champions League erneut und Klopp schimpft. Der FC Chelsea hingegen marschiert.

Enttäuscht trottete Jürgen Klopp in die Kabine. Das späte Gegentor von Newcastle United zum 1:1 und zwei weiter verlorene Punkte im Kampf um die Champions League schmerzten den Trainer des FC Liverpool: "Die Frustration liegt bei 150 Prozent", schimpfte Klopp, der nun mit dem noch amtierenden Meister Liverpool als Tabellensechster der englischen Liga vier Punkte Rückstand hat auf den letzten Champions-League-Platz vier. Diesen festigte am Samstag sein deutscher Kollege Thomas Tuchel mit dem FC Chelsea - durch einen 1:0-Sieg im Big-point-Spiel gegen den zuvor noch punktgleichen Stadtrivalen West Ham United. Das Siegtor für Chelsea erzielte der deutsche Nationalstürmer Timo Werner (43. Minute).

Liverpool hingegen, unter Klopp Champions-League-Sieger von 2019, droht die Königsklasse zu verpassen. "Um unter die besten Vier zu kommen, muss man Ergebnisse liefern", sagte der Trainer angesäuert, "mit dieser Art und Weise schaffen wir das nicht." Wiederholt patzten die Reds seit Monaten im eigenen Stadion gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte - gegen den 16. aus Newcastle passierte es erneut: "Mir wurde gesagt, dass wir nur fünf Punkte gegen die unteren sechs Mannschaften geholt haben. Bei allem Respekt, aber das ist nicht in Ordnung", sagte Klopp, dem erstmals in Liverpool eine rundum enttäuschende Saison droht.

In der 2021-Tabelle der Premier League rangiert Liverpool sogar nur auf Rang elf - 30 Punkte hinter dem wohl kommenden Meister Manchester City. Nur Abstiegskandidat Fulham holte in diesem Zeitraum weniger Punkte im eigenen Stadion als Liverpool an der Anfield Road. "Es ist sehr schwer zu ertragen", sagte Klopp über die vielen vergebenen Chancen in diesem Kalenderjahr: "Aber schuld daran sind nur wir." Beim 1:1 gegen Newcastle hatte sein Team sogar noch Glück, als der Video-Assistent in der ersten Minute der Nachspielzeit das vermeintliche 1:1 des Gegners wegen eines Handspiels aberkannte. Vier Minuten später glichen die Gäste durch Willock (90.+5) aber doch noch aus und entwerteten Liverpools frühe Führung durch Mo Salah (3.). "Da haben wir, so weit ich mich erinnern kann, das erste Mal Glück mit dem VAR - und dann nehmen wir das Geschenk nicht an, sondern geben ihnen noch eins", monierte Klopp: "Ich habe heute nicht gesehen, dass wir es uns verdient haben, Champions League zu spielen."

Schlechte Laune zeigte Klopp erneut auch beim großer Aufreger-Thema der Woche: Er bezeichnete es zwar als "absolut großartig", dass die Einführung einer europäischen Super League, an der auch sein Verein teilnehmen wollte, gescheitert ist. Doch auch die stattdessen nun wieder in den Fokus gerückte Reform der Champions-League (ab 2024) sieht Klopp sehr kritisch: "Die Uefa hat uns nicht gefragt, die Erfinder der Super League haben uns nicht gefragt, niemand hat uns gefragt. Es heißt immer nur, wir sollen mehr Spiele machen. Wir müssen einfach nur liefern. Was ist der Grund? Geld!", schimpfte Klopp.

Massive Fan-Proteste gegen das Superliga-Projekt gab es, wie zuvor bereits tagelang in ganz England, auch am Freitagabend beim Heimspiel des FC Arsenal. Anhänger forderten vor dem Emirates-Stadion den Rücktritt von Klubbesitzer Stan Kroenke. Klopp sagte, er sei nicht naiv und habe keine Probleme mit Veränderungen: "Wir wollten alle die Super League weghaben, aber jetzt ist plötzlich die neue Champions League da. Wer dieses Konzept gelesen hat (...) - das ist ein Witz".

Deutlich besser ist die Stimmung bei Chelsea und Coach Tuchel. Dank des sechsten Saisontores von Werner gewannen die Blues das Schlüsselspiel bei West Ham: "Es lag viel Druck auf uns, aber wir haben das gut gemacht", sagte Werner.

© SZ vom 26.04.2021 / dpa, sid
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