Olympisches Fußballturnier:Weniger Übung als Saudi-Arabien

Brazil v Germany: Men's Football - Olympics: Day -1

Unzufrieden: Stefan Kuntz bei der Auftaktniederlage gegen Brasilien.

(Foto: Toru Hanai/Getty Images)

14 verbliebene Feldspieler nach dem 2:4 zum Auftakt gegen Brasilien, davon vier mit einer gelben Karte vorbelastet: Die dünne Personaldecke bleibt vor dem zweiten Gruppenspiel das prägende Thema bei der deutschen Olympia-Auswahl.

Von Sebastian Fischer

Stefan Kuntz wollte auch nicht übertreiben. Zu sagen, dass es eng werden könnte, zum letzten Gruppenspiel des olympischen Fußballturniers genügend Spieler aufzubieten? Nein, das wolle er nicht, schickte er vorweg. Aber so ähnlich ist es durchaus.

Nach dem weitestgehend chancenlosen Auftritt zum Auftakt gegen Brasilien (2:4) tritt die deutsche Auswahl an diesem Sonntag zur zweiten Partie gegen Saudi-Arabien an, das Weiterkommen ins Viertelfinale ist noch möglich. Aber das Thema, das schon zu Beginn des Turniers das prägende war, ist nun noch ein drängenderes: das Personal. Oder wie Trainer Kuntz in einer Medienrunde per Videoschalte aus dem Mannschaftshotel in Yokohama am Freitag sagte: "Sie wissen ja auch, dass die Auswahlmöglichkeit nicht so groß ist."

Nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler sind im deutschen Aufgebot, weil die Bundesligavereine zum Abstellen der Profis anders als bei Welt- und Europameisterschaften nicht verpflichtet sind - und Kuntz sich einige Absagen einholte. Für das zweite Spiel sind nun von ursprünglichen 15 sogar nur noch 14 Feldspieler übrig, weil Kapitän Maximilian Arnold gegen Brasilien die gelb-rote Karte sah. "Wir können also gar nicht das gesamte Wechselkontingent ausschöpfen", verdeutlichte Kuntz. Die Kapitänsbinde wird Routinier Max Kruse von Union Berlin tragen.

Über Arnolds Sperre hinaus sind zudem vier Spieler mit einer gelben Karte vorbelastet - und würden bei einer weiteren für die womöglich entscheidende Begegnung mit der Elfenbeinküste am Mittwoch gesperrt fehlen: Benjamin Henrichs, Amos Pieper, Anton Stach und Jordan Torunarigha, alle Defensivspieler. Deshalb muss Kuntz nun bei der Aufstellung auch schon das dritte Spiel mitdenken, um - für diese Formulierung entschied er sich - "noch einigermaßen personelle Auswahlmöglichkeiten zu haben".

Zunächst muss er aber eine Mannschaft aufbieten, der ohne den wichtigen Mittelfeldspieler Arnold vieles besser gelingen soll als gegen Brasilien. "Keine leichte Kost", sagte Kuntz, sei die Analyse der ersten Halbzeit gewesen, die mit 0:3 endete. Einige technische oder koordinative Fehler seien mit dem frühen Zeitpunkt der Saisonvorbereitung zu erklären, mit fehlender Spritzigkeit. Andere Fehler aber nicht: Taktische Vorgaben seien "teilweise in die Tonne gekloppt" worden, so Kuntz. Oftmals seien Dribblings im Spielaufbau notwendig gewesen, weil sich weiter vorne nicht wie abgesprochen jemand für ein Zuspiel anbot.

Wie genau Kuntz das in kurzer Zeit verbessern will, konnte er noch nicht sagen. Vielmehr sprach er einen weiteren Nachteil an. Ähnlich wie die Brasilianer seien auch die Saudis "eingespielter als wir". Manche der außereuropäischen Konkurrenten haben anders als Deutschland eine U23-Auswahl, deren Zusammenstellung größtenteils einem Kader nach den Vorgaben für Olympia entspricht.

Immerhin: Bislang fällt niemand verletzt aus - und die Moral der Mannschaft scheint zu stimmen. Schon in der zweiten Halbzeit gegen Brasilien hatte sie sich trotz der deutlichen Unterlegenheit nicht aufgegeben. Am Freitag reisten fast alle Spieler nach Tokio und liefen zur Eröffnungsfeier ins Olympiastadion ein. "Der Kopf ist extrem wichtig. Darum haben wir gesagt, dass sie dahin gehen können. Sie sollen das olympische Flair aufnehmen", sagte Kuntz. "Ich freue mich jetzt schon darauf, in ihren Gesichtern zu sehen, was sie erlebt haben."

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