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Olympia:Verweigerter Handschlag - Ägypten schickt Judoka nach Hause

Kein Handschlag, kein Olympia: Der ägyptische Judoka Islam El Shehaby muss nach Hause fahren, weil er seinem israelischen Gegner das Zeichen des Fairplays verweigert.

(Foto: Markus Schreiber/AP)

Das IOC rügt Islam El Shehaby scharf für sein Verhalten gegenüber seinem israelischen Gegner. Mark Cavendish verursacht eine Bahnrad-Kollision, bei der ein Südkoreaner verletzt wird. Das deutsche Tischtennis-Team unterliegt Japan.

Judo: Der ägyptische Judoka Islam El Shehaby, der seinem israelischen Gegner Or Sasson bei Olympia den Handschlag verweigert hat, ist mit einer scharfen Rüge des Internationalen Olympischen Komitees nach Hause geschickt worden. Wie das IOC am Montag in Rio de Janeiro mitteilte, urteilte die Disziplinarkommission, dass El Shehabys Verhalten gegen die Regeln des Fairplays und die olympischen Werte verstoßen habe. Der Judoka habe einen "strengen Verweis für unangemessenes Verhalten" erhalten. Die Disziplinarkommission forderte zudem das nationale olympische Komitee Ägyptens auf, seine Sportler künftig vor den Spielen über die olympischen Werte zu informieren.

Sasson hatte sich enttäuscht zum Vorfall geäußert. "Mein Gegner kam sehr emotional zum Kampf, er stand ungewöhnlich unter Druck. In manchen Situationen habe ich den Hass in seinen Augen gesehen", sagte Sasson der Bild am Sonntag: "Trotzdem habe ich danach versucht, ihm die Hand zu geben. Im Judo ist es einfach wichtig, den Gegner zu respektieren. Eigentlich tut er mir leid."

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Auch das Nationale Olympische Komitee Ägyptens verurteilte der IOC-Mitteilung zufolge das Verhalten seines Athleten. Sasson hatte am vergangenen Freitag nach dem Kampf dem Ägypter die Hand hingestreckt. Doch El Shehaby drehte sich nach seiner Niederlage in der ersten Runde kopfschüttelnd ab. Das Publikum pfiff den Ägypter aus. Die Verbeugung vor und der Handschlag nach dem Kampf gehören bei Judo-Wettkämpfen unbedingt dazu.

Dreisprung: Topfavorit Christian Taylor (USA) hat wie 2012 Olympiagold gewonnen. Der Weltmeister und Weltjahresbeste gewann mit 17,86 Metern vor seinem Landsmann Will Clay (17,76) und dem Chinesen Dong Bin (17,58). Europameister Max Heß (Chemnitz) war mit 16,56 in der Qualifikation ausgeschieden.

Schwimmen, Langstrecke: Die deutschen Schwimmer beenden die Olympischen Spiele ohne Medaille. Im letzten von 34 Wettbewerben erreichte Christian Reichert den zehnten Platz im Freiwasser-Rennen über zehn Kilometer. Der Wiesbadener konnte im Massensprint vor der Traumkulisse der Copacabana nicht mehr ganz nach vorne kommen. Das Rennen gewann Europameister Ferry Weertman aus den Niederlanden vor dem Griechen Spiros Giannotis. 2012 hatte der zurückgetretene Rekord-Weltmeister Thomas Lurz auf Platz zwei die einzige Olympiamedaille für den Deutschen Schwimm-Verband geholt. Der DSV blieb zuletzt 1932 ohne olympisches Edelmetall.

Bahnrad: Der Olympia-Zweite Mark Cavendish hat den heftigen Sturz im Bahnrad-Mehrkampf Omnium auf seine Kappe genommen, bei dem der Südkoreaner Sanghoon Park Abschürfungen und Prellungen erlitt - aber erst mit Verzögerung. Erst Minuten nachdem der britische Radsport-Star einen Reporter für eine Frage nach dem Zwischenfall angeraunzt hatte, gestand der 31-Jährige sein Missgeschick. "Das war mein Fehler, ich hätte mehr auf meine Fahrlinie achten sollen", sagte Cavendish. Park war nach der Kollision auf einer Trage aus dem olympischen Velodrom gebracht und zur Untersuchung in ein Krankenhaus gefahren worden. Ebenfalls zu Fall gekommen war der spätere Olympiasieger Elia Viviani (Italien), der allerdings unverletzt weiterfahren konnte. "Ich hoffe wirklich, er ist okay", sagte Cavendish über Park, und fügte nach der ersten Olympia-Medaille seiner Karriere an: "Bei Elia habe ich mich schon entschuldigt."

Der deutsche Starter Roger Kluge fuhr mit Platz sechs im Omnium an der erhofften Medaille vorbei. Damit zerschlug sich eine weitere Medaillenhoffnung des Bundes Deutscher Radfahrer bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Bislang steht nur Bronze durch Kristina Vogel und Miriam Welte im Teamsprint zu Buche.

Tischtennis: Deutschlands Männer haben im Teamwettbewerb nur noch die Chance auf die Bronze-Medaille. Die Auswahl um Fahnenträger Timo Boll scheiterte im Halbfinale an Japan und verpasste den Sprung ins Endspiel. Gegen den WM-Zweiten verloren Boll, Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger 1:3. Gegner im Spiel um Bronze ist am Mittwoch (Ortszeit) Südkorea oder Olympiasieger China. Das Team von Bundestrainer Jörg Roßkopf scheiterte gegen die starken Asiaten im Halbfinale trotz Führung. Deutschlands Nummer eins, Ovtcharov, besiegte den Japaner Maharu Yoshimura zum Auftakt in drei Sätzen, Boll gelang gegen den besten Japaner Jun Mizutani dann gar nichts, auch im Doppel waren Boll und Steger chancenlos. Steger verlor schließlich auch das entscheidende Einzel gegen Mizutani.

Hürden: Gregor Traber ist als einziger deutscher Hürdensprinter ins Halbfinale bei den Olympischen Spielen gerannt. Der Stuttgarter kam am Montagabend (Ortszeit) in 13,50 Sekunden als Dritter seines Vorlaufs weiter. Weil die ersten beiden Läufe über 110 Meter Hürden bei strömendem Regen stattfanden, gaben die Organisatoren in Rio de Janeiro den dabei ausgeschiedenen Sprintern noch eine zweite Chance. Am Ende des Abends wurden noch einmal zwei Rennen angesetzt. Unter den zunächst Ausgeschiedenen waren auch der Leipziger Alexander John und Matthias Bühler aus Weinheim. Beide konnten jedoch auch ihre letzte Chance nicht nutzen. "Die Verletzung war da, die kann man nicht wegzaubern", sagte Bühler im ZDF und klagte über Rückenprobleme. Der Brasilianer João Vítor de Oliveira qualifizierte sich als Vierter seines Durchgangs in 13,63 Sekunden auf ganz kuriose Weise: Er strauchelte, stürzte über die Ziellinie und rutschte dann als "Diver" auf dem Bauch weiter - sehr zur Freude der Zuschauer.

Boxen: Der russische Schwergewichtsboxer Jewgeni Tischtschenko hat nach dem Gewinn des Welt- und Europameistertitels auch Olympiagold geholt. Im Finale von Rio schlug der 25-Jährige den Asienmeister Wassili Lewit (Kasachstan) 3:0. Bronze ging an die beiden unterlegenen Halbfinalisten Rustam Tulaganow (Usbekistan) und Erislandy Savon (Kuba). David Graf (Sindelfingen) hatte seinen Erstrunden-Kampf gegen den Argentinier Yamil Alberto Peralta verloren und Rang neun belegt.

Hockey: Die deutschen Frauen stehen erstmals seit 2008 wieder im olympischen Halbfinale. Die Mannschaft gewann das Viertelfinale 2:1 (2:0) gegen den Medaillenkandidaten USA. Marie Mävers (8. Minute) hatte die Mannschaft von Bundestrainer Jamilon Mülders in Führung geschossen, Lisa Altenburg (14.) erhöhte im Anschluss mit einem Rückhandschuss auf 2:0. Die stark spielenden Deutschen ließen kaum Chancen der US-Amerikanerinnen zu. Katelyn Falgowski (57.) gelang in der Schlussphase für den Weltranglisten-Fünften lediglich der Anschlusstreffer zum 1:2. Im Halbfinale am Mittwoch spielen die Deutschen gegen Argentinien oder Olympiasieger Niederlande, die am Montagabend (Ortszeit) aufeinander treffen.

Bundestrainer Jamilon Mülders hielt seinen Frauen aber gleich nochmal vor Augen, dass nach einem souveränen 2:1 (2:0) gegen die favorisierten USA tatsächlich nicht Schluss sein muss. "Jedes Spiel, in dem wir müssen, sind wir gut! Ihr versteht endlich nach vier Jahren, wie gut ihr seid, dass ihr Qualität besitzt!", schrie er seine abgekämpften, aber glücklichen Spielerinnen an und ergänzte: "Ihr ballert mal kurz eine Nation raus, die so viel investiert, weil ihr besser wart."

Turnen: Simone Biles hat ihr viertes Gold verpasst. Die 19-Jährige aus Texas leistete sich am Schwebebalken einen gravierenden Fehler und landete mit 14,733 Punkten auf dem Bronze-Rang. Damit ist ihr Plan misslungen, in Rio zur ersten Turnerin der Olympia-Geschichte zu avancieren, die fünf Goldmedaillen gewinnt. Zuvor hatte die überragenden Turnerin von Rio die Titel im US-Team, im Mehrkampf und am Sprung gewonnen. Am Dienstag geht sie als Favoritin noch in die Entscheidung am Boden. Den Patzer der Top-Favoritin nutzte die Niederländerin Sanne Wevers mit 15,466 Punkten zum überraschenden Gewinn der Goldmedaille.

Zuvor hatte sich an den Ringen Eleftherios Petrounias aus Griechenland den Olympiasieg erkämpft. Mit 16,00 Zählern bezwang er vor 10 000 Zuschauern den brasilianischen London-Gewinner Arthur Zanetti (15,766) sicher. Aus der spektakulären Sprung-Show ging der Nordkoreaner Ri Se Gwang (15,691) als Sieger hervor.

Handball: Deutschlands Handballer sind als Gruppensieger ins Viertelfinale der Olympischen Spiele eingezogen. Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bezwang Afrikameister Ägypten 31:25 (15:12) und trifft nun in der Runde der letzten Acht am Mittwoch auf Katar oder Argentinien, die am Abend (2.50 Uhr MESZ) gegeneinander spielen sollten. Kapitän Uwe Gensheimer war am Montag in Rio de Janeiro mit sieben Toren bester Werfer des deutschen Teams, das zwei Tage nach dem 28:25-Erfolg gegen Slowenien erneut eine kämpferisch starke Vorstellung bot. Vor allem Torhüter Andreas Wolff zeigte in der ersten Hälfte eine starke Leistung.

© SZ.de/dpa/sid/ebc/tbr

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