Österreichischer Fußballtrainer Baumgartner Europas größter Pokalschreck

Jubel in Niederösterreich: Trainer Gerald Baumgartner (r.) und sein Manager Christoph Brunnauer nach dem Finaleinzug des SKN St. Pölten

(Foto: imago sportfotodienst)

Österreichs Fußball verfügt über einen der größten Pokal-Experten: Trainer Gerald Baumgartner gewann 2013 den Cup mit einem Drittligisten, nun steht er mit einem Zweitligisten schon wieder im Finale. Sein Erfolg legt jedoch auch ein Problem des österreichischen Fußballs offen.

Von Moritz Dietrich

Gary Noel zählt nicht zu den ganz großen Nummern des Fußball-Geschäfts. Nicht einmal in Österreich. Normalerweise. Der Engländer verdient sein Geld beim dortigen Zweitligisten SKN St. Pölten, er pendelt zwischen Startelf und Ersatzbank. Am Mittwochabend hat der 24-Jährige jedoch seinen Platz im Vereins-Geschichtsbuch gesichert. Gegen Bundesligist Sturm Graz erzielte er das entscheidende 1:0 in der siebten Minute der Verlängerung des Pokal-Halbfinales und schoss sein Team damit ins Endspiel. Solch einen berauschenden Abend haben sie in St. Pölten noch nie erlebt, schließlich gibt es den Klub erst seit dem Jahr 2000.

Neben Noel stand in dieser historischen Nacht eine weitere Person im Mittelpunkt: Gerald Baumgartner, Trainer der Niederösterreicher. Baumgartner hat mit dem Sieg eine verblüffende Serie fortgesetzt. In seinem 14. Pokalspiel als Cheftrainer feierte er den 14. Erfolg. Dabei vollbrachte der 49-Jährige seinen Lauf mit einem Dritt- und einem Zweitligisten - mehrmals überraschte er mit seinen Teams Bundesligisten.

Dieser Baumgartner ist womöglich Europas größter Pokalschreck. In der vergangenen Saison machte er erstmals auf sich aufmerksam. Mit dem FC Pasching aus der Regionalliga (österreichische 3. Liga) schlug der Coach nacheinander Red Bull Salzburg, Rapid Wien und im Finale auch noch Meister Austria Wien. Damit gelang ihm der erstaunlichste Coup in der Geschichte des Pokalwettbewerbs in seiner Heimat. "Wir wissen alle, dass unser Trainer ein Spezialist für diesen Bewerb ist", sagt St. Pöltens Verteidiger Andreas Dober der Tageszeitung Die Presse.

Pasching kooperiert mit dem finanzstarken Red Bull Salzburg, doch selbst das half nicht, um die Qualifikation zur Europa League zu schaffen. Also übernahm Baumgartner im vergangenen Herbst den Trainerposten in St. Pölten. Und es läuft wieder im Pokal. Wieder schaffte der Trainer mit seiner Außenseiter-Truppe Sieg um Sieg. Warum es ausgerechnet in den K.-o.-Spielen so gut läuft, weiß er selber nicht so recht: "Meine Teams sind ja nicht nur im Cup erfolgreich. Mit Pasching habe ich in der Vorsaison nur knapp den Titel in der Regionalliga verpasst, St. Pölten kämpft in der Ersten Liga (österreichische 2. Liga; Anm.d.Red.) noch um den zweiten Tabellenplatz hinter Altach", erklärte Baumgartner nach dem Viertelfinalsieg gegen Ried (ebenfalls ein Bundesligist).

Doch wie schafft er das nur, diese ständigen Überraschungen? "Es zahlt sich in Österreich aus, sich gut vorzubereiten. Wir hatten wieder einen guten Matchplan", sagte er. Pressing und Siegermentalität sind seine Schlagworte.

Doch der Fall Baumgartners liefert noch weitere Erkenntnisse. Was ihm mit dem SKN gelang, verdeutlicht das Desinteresse der österreichischen Bundesligaklubs zur Pokalrunde. In den vergangenen Jahren hat der Cup mit seinem ständig wechselnden Namen - derzeit heißt er im Marketingsprech "Samsung Cup" - immens an Priorität verloren. Regelmäßig scheitern die bedeutenden Vereine an hochmotivierten Provinzkickern.

Oft reicht den Außenseitern eine anständige kämpferische Einstellung, um die behäbigen Profis zu überrumpeln. "Ich bin superstolz auf die Mannschaft. Wir hatten einen guten Matchplan, die Jungs haben alles rausgehauen, was sie in sich hatten", sagte Baumgartner dem ORF. 2009 mit Admira Wacker und 2011 mit Austria Lustenau waren bereits Zweitligisten in das Pokalfinale eingezogen.