Oberfranken-Derby in der BBL:Vor laufendem Band

Lesezeit: 3 min

rechts 19 Martynas Sajus (medi Bayreuth) links Christian Sengfelder (Brose Bamberg, 43) Brose Bamberg - medi Bayreuth -

Sie kommen nicht ran: Christian Sengfelder (links) und die Bamberger haben gegen Bayreuth (am Ball Martynas Sajus) erneut das Nachsehen.

(Foto: Daniel Löb/HMB-Media/imago)

Bayreuths Basketballer setzen sich zum dritten Mal nacheinander in Bamberg durch. Dessen neuer Coach Oren Amiel muss weiter nach einem Weg suchen, die Abwehr zu stabilisieren.

Von Christoph Leischwitz

Gegen Ende wurden die Fans in der Brose Arena noch einmal lauter, aber es half nichts: Die Gäste behielten die Nerven und retteten einen knappen 87:84-Vorsprung über die Zeit. Medi Bayreuth gewann damit zum dritten Mal in Serie in Bamberg. Zu einem kleinen Teil mag es daran gelegen haben, dass die Anfeuerungsrufe lediglich vom Band eingespielt worden waren - pünktlich zum Oberfrankenderby waren Zuschauer vom Profisport ausgeschlossen worden. Zu einem größeren Teil lag es an der konzentrierten, aggressiven Defensivarbeit der Bayreuther, die sich angesichts der Absenz mehrerer Schlüsselspieler ihre Kräfte gut eingeteilt hatten. Am meisten war die Niederlage aber darauf zurückzuführen, dass der Trainerwechsel zumindest beim Debüt noch keine entscheidenden Veränderungen brachte.

"Wir suchen noch nach unserem Weg, vor allem defensiv haben wir noch viel Verbesserungspotenzial", sagte der neue Coach Oren Amiel nach dem Spiel. In der Abwehr hatte er, naturgemäß, als erstes mit neuen Konzepten ansetzen wollen. "Wir konnten das noch nicht umsetzen", befand der nach dem Spiel recht zerknirschte Forward Patrick Heckmann bei Magentasport.

Nun sind die Bayreuther zum direkten Tabellennachbarn der Bamberger aufgerückt, angesichts der jüngeren Bamberger Basketballgeschichte und der eigenen Ansprüche wird die Niederlage somit schon ein wenig demütigend wirken. Doch immerhin waren die Spieler nicht schon wieder wie "Prügelknaben" aufgetreten. So hatte Brose-Geschäftsführer Philipp Galewski die Leistung vor dem Rauswurf von Trainer Johan Roijakkers beschrieben. Eigentlich war diesmal sogar das Gegenteil der Fall: Nach einem haarsträubenden Auftakt und einem zwischenzeitlichen Rückstand von 2:13 konnten die Gastgeber das Spiel meist ausgeglichen gestalten, im vierten Viertel schienen sie erstmals richtig aufzuwachen.

"Offensiv war das okay, wir haben 84 Punkte erzielt. Aber hinten haben wir viel zu leichte Körbe kassiert", analysierte der 49-jährige Amiel. Galewski erhofft sich von dem Israeli, dass er das Team zu mehr Geschlossenheit führt, und bediente nun schon mehrmals eine kleine Anekdote: An seinem ersten Tag in Bayreuth habe Amiel das Einzelbüro des Cheftrainers abgeschafft und die Assistenten ins Zimmer geholt. Der Geschäftsführer gab auch eine Erklärung ab, warum beim Wunschtrainer ("Ich hatte ihn schon länger auf dem Zettel") nur zwei Tage zwischen erstem Anruf und der Verpflichtung lagen: Er habe lange gar nicht gewusst, dass Amiels Vertrag bei Hapoel Jerusalem aufgelöst worden war.

Der Vertrag mit Center Derek Cooke wurde einvernehmlich aufgelöst

Neben Trainer Amiel hatte auch auf der Center-Position ein Wechsel stattgefunden: Akil Mitchell ersetzt Derek Cooke, dessen Vertrag vor zehn Tagen in beidseitigem Einvernehmen aufgelöst worden war. Der 2,06-Meter-Mann aus den USA zeigte eine engagierte Leistung, konnte aber bei seinem Debüt im Derby erst einmal nur sechs Punkte beisteuern. Hoffnung hatten die Verantwortlichen auch darauf gelegt, dass Stammspieler sich unter ihrem neuen Coach beweisen wollen. Das gelang höchst unterschiedlich: Während Shannon Scott in der ersten Spielhälfte einmal zehn aufeinanderfolgende Bamberger Punkte erzielte und Trevis Simpson mit 21 Zählern seinen klaren Liga-Bestwert erzielte, klappte bei Guard Omar Prewitt offensiv überhaupt nichts.

So weh es dem Verein auch tut, dass er international nicht mehr vertreten ist: Amiel hat jetzt fast zwei Wochen Zeit, taktische Veränderungen einstudieren zu lassen und das "Selbstvertrauen aufzubauen", wie Geschäftsführer Galweski sagt. Denn die nächste Partie steht erst am 18. Dezember in Chemnitz an. Ganz anders ist die Lage beim siegreichen Gegner: Am kommenden Mittwoch startet Bayreuth in die zweite Runde des Europe Cups, mit einem Heimspiel gegen den niederländischen Vertreter ZZ Leiden (20 Uhr). Trotz der Personalnot hat die Mannschaft ihren Rhythmus offenbar gefunden. Das Team überrasche ihn "immer wieder aufs Neue", sagte Trainer Raoul Korner, "wir haben gezeigt, dass wir eine neue Identität gefunden und auch mit sehr limitierter Rotation Wege aufgetan haben, gegen gute Gegner zu gewinnen." Mittlerweile nicht nur in Bamberg, sondern auch in der Liga, zum dritten Mal in Serie. Allerdings werden die für Korner wichtigsten Spieler, Cameron Wells und Janari Joesaar, wohl noch mindestens bis Weihnachten fehlen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB