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Neues Flugelement im Turnen:Was trainiert der Bretschneider da, dachten sich viele

In Acapulco war Bretschneider zuletzt auf ein Mitglied dieser Technischen Kommission getroffen. Der nette Herr aus Lettland wollte ihm natürlich nichts verraten, er merkte nur an, dass sich alle einig seien und er sich nicht entmutigen lassen solle - ganz gleich, wie ihr Urteil ausfällt. "Das haut mich nicht um", sagt der 25-Jährige nun, er die nimmt die Entscheidung sportlich hin. Er hat endlich Gewissheit. "Dann werde ich meinen Salto eben beim nächsten Weltcup in Cottbus noch einmal turnen."

Im März ist das. Auf die paar Wochen kommt es nun auch nicht mehr an. Zweieinhalb Jahre vergingen vom ersten Versuch bis zur Präsentation des Elements. Kaum einer hatte ihm zugetraut, dass er das hinkriegen werde. "Ich bin oft belächelt worden", sagt Bretschneider, weil er immer und immer wieder an der Stange vorbeigeflogen war. Der Bretschneider trainiert mit seinem Trainer Sven Kwiatkowski wieder irgendeinen Blödsinn, das hatten viele gedacht, auch Bundestrainer Andreas Hirsch. Er selbst hat sich mit seiner Trial-and-Error-Methode aber nicht verunsichern lassen, auch wenn er bei 800 Versuchen nur achtmal die Stange greifen konnte.

"Ich habe immer an meinem Traum festgehalten", sagt er. Mit besessener Detailarbeit und neuen biomechanischen Erkenntnissen samt verkabelter Reckstange am Leistungszentrum von Kienbaum gelang es ihm im Frühjahr schließlich, die Flugphase um eine Zehntelsekunde zu verlängern - diese Winzigkeit genügt, um seitdem den Rückwärtssalto mit doppelter Schraube stabil und verlässlich in seine Kür einzubauen.

Plötzlich auf einer Stufe mit Fabian Hambüchen

Sein Alleinstellungsmerkmal soll künftig aber nicht nur seinen Namen tragen, sondern auch für Medaillen gut sein. In Acapulco hat er das Reckfinale schon mal für sich entschieden. Mit seinem kreierten H-Teil hat er seinen Ausgangswert dem von Weltklasseturnern wie Hambüchen oder Olympiasieger Epke Zonderland angeglichen. "Aber für einen Platz auf dem Podium musst du auch die anderen neun Elemente sauber turnen und den Abgang gut stehen", bekennt er.

Dass einer von den Konkurrenten ihm jetzt womöglich noch alles streitig machen könnte, weil dieser das Flugteil früher bei einem Weltcup zeigt, befürchtet er nicht. Andreas Bretschneider geht zwar davon aus, dass sich schon einige Turner im Training daran versuchen. "Aber das Element im Wettkampf zu turnen, ist noch mal etwas anders, und jeder auf der Welt weiß jetzt, wer der rechtmäßige Erfinder ist."