1860 München Nächster Termin: Meisterschaft

Striptease auf die Löwen-Art: Der Sechziger Benjamin Kindsvater erlöste seine Mannschaft gegen Illertissen mit dem Führungstor in der 68. Minute.

(Foto: Bernd Feil/imago)

Die Mannschaft kann nach dem 2:0 gegen Illertissen im nächsten Spiel den Titelgewinn in der Regionalliga Bayern perfekt machen. Die Münchner denken schon an die Aufstiegsspiele.

Von Christoph Leischwitz

Er habe in den vergangenen Tagen nicht gut geschlafen, gab Daniel Bierofka zu: "Als Trainer gehst du immer davon aus, dass noch etwas passieren kann." Der potenzielle unerwünschte Zwischenfall war am Dienstagabend allerdings in die Wahrscheinlichkeit eines Lotto-Sechsers gerückt - die Möglichkeit, dass der TSV 1860 München noch die Meisterschaft in der Regionalliga Bayern verspielt. Seit dem 2:0 beim FV Illertissen hat die Mannschaft einen Löwenvorsprung von neun Punkten und 16 Toren auf den FC Bayern II. Am Sonntag, im direkten Duell im Grünwalder Stadion, müssten die Bayern also 7:0 oder höher gewinnen, um noch eine Chance zu haben. Aber er sei nun einmal ein Mensch, der Sicherheiten brauche, sagte Bierofka, "erst dann bin ich auch zufrieden". Vorher könne er nicht feiern. Aber vielleicht ja schon einmal ein bisschen besser schlafen. Darum geht es nun bei den Löwen - nur nicht zu sehr ins Grübeln zu verfallen. So richtig haben sie aber noch nicht herausgefunden, wie das zu vermeiden ist. "Wir haben zu behäbig gespielt, mussten das Spiel schnell machen, das haben wir nicht geschafft", lautete die Analyse von Torwart Marco Hiller nach der Partie beim schwäbischen Außenseiter, in der die Sechziger nur wenige Minuten lang aussahen, als wollten sie Meister werden. Doch dann beherzigte ein Akteur die Vorgabe des Trainers, der in den vergangenen Wochen vor lauter Hemmungen kaum gespielt hatte: Benjamin Kindsvater erzielte nach einer Einzelaktion in der 68. Minute das Führungstor. "Überragend, unbeschreiblich, mit diesen Fans", schwärmte er als Antwort auf die Frage, wie toll es sei, im ersten Jahr beim TSV 1860 gleich Meister zu werden. Fast erschrocken über so viel Vorfreude, schränkte er gleich ein: Man schaue jetzt weiter "von Spiel zu Spiel". Eine halbe Stunde zuvor hatte der brave Kindsvater allerdings noch so wild gefeiert, dass er hernach gar nicht wusste, ob er die gelbe Karte gesehen hatte für sein Trikotausziehen. Bierofka hatte den 25-Jährigen in den vergangenen Wochen zweimal zur Pause ausgewechselt. "Ich hatte das Gefühl, dass er blockiert ist", lautete die Begründung. Und dann habe er in Illertissen zu ihm gesagt: "Pass auf, geh rein und spiel einfach, mach dir keine Gedanken über irgendwas, hör nicht auf das, was ich sage. Geh rein und spiel." Man dürfe Kindsvater nicht überfrachten mit Vorgaben. Die Hemmung rührte auch daher, dass sich die Mannschaft generell schwertat mit der aktiven Spielgestaltung. So selbstverständlich und einfach sei das nicht im sechsten Pflichtspiel des Monats April, sagte der Trainer: Da müsse man schon Verständnis haben für seine Jungs. Einerseits ist es also gar nicht schlecht, wenn im Derby, das angesichts des zu erwartenden Niveaus und der Atmosphäre als Generalprobe für die Aufstiegsspiele herhalten soll, eine Mannschaft wartet, die selbst gerne aktiv wird. Andererseits steht der Spielmacher, der seit Anfang September fehlte, nun endgültig vor seinem Comeback: Timo Gebhart dürfte am Sonntag zum ersten Mal seit Anfang September wieder im Kader erscheinen. Trotz mangelnder Spielpraxis steigen dank des 29-Jährigen fraglos die Fähigkeiten der Mannschaft, Dominanz auszustrahlen.

Am vergangenen Sonntag habe Gebhart nach dem Training schwere Beine gehabt, sagte Bierofka: "Wenn ich ihn hier bringe und es passiert was, dann reiße ich mir den Kopf ab", unkte Bierofka am Dienstagabend. So wird das Derby zugleich zum Belastungstest für den vermeintlich wichtigsten Spieler. Gegen wen der TSV 1860 in den Aufstiegsspielen antreten wird (am 24. Mai auswärts, Rückspiel zu Hause am 27. oder 28. Mai), ist noch nicht namentlich bekannt. Am Freitagabend wird vor dem Spiel der möglichen künftigen Drittliga-Konkurrenten SpVgg Unterhaching gegen den VfR Aalen ausgelost, wer "Südwest B" vertritt. Dabei handelt es sich entweder um den 1. FC Saarbrücken, der als Teilnehmer der Aufstiegsrunde feststeht. Oder es wird kompliziert: Den zweiten Platz aus der Regionalliga Südwest können Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers oder der SC Freiburg II erreichen.

"Wir müssen jetzt noch drei Spiele auf Spannung bleiben", sagt Torwart Hiller. Gegen die jungen Bayern sollte das kein Problem sein, die Meisterschaft rückt näher. Danach warten noch der FC Pipinsried und die SpVgg Bayreuth. Zwei Gegner, bei denen es einem Meister leichtfallen sollte, den Kopf frei zu bekommen.