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Mountainbikerin Sabine Spitz:"In der WM-Vitrine ist noch ein Platz frei"

Dass sie nun als Weltranglisten-Erste in ihre Jubiläumssaison geht, findet sie "natürlich super", war aber nicht so geplant: "Das war nicht der Fokus bei der Rennplanung", sagt Spitz, "und Julie hat halt durch ihren Sturz zuletzt viele Punkte verloren." Julie, das ist die Konkurrentin Bresset, die Olympiasiegerin aus der Bretagne, 23 Jahre jung. Sie könnte die Tochter von Spitz sein. Doch die ficht ihr Alter nicht an: "Radsport kann man bis ins hohe Alter betreiben. Mountainbiken hat einen so hohen Erlebniswert! Daraus schöpfe ich wieder Energie für andere Dinge." Es sei eben ein Outdoor-Sport, eine wunderschöne Freizeitbeschäftigung.

Spitz sagt: "Ein Hochspringer oder ein Zehnkämpfer wird nach der Karriere sicher nicht mehr hochspringen oder zehnkämpfen. Aber ich werde immer radfahren und in der Natur entspannen." Ausnahmeschwimmer Michael Groß habe ihr mal erzählt, dass er aufgehört habe, bevor er beim immergleichen Training an den Punkt kam, im Schwimmbecken die Kacheln zu zählen. Spitz sagt: "Solange ich mich motivieren kann, fahre ich weiter. Klar, die kurzen, harten Trainingseinheiten kosten viel Überwindung. Aber das wird durch die schönen langen Fahrten im Wald ausgeglichen."

Der sehr kraftorientierte Weltcup-Kurs in Albstadt kommt ihr nicht entgegen: "Ich mag es profilierter." Vorteile sieht sie für Mannschaftskollegin Adelheid Morath: "Sie ist ein Bergfloh. Die wirft ihren Moped-Gang ein und schießt da hoch." Rund zehn deutsche Starterinnen gehen im Weltcup an den Start, doch außer Morath kann keine vorne mitfahren. "Wir haben zwar seit Jahren im weiblichen Nachwuchs immer Medaillen, aber ganz oben ist noch keine angekommen", sagt Spitz.

Trotz all ihrer Erfolge hat ihr Sport in Deutschland noch keinen wirklichen Schub erhalten - anders als zum Beispiel in der Schweiz: "Da hat Mountainbike einen ganz anderen Stellenwert. Da gibt es viel Eigeninitiative und Ex-Athleten, die sich verpflichtet fühlen, etwas von ihrem Erfolg zurückzugeben."

Darauf hofft auch der Jugendleiter der SG Rheinfelden immer noch. Sechs Weltcuprennen sowie EM und WM hat sich Sabine Spitz für dieses Jahr vorgenommen. In der heimischen Dachgeschosswohnung mit offenem Gebälk ist jedenfalls noch Raum für weitere Trophäen, sagt die Schwarzwälderin: "In der WM-Vitrine ist noch ein Platz frei und in der EM-Vitrine sind es sogar noch zwei." Na dann.

© SZ vom 18.05.2013/sonn

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