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Marco Reus:Doppelpack zur Entspannung

Mit seinen beiden Toren hat der Nationalspieler das Gerede von der Krise, von der er nichts wissen wollte, endgültig beendet.

Von Frank Hellmann, Bremen

Die Geste bei seiner Auswechslung sprach Bände. Als Marco Reus beim Spielstand von 3:1 im Bremer Weserstadion vorzeitig vom Feld ging, klatschte er sich mit Thomas Tuchel so kräftig ab, dass der Handschlag bis hoch auf die Südtribüne zu hören war. Und um die Symbolik zu verstärken, nahmen sich der Doppeltorschütze und der Trainer von Borussia Dortmund noch einmal besonders kräftig in den Arm. Keine Frage: Der Nationalspieler war Mann des Tages. Sieben Saisontore zieren nun sein Konto: Dem Doppelpack gegen den FC Augsburg folgte der Doppelpack gegen den SV Werder. Also alles wieder gut?

Der 26-Jährige grinste bei dieser Frage. "Es geht alles so schnell im Fußball. Ich habe immer an mich geglaubt, mich immer neu fokussiert." Von einer echten Krise, die ihm Außenstehende nach grotesk vergebenen Chancen in der DFB-Auswahl und einigen nicht überzeugenden Auftritten im Verein angedichtet hätten, wollte der Hochbegabte nichts wissen. Und bitte, es sei auch nicht seine beste Saisonleistung gewesen. Aber natürlich sei er glücklich, "weil es extrem schwierig war, die richtigen Laufwege zu finden". Ihn habe das Anrennen der Dortmunder an die Bayern erinnert, die sich am Tag zuvor in Frankfurt die Zähne ausgebissen hatten. Die liegen gelassenen zwei Punkte der Münchner wertete Reus scherzhaft als "vorgezogenes Weihnachtsgeschenk", meinte aber dann: "Bayern spielt sehr konstant. Wir machen am besten unsere Hausaufgaben."

"Seine Daten waren in Ordnung, auch wenn er nicht getroffen hat."

Ein Sonderlob gab es für den Matchwinner von Trainer Tuchel. "Marco war immer fleißig. Seine Daten waren in Ordnung, auch wenn er nicht getroffen hat." Die vier Bundesligatore binnen sieben Tagen seien die Belohnung gewesen, "dafür ist seine Haltung verantwortlich und natürlich sein großes Selbstbewusstsein". Gleichwohl wirkte der oft von Verletzungen geplagte Flügelmann mitunter nicht ganz bei der Sache - vor allem vor drei Wochen beim Länderspiel gegen Georgien (2:1) schien er fast alles Schusspech dieser Welt gepachtet zu haben.

"Er hat die Hilfestellungen angenommen, die wir ihm gegeben haben", verriet Tuchel, der an seiner Nummer elf nun "perfekt genutzte Räume" hervorhob. Reus war zur Stelle, als Werder-Torwart Felix Wiedwald eine Vorlage von Henrikh Mkhitaryan unglücklich ablenkte (9.); er nutzte ein Zuspiel desselben Spielers kaltschnäuzig aus (72.). Fünf Minuten später durfte er vorzeitig gehen. Und sich erst abklatschen, dann umarmen lassen.

© SZ vom 01.11.2015

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