Leichtathletik:Zurück im Spiel

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2012 verlor Corinna Harrer bei Olympia gegen Läuferinnen, die heute des Dopings überführt sind. 2016 hat sie neue Ziele.

Von Johannes Knuth

Corinna Harrer glaubt bis heute, dass ihr damals irgendjemand in die Beine trat. Sie spürte einen mächtigen Schlag, beim 1500-Meter-Lauf im vergangenen Juli bei der Team-Europameisterschaft in Tscheboksary, ein stechender Schmerz kroch in die Wade. Sie trug diesen Schmerz 500, 600 Meter mit sich, bis ins Ziel. Erst später begriff ihr Trainer Kurt Ring, dass es wohl schlicht die Wucht der Verletzung war, die Harrer erschüttert hatte, der Achillessehnenansatz im rechten Fuß war gerissen. Vor zwei Wochen, bei Harrers erstem 1500-Meter-Rennen nach knapp einjähriger Pause, steckte ihr der Schreck jedenfalls noch in den Knochen, "ich habe mich erst gar nicht an die Mädels ran getraut", erinnert sie sich. Sie fing sich, klemmte sich in die Spitzengruppe, Harrer ist keine, die sich im Feld versteckt. Erst auf der letzten Runde fiel sie zurück, wie bei einem Auto, dessen Motor überhitzt. Nach 4:30,63 Minuten schob Harrer sich ins Ziel, Bestzeit und Olympianorm hatte sie um mehr als 20 Sekunden verpasst. "Wenn ich explodiere", sagt Harrer, sie lächelt, "dann explodiere ich richtig."

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