Leichtathletik Olympiasieger Schenk gibt Doping zu

Christian Schenk meistert bei den Olympischen Sommerspielen im Hochsprung 2,27 m mit der Straddle-Technik. 30 Jahre nach seinem Olympiasieg im Zehnkampf hat Schenk Doping zugegeben

(Foto: dpa)
  • Christian Schenk wurde 1988 Olympiasieger im Zehnkampf für die DDR, nun gibt er zu, wissentlich gedopt zu haben.
  • In seiner Biographie schreibt er außerdem von Depressionen und einer bipolaren Störung.

Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk hat erstmals zugegeben, in seiner aktiven Karriere wissentlich zu unlauteren Mitteln gegriffen zu haben. "Ich habe gedopt, und ich wusste, dass ich dope", schreibt der 53-Jährige in seiner Biografie, aus der die Sport Bild am Mittwoch exklusive Auszüge veröffentlicht.

"Anfangs bestritt ich, jemals verbotene Mittel eingenommen zu haben. Dann legte ich mir die juristisch etwas weichere Antwort zurecht, ich hätte nie wissentlich gedopt. Beides war gelogen", so Schenk, der bei den Sommerspielen 1988 in Seoul für die DDR die Goldmedaille gewann.

Schenk habe zwar nicht von Anfang an wissentlich gedopt, doch lange habe es nicht gedauert, bis er begriff, "dass es Mittel waren, über die man besser nicht sprach." In dem Buch "Riss - Mein Leben zwischen Hymne und Hölle", das am 3. September erscheint, gibt der gebürtige Rostocker unter anderem zu, in seiner Zeit als Athlet der DDR das Mittel Oral-Turinabol genommen zu haben.

Bei einem Trainingslager in Bulgarien wurden den Sportlern verschiedene Mittel verabreicht. "In Belmeken erlebte ich es, dass zu den Mahlzeiten auf den Tellern der Athleten die verschiedensten Pillen ausgeschüttet wurden", schreibt Schenk. "Wir nannten sie Smarties. Was genau wir da schluckten, weiß ich nicht. Angeblich waren es Vitamine und Mineralien." Schenk, der 1990 Europameister wurde und 1991 Bronze bei der WM gewann, beendete seine sportliche Karriere 1994.

Darüber hinaus gab Schenk zu, in seinem späteren Leben unter starken psychischen Problemen gelitten zu haben. "Die Depressionen waren so tief gewesen, dass ich sogar daran gedacht habe, meinem Leben ein Ende zu setzen", sagte der 53-Jährige im Interview mit der FAZ. Schenk litt unter einer bipolaren Störung, dazu gehörten Depressionen und Verfolgungswahn. Silvester 2016 war es besonders schlimm. "Ich hielt mich für Anis Amri, den Attentäter vom Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Das war für mich der Horror. Ich habe mich vollständig mit ihm identifiziert, ich glaubte, ich hätte den Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gesteuert und alle die Menschen getötet. Meine Ärzte und ich haben das bis heute nicht aufklären können", berichtete Schenk.

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