Leichtathletik-EM Silber, Bronze und Bronze

Kristin Gierisch jubelt.

(Foto: dpa)
  • Carolin Schäfer gewinnt Bronze im Siebenkampf, die Belgierin Thiam gewinnt Gold.
  • Louisa Grauvogel und Mareike Arndt können am abschließenden 800-Meter-Rennen nicht teilnehmen. Sie sind in einen Autounfall verwickelt.
  • Marie-Laurence Jungfleisch holt im Hochsprung ebenfalls die Bronze-Medaille.
  • Kristin Gierisch gewinnt Silber im Dreisprung.

Unter dem Hallendach ist Kristin Gierisch schon längst eine Größe im Dreisprung. Bei der Leichtathletik-EM am Freitag in Berlin landete die 27-Jährige aus Chemnitz nun auch unter freiem Himmel ihren ersten Medaillen-Coup. Mit 14,45 Metern im ersten Versuch holte die Polizeimeisterin im Olympiastadion Silber - sie flog genau einen Zentimeter weiter als die Spanierin Ana Peleteiro im letzten Durchgang.

Gierisch musste sich nur der Griechin Paraskeví Papachristou (14,60) geschlagen geben. In der Halle gewann "Kiri" bei der Europameisterschaft 2017 den Titel, ein Jahr zuvor wurde sie Vizeweltmeisterin. Nachdem Gierisch angeschlagen durch eine Knochenhautentzündung bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nur Elfte wurde, schaffte sie bei der WM 2017 in London als Fünfte mit 14,33 Metern den internationalen Durchbruch im Freien.

Schäfer sichert sich Platz drei im Siebenkampf

Mit Tränen in den Augen zeigte Carolin Schäfer ihren Bizeps und winkte völlig erschöpft ihren Fans. Überschattet vom Autounfall und jähen Aus ihrer beiden Siebenkampf-Teamkolleginnen kurz vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf sicherte sich die Vize-Weltmeisterin die EM-Bronzemedaille. Die 26-Jährige aus Frankfurt verteidigte am Freitagabend in Berlin in 2:14,65 Minuten erfolgreich ihren dritten Platz und kam insgesamt auf 6602 Punkte. "Danke Berlin, es war atemberaubend", rief Schäfer dem Publikum zu. "Es gibt's nichts Emotionaleres."

Louisa Grauvogel von der LG Saar 70 und die Leverkusenerin Mareike Arndt konnten den Siebenkampf nicht mehr beenden - und hatten ersten Erkenntnissen zufolge noch Glück im Unglück. Auf dem Weg ins Teamhotel waren die beiden nach Ende der Vormittagssession in einen Unfall verwickelt und mussten in ein Berliner Krankenhaus. "So tragisch es ist - die Mädels waren zu dritt auf dem Weg zu einem tollen Ergebnis - es sind keine nachhaltigen und schwerwiegenden Verletzungen diagnostiziert worden", sagte der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska. "Wir sind in Gedanken mit den Athletinnen und wünschen ihnen, dass sie so schnell wie möglich wieder fit sind." Am Abend war Grauvogel wie auch die ebenfalls betroffenen Bundestrainer Wolfgang Kühne und Ulrich Knapp schon wieder im Teamhotel, Arndt wurde noch weiter überwacht.

Schäfer saß beim Unfall nicht im Auto, sie hat ihr eigenes Betreuungsteam mit einem Coach, Physiotherapeuten, Arzt und Biomechaniker. "Ich hoffe, dass Caro die Chance wahrnimmt und für die beiden mitläuft", sagte Gonschinska, kurz bevor Schäfer zu Bronze stürmte. "Sie haben einen tollen Mehrkampf zusammengemacht, sich gegenseitig unterstützt. Jetzt ist sie in der Lage, es alleine für das Team zuende zu bringen."

Und das tat Schäfer eindrucksvoll. Nach einem Mehrkampf mit Höhen und Tiefen hatte die Polizeikommissarin am Freitagmorgen mit einem starken Speerwurf und 53,73 Metern geglänzt. In dieser Disziplin hatte sie im Training Unterstützung von Olympiasieger und Europameister Thomas Röhler aus Jena erhalten.

Den dritten Platz gab sie auch beim Lauf über die abschließenden zwei Stadionrunden nicht mehr ab. "Es ist ein grundsolider Mehrkampf", bewertete sie ihren Siebenkampf. "Sicherlich hätte ich mir mehr gewünscht, aber es zieht sich wie ein Roter Faden durch die Saison, immer Ups and Downs." Gold und Silber waren jedoch nicht zu erreichen. Den EM-Titel holte Olympiasiegerin Nafissatou Thiam aus Belgien mit 6816 Zählern, den zweiten Platz sicherte sich die Britin Katarina Johnson-Thompson mit 6759 Punkten. Am Mittag lagen auch Schäfers Teamkolleginnen auf Kurs für ein starkes Ergebnis. Grauvogel war nach sechs von sieben Disziplinen Siebte, Mareike Arndt Zwölfte. Doch dann stoppte der Unfall ihren Traum von einem tollen EM-Abschluss.

Jungfleisch holt überraschend eine Medaille

Glückselig hüpfte Marie-Laurence Jungfleisch mit der Deutschland-Fahne über den Schultern auf und ab. Die deutsche Meisterin vom VfB Stuttgart eroberte mit 1,96 Metern Bronze im Hochsprung. Für die 27 Jahre alte Sportsoldatin war es die erste Medaille bei einem internationalen Titelkampf. Bei den Europameisterschaften 2014 und 2016 war sie jeweils Fünfte geworden. "Es war richtig gut, es hat mir so wahnsinnig gefallen", sagte Jungfleisch.

Weltmeisterin Maria Lasitskene aus Russland holte am Freitagabend als neutrale Athletin auch bei der EM den Titel mit 2,00 Metern vor der höhengleichen Bulgarin Mirela Demirewa. Imke Onnen aus Hannover belegte den 14. Platz."Ich bin unheimlich glücklich, endlich mal eine Medaille zu gewinnen, vor allem in Berlin, das ist ein Traum", sagte Jungfleisch in der ARD. "Ich habe immer wieder zu meiner Familie hochgeguckt und zu meinen Freunden, das hat mir sehr viel Halt gegeben." Für die in Paris geborene Jungfleisch ging damit ein Traum in Erfüllung. Bei den Europameisterschaften In Zürich (2014) und Amsterdam (2016) war sie jeweils noch auf Platz fünf gelandet; bei der WM 2017 in London fehlten ihr als Vierte vier Zentimeter zu Bronze.

Nun konnte sie bei ihrem dritten EM-Auftritt endlich die erste Medaille bejubeln. "Und dann gleich zu Hause hier in Berlin", lobte der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska. "Sie war eine der Chancen, die wir hatten, und sie hat sie wahrgenommen. Die beiden anderen Springerinnen waren heute den Tick besser." Sie finde es "richtig cool, dass wir die EM in Berlin haben. Familie und Freunde können ohne große Probleme ins Stadion kommen. Ich persönlich habe so ein großes Event noch nie in Deutschland erlebt", sagte sie begeistert.