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Leichtathlet Charles Friedek:Es könnte ungemütlich werden

Der DOSB richtete am Dienstag aus, er könne erst etwas sagen, "wenn wir das schriftliche Urteil vorliegen haben und die Begründung kennen". DLV-Präsident Clemens Prokop sagte dem Sportinformationsdienst (sid) nur, man habe die Nominierungs-Paragraphen längst umformuliert; Friedek hat in den Augen seines Verbandes quasi ein System hinterfragt, das es so längst nicht mehr gibt. Das stimmt wohl, der Spruch des Gerichts dürfte allerdings über die Leichtathletik hinausstrahlen.

Die Richter in Karlsruhe folgten im Kern ja offenbar der Argumentation von Friedeks Anwalt Michael Lehner, der hatte seine Strategie vor der Verhandlung so zusammengefasst: "Unklarheiten gehen zu Lasten derer, die die Richtlinien aufstellen." Das könnte in Verbänden, die ihre Gesetze und Paragrafen gerne einmal schwammig formulieren, noch zu dem einen oder anderen interessanten Fall führen. Und offiziell dürften Verbände wie den DLV dagagen noch nicht mal etwas einzuwenden haben: "Wir propagieren den mündigen Athleten", hat Prokop jedenfalls einmal gesagt. Manchmal heißt das eben, dass aus mündigen Athleten mündige Kläger werden.

Und dennoch: Für den Sport könnte es ein ungemütlicher Winter werden. Der BGH wird Anfang des kommenden Jahres wohl den Fall des SV Wilhelmshaven verhandeln, der Fußball-Landesligist könnte im Streit mit dem Fußball-Weltverband Fifa das System der Ausbildungsentschädigung ins Wanken bringen.

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Und dann ist da noch der Fall der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Pechstein fordert, ebenfalls vor dem BGH, nicht nur Schadensersatz vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU für eine aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Dopingsperre; sie bemängelt auch, dass Sportler sich exklusiv den Gerichten des Sports unterwerfen müssen. Im Fall Pechstein wird der DOSB also hoffen, dass das höchste deutsche Gericht die Exklusivität seiner Sportgerichtsbarkeit schützt. Im Fall Friedek war er hingegen selbst nicht bereit, ein Sportgerichts-Urteil zu akzeptieren.