Legendäre Formel-1-Duelle:Rivalen der Rennbahn

Lauda gegen Hunt, Prost gegen Senna und immer wieder Schumacher: In der Formel-1-Historie gab es viele packende Zweikämpfe. Nun haben sich auch die Mercedes-Rivalen Nico Rosberg und Lewis Hamilton einen Platz in dieser Galerie verdient. Die besten Duelle der WM-Geschichte im Überblick.

10 Bilder

Guiseppe Farina und Juan Manual Fangio

Quelle: imago sportfotodienst

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Farina gegen Fangio, 1950

Im Jahr 1950 wird die erste Formel-1-Saison ausgetragen. Es ist die Zeit, als Rennfahrer noch wie Autoschrauber aussehen. In Großbritannien sieht König Georg VI. zu, wie Giuseppe Farina (Bildmitte) den ersten WM-Lauf der Geschichte gewinnt. In Monaco ereignet sich aufgrund von Meerwasser, das die Strecke geflutet hatte, eine Massenkollision - und selbst die 500 Meilen von Indianapolis gehören zum Rennkalender.

Um den Titel fahren die Piloten von Alfa Romeo. Vor dem letzten Rennen in Monza führt Juan Manuel Fangio (im Bild rechts) mit 27 Punkten vor Farina (22 Punkte) und Luigi Fagioli (20). Für einen Sieg gibt es acht Punkte, womit alle drei Alfa-Romeo-Fahrer noch Chancen auf den Titel besitzen. Fangio erleidet zunächst einen Getriebeschaden, fährt dann im Auto seines Kollegen Piero Taruffi - und scheidet nach 34 Runden mit einem Motorschaden aus. Farina liefert sich einen erbitterten Kampf mit Alberto Ascari im Ferrari 375 V12, gewinnt das Rennen und letztlich auch die Weltmeisterschaft.

Stirling Moss, Mike Hawthorne

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Moss gegen Hawthorn, 1958

In den "Roaring Fifties" ist die Formel 1 ein wilder Wanderzirkus furchtloser Helden. Das Rennen in Porto 1958 führt zum Teil über Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen - der Engländer Stirling Moss (im Bild links) gewinnt diesen Grand Prix. Sein Konkurrent, Mike Hawthorn (Bildmitte), dreht sich in der Schlussphase, lässt seinen Ferrari gegen die Fahrtrichtung anrollen und wird Zweiter. Für dieses Manöver soll Hawthorn disqualifiziert werden, doch Moss setzt sich für ihn bei der Rennleitung ein. Hawthorn bleibt in der Wertung.

Moss ist einer der erfolgreichsten Formel-1-Fahrer der 50er Jahre. Dreimal wird er WM-Zweiter hinter dem legendären Juan Manuel Fangio. 1958 landet er knapp hinter Hawthorn, und das, obwohl Moss viermal triumphiert, sein Gegner nur einmal. Hawthorn hat aber fünf zweite Plätze zu verzeichnen - und wird mit nur einem Punkt Vorsprung Weltmeister. Moss, stets Gentleman, kommentiert den Vorfall in Portugal ohne Reue: "Wenn ich mich nicht so für ihn eingesetzt hätte, wäre ich jetzt Champion. Aber ich würde das jederzeit wieder tun, weil es fair war."

Wolfgang von Trips, Phil Hill

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Von Trips gegen Hill, 1961

Er ist auf bestem Wege, der erste deutsche Formel-1-Weltmeister zu werden: Wolfgang Berghe von Trips (im Bild links) benötigt einen Sieg aus den letzten beiden Rennen der Saison 1961, um den Titel zu gewinnen. Sein schärfster Konkurrent und gleichzeitig bester Freund, Phil Hill (re.), lauert auf Platz zwei des Klassements, mit vier Punkten Rückstand. Kurz nach dem Start beim Großen Preis von Monza fällt von Trips von der Pole auf Rang sechs zurück. Ferrari-Teamkollege Hill übernimmt die Führung.

Von Trips beginnt eine Aufholjagd, die in Runde zwei ein tragisches Ende nimmt. Sein Ferrari kollidiert in der Parabolica-Kurve bei rund 230 Stundenkilometern mit Jim Clarks Lotus. Der Deutsche verliert die Kontrolle über seinen Wagen, rast eine Böschung hinauf, prallt gegen einen Fangzaun. Sein Wagen fliegt durch die Luft und trifft am Zaun stehende Zuschauer. Von Trips, der aus dem Ferrari geschleudert wird, und 15 weitere Menschen sterben - es ist einer der schlimmsten Unfälle der Formel-1-Geschichte. Phil Hill gewinnt das Rennen und den WM-Titel, kann sich aber nicht freuen. Er hat in von Trips einen geschätzten Freund und respektierten Rivalen verloren.

Niki Lauda, James Hunt

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Lauda gegen Hunt, 1976

Der eine ein Lebemann mit einem Faible für hübsche Frauen, der andere ein akribischer Tüftler: Das Duell zwischen James Hunt (links) und Niki Lauda (rechts) ist der Vergleich zweier Sportler, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In der ersten Hälfte der Saison 1976 ist Niki Lauda überlegen, gewinnt vier von acht Rennen und liegt nach seinem Vorjahressieg erneut auf WM-Kurs. Dann folgt das Rennen auf dem Nürburgring, das letzte auf der Nordschleife. Lauda verunglückt am Bergwerk, entkommt dem Flammeninferno knapp und wird mit schweren Verbrennungen am Kopf ins Krankenhaus gebracht. 42 Tage später in Monza sitzt Lauda mit noch blutenden Wunden wieder im Rennwagen und wird Vierter. Es ist eines der beeindruckendsten Comebacks der Sportgeschichte.

Hunt hat seit Laudas Crash vier Rennen gewonnen, vor dem letzten Grand Prix in Japan hat er drei Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Lauda. Wegen Regens und Nebel in Fuji stellen der Österreicher und drei andere Fahrer überraschend früh ihre Autos ab - für sie ist die Fahrt zu gefährlich. Hunt fährt weiter, führt zeitweise, fällt nach einem Boxenstopp zurück. Der Brite glaubt den Titel verloren. Doch er wird noch Dritter - und Weltmeister, mit einem Punkt Vorsprung.

Alain Prost, Ayrton Senna

Quelle: SZ

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Prost gegen Senna, 1989

Mitte der 80er Jahre dominiert in der Formel 1 ein Mann das Geschehen: Alain Prost, Franzose, Lockenkopf, furchtloser Draufgänger. Als der kleine Kerl aus Saint-Charmond zu McLaren zurückkehrt, gewinnt er auf Anhieb zwei WM-Titel (1985 und 1986). Zwei Jahre später holt sein Teamchef Ron Dennis einen jungen Fahrer in den Rennstall, der schon seit einiger Zeit für Aufsehen sorgt: Ayrton Senna. Sein Temperament: berüchtigt. Der Brasilianer Senna und Prost duellieren sich von Anfang an, obwohl sie Stallkollegen sind. 15 der 16 Saisonrennen machen die beiden unter sich aus - Weltmeister 1988 wird Senna, mit hauchdünnem Vorsprung.

Längst haben die beiden Egomanen eine Privatfehde begonnen, die im folgenden Jahr eskaliert: Beim Saisonfinale in Suzuka liegt Prost auf WM-Kurs, als Senna ihn ein letztes Mal attackiert. Die beiden kollidieren. Senna kann zunächst weiterfahren. Direkt nach dem Rennen wird er wegen gefährlichen Fahrens disqualifiziert, Prost holt den Titel. Der Brasilianer ist außer sich und unterstellt dem Franzosen Absicht. Am Ende verlässt Prost entnervt McLaren und muss mitansehen, wie Senna die nächsten beiden Jahre Weltmeister wird.

Schumacher Hill

Quelle: SZ

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Hill gegen Schumacher, 1994

1994 gilt die Formel 1 als fade Nummer. Michael Schumacher (Renault) dominiert das Geschehen, nach sieben Rennen hat der Deutsche 66 von 70 möglichen Punkten geholt. Sein härtester Verfolger, Damon Hill im Williams, weist 29 Zähler auf. Dann kommt der Große Preis von Großbritannien: Schumacher überholt während der Aufwärmrunde regelwidrig seinen Rivalen. Er wird disqualifiziert, die Streckenposten zeigen ihm mehrfach die schwarze Flagge, doch Schumacher fährt einfach weiter. Für sein Vergehen muss er später zwei Rennen aussetzen - Hill gewinnt beide Wettfahrten.

Als Schumacher auch noch wegen einer verbotenerweise eingebauten Holzplatte der Sieg in Belgien aberkannt wird, ist sein neuer Spitzname geboren: "Schummel-Schumi" nennt der Boulevard den Kerpener. Im Saisonfinale sichert er sich trotzdem den Titel, als nach einer fragwürdigen Kollision beide Fahrer ausscheiden. Schumachers rettet seinen Vorsprung - ein winziges Pünktchen - ins Ziel, sein Ruf ist allerdings beschädigt.

ZUSAMMENSTOß SCHUMACHER - VILLENEUVE

Quelle: DPA

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Villeneuve gegen Schumacher, 1997

Das Formel-1-Jahr bietet eine Dramaturgie, die selbst für ein Hollywood-Drehbuch allzu klischeehaft anmutet: Es duellieren sich zwei Rennställe (Ferrari und Williams) die sich nicht wirklich mögen - und es kämpfen zwei Männer (Michael Schumacher und Jaques Villeneuve), die sich überhaupt nicht grün sind. Und natürlich wird die Fehde erst im letzten Rennen in Jerez entschieden.

Villeneuve führt lange die Fahrerwertung an, ehe Schumacher fünf Rennen hintereinander gewinnt und vor dem letzten Wochenende mit einem Punkt führt. In der Qualifikation erreichen Villeneuve, Schumacher und Heinz-Harald Frentzen eine bis auf die Tausendstelsekunde gleiche Zeit. Da Villeneuve die Zeit als Erster schafft, darf er von der Pole Position aus starten. Im Rennen liegt Schumacher lange vorne, hat dann jedoch Probleme mit seinen Reifen, Villeneuve holt auf. Der britische Kommentator ruft: "Das wollen wir sehen: Mann gegen Mann, Auto gegen Auto!" In der 48. Runde will Villeneuve überholen, Schumacher zieht nach innen - die beiden kollidieren. Schumacher scheidet aus, Villeneuve lässt in der letzten Runde Mika Häkkinen und David Coulthard überholen und wird Weltmeister.

Schumacher wird nach dem Rennen wegen seines Manövers disqualifiziert, die Rennkommissare streichen ihm gar sämtliche WM-Punkte. Wenige Tage später entschuldigt sich Schumacher: "Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch - und unglücklicherweise habe ich einen Fehler gemacht." Er gibt jedoch an, Villeneuve nicht absichtlich gerammt zu haben.

FORMEL 1 MONZA STARTUNFALL

Quelle: DPA

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Schumacher gegen Häkkinen, 2000

Zum ersten Mal während seiner Ferrari-Zeit sieht es für Michael Schumacher zu Beginn der Saison gut aus. Ihm gelingt ein perfekter Start, auch mit etwas Glück. Der Finna Mika Häkkinen holt sich drei Mal in Serie die Pole, scheidet aber in den beiden ersten Rennen aus. Schumacher gewinnt drei Mal und übernimmt in der WM-Wertung die Führung. Danach wechseln sich Coulthard, Häkkinen und Schumacher an der Spitze ab. Nach dem Sieg in Montréal fällt Schumacher allerdings drei Mal hintereinander aus, Häkkinen übernimmt dank seines dritten Saisonerfolgs in Ungarn die WM-Führung. Kann Schumacher im Ferrari einfach nicht Weltmeister werden?

In Monza (im Bild) vor Zehntausenden Tifosi meldet sich der Kerpener zurück, holt seinen 41. Grand-Prix-Sieg - und egalisiert damit den Rekord von Ayrton Senna, der 1994 verunglückt war. Auf der Pressekonferenz darauf angesprochen, drückt Schumacher nur ein "Das bedeutet mir viel... Entschuldigung" hervor, dann bricht er in Tränen aus. So wie er die ersten drei Rennen das Jahres gewonnen hatte, gewinnt Schumacher auch die letzten drei. Zum ersten Mal seit 1979 holt Ferrari den Fahrer-Titel. Es ist der Anfang der Ferrari-Ära, von 2000 bis 2004 ist Schumacher der König der Fomel 1 - ehe 2005 der junge Spanier Fernando Alonso im Renault auftaucht und zwei Mal in Serie Weltmeister wird. 2006 verabschiedet sich Schumacher fürs Erste aus der Formel 1.

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Quelle: AP

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Alonso gegen Vettel, 2012

Dass dieses Duell noch einmal spannend werden würde, damit war Mitte der Rennsaison im Jahr 2012 nicht mehr zu rechnen. Im Sommer, nach dem Rennen am Hockenheimring, beträgt Sebastian Vettels Rückstand auf Ferrari-Fahrer Fernanso Alonso 44 Punkte. Für den Spanier stehen die Chancen auf den dritten WM-Titel gut. Vettel aber ist, so belegt die Statistik, in seiner Karriere fast immer in der zweiten Saisonhälfte stärker als in der ersten. Das ist auch diesmal wieder der Fall. Als der Formel-1-Zirkus in Asien gastiert, gewinnt Vettel dank eines überarbeiteten Autos viermal nacheinander, ehe er im letzten Rennen in São Paulo Weltmeister wird. Nebenbei ist Vettel nun der jüngste dreifache WM-Sieger der Historie.

Belgium Formula One Grand Prix

Quelle: dpa

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Rosberg gegen Hamilton, 2014

"Absolut inakzeptabel", "unglaublich" - wenn einem Fahrer derartige Worte vom eigenen Kommandostand aus entgegengeschleudert werden, muss etwas Ernstes vorgefallen sein. So wie beim Großen Preis von Belgien, dem vorerst letzten Höhepunkt des Mercedes-Duells zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Rosberg hatte Hamilton bei einem missglückten Überholmanöver den Hinterreifen aufgeschlitzt - absichtlich, wie Hamilton mit Berufung auf die Teamsitzung später angibt. Der Brite muss aufgeben, Rosberg baut als Zweiter seine WM-Führung aus, für die Schlussphase der Saison liegt er im Vorteil. Hatten beide Piloten bis zuletzt an der Schwelle des Erlaubten gearbeitet, verschiebt sich der Zweikampf um den WM-Titel 2014 immer weiter ins Unerlaubte.

Rückblende: In Bahrain, zu Beginn der Saison, berühren sich die beiden mehrmals fast, Hamilton gewinnt. In der auf dem Stadtkurs in Monaco wichtigen Qualifikation verbremst sich Rosberg - absichtlich? - im letzten Durchgang des Qualifyings, die Streckenposten schwenken gelbe Flaggen, Hamilton muss seine letzte Runde abbrechen. Rosberg erobert die Pole und gewinnt. In Ungarn erhält Hamilton den Befehl, Rosberg vorbeizulassen, weil der eine andere Strategie anwendet und sich freie Fahrt erbittet. Hamilton ignoriert die Anweisung. Addiert man den Vorfall in Spa sowie Hamiltons Bemerkungen, mit denen er das Duell seit Monaten unterfüttert - dann ergibt das ein herrliches Duell aus der Kategorie "Senna gegen Prost". Und noch stehen sieben Rennen im Formel-1-Kalender.

© SZ.de/mike/jbe/jüsc/mane/fred/sonn/jkn
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