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Lautstärkerekord in der NFL:Auch die Schalker Fans kommen auf 129 Dezibel

Der neue Rekord in der NFL war allerdings nicht ganz billig. Denn bei einem offiziellen Rekord-Versuch muss ein Preisrichter vom Guinness-Buch der Rekorde vor Ort sein. Den Rekord zu brechen kostet zwar nichts, den Preisrichter überhaupt im Stadion begrüßen zu dürfen, allerdings schon. Das Guinness-Buch der Rekorde lässt sich die Anreise und sonstige Kosten für die Messung mit mindestens 8 000 US Dollar fürstlich entlohnen. Diesmal hat sich die Investition für die Kansas City Chiefs gelohnt.

Beim letzten Lautstärkerekord vor ein paar Monaten kursierten sogar Meldungen, dass fünf leichte Erdbeben der Stärke 1-2 vernommen wurden. Seismologie-Professor Heiner Igel von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) schränkt jedoch ein: "Erdbeben können nicht durch Schall oder springende Fans verursacht werden." Ein Seismometer könne lediglich seismische Wellen messen, die durch akustische Wellen verursacht werden. "Wissenschaftlich gesehen ist das aber nicht mit einem Erdbeben vergleichbar." Populistisch gesehen dagegen durchaus. Und so ein Erdbeben hört sich schließlich gleich viel mächtiger an. In der NFL gehört der Show-Charakter einfach zum Geschäft.

Doch nicht nur in der NFL, auch in der Fußball-Bundesliga geht es laut zu. Die wird seit Jahren für ihre vollen Stadien und die gute Stimmung beneidet. Doch auch hier können Ohrenärzte Schäden für die Fans nicht ausschließen. Den Lautstärken-Rekord hierzulande hält derzeit der FC Schalke 04 aus dem Jahr 2007. Beim 1:0 gegen den VfB Stuttgart durch Mladen Krstajic wurde ein Lärmpegel von 129 Dezibel gemessen. Auch die Anhänger türkischer Klubs sind für ihren fanatischen Support bei Fußballspielen bekannt. Die Fans von Beşiktaş Istanbul konnten im Mai 2013 mit 141 gemessenen Dezibel beim Heimspiel gegen Gençlerbirliği gar den alten Rekord des Stadtrivalen Galatasaray um neun Dezibel verbessern. In Spielen von Celtic Glasgow im stimmungsvollen Celtic Park werden durchschnittlich 110 Dezibel gemessen. Die schottischen Fans singen eben lieber, als laut zu kreischen.

Der Fan-Rekord der Kansas City Chiefs wurde übrigens im zweiten Viertel des Spiels während eines Time-outs gemessen. Die Freude über den Rekord könnte für Kansas aber nur von kurzer Dauer sein. Bereits am 12. Oktober wollen sich die Seattle Seahawks beim Spiel gegen die Dallas Cowboys den Rekord zurückzuholen. Sie haben bereits einen Offiziellen vom Guinness-Buch der Rekorde angeheuert. Abzuwarten, wie viele Ohrenstöpsel diesmal verteilt werden.

© Süddeutsche.de
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