Kultklub Alemannia Aachen:1000 Spiele in der zweiten Liga

Wer kennt sie nicht, die Kämpfer von Alemannia Aachen: Will Landgraf, Günter Delzepich und Joaquin Montanes. Am Sonntag absolviert Aachen die 1000. Zweitliga-Partie - eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch den Verein plagen sportliche und finanzielle Probleme.

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Fußball - Aachens Verteidiger Willi Landgraf bejubelt Aufstieg

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Wer kennt sie nicht, die Kämpfer von Alemannia Aachen: Will Landgraf, Günter Delzepich und Joaquin Montanes. Am Sonntag absolviert Aachen die 1000. Zweitliga-Partie - eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch den Verein plagen derzeit sportliche und finanzielle Probleme. In Bildern.

Diese Zahl muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: 1000! So viele Zweitligaspiele wird Alemannia Aachen am kommenden Sonntag nach der Partie gegen den MSV Duisburg absolviert haben. "Die Alemannia kann stolz sein, als erster Klub diese Schallmauer zu durchbrechen", sagt Sportdirektor Erik Meijer, "für die Spieler ist allerdings das 1000. Spiel nicht so wichtig wie das Ergebnis am Sonntag." Kein Wunder, liegt die Alemannia mit acht Punkten aus 13 Spielen derzeit auf dem letzten Platz.

Alemannia Aachen 2. Bundesliga Tivoli

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Das erste der 1000 Spiele fand am 9. August 1974 statt - am zweiten Spieltag der zweiten Bundesliga Nord gab es gegen Fortuna Köln ein 1:1. Der erste Zweitliga-Torschütze war Helmut Bergfelder. Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen: Was war denn am ersten Spieltag? Die Partie in Hannover musste abgesagt werden, weil zehn gegnerische Spieler an Darmgrippe erkrankt waren. Das Nachholspiel gewann Hannover übrigens mit 3:0.

Alemannia Aachen 2. Bundesliga Tivoli

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Das erste Zweitliga-Spiel fand natürlich auf dem Tivoli statt, im legendären Stadion der Alemannia. Am 3. Juni 1928 wurde der Tivoli eröffnet, Aachen gewann damals vor mehr als 10.000 Zuschauern mit 4:3 gegen Preußen Krefeld - danach gab es noch 2215 weitere Spiele der ersten Mannschaft in dieser Arena. Seit der Saison 2009/10 spielt Alemannia Aachen allerdings in einem neuen Stadion, das ebenfalls "Tivoli" heißt. Der Alte Tivoli wird mittlerweile abgerissen, auf dem Gelände sollen Häuser und ein Verbrauchermarkt entstehen.

Alemannia Aachen 2. Bundesliga Tivoli

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Bei Alemannia Aachen agierten im Laufe der Jahre zahlreiche Kicker, die auf dem Tivoli zur Legende verklärt wurden. Joaquín Montañés war so einer. 1,73 Meter groß, 71 Kilo wuchtig, erlernter Beruf: E-Schweißer. Beruf auf dem Fußballplatz: dem gegnerischen Spielmacher notfalls auf die Toilette folgen. 479 Spiele absolvierte Montañés für Aachen in der zweiten Liga, das war lange Zeit Rekord. Seine schönste Erinnerung war allerdings ein Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona. Nach der Partie sagte er: "Gegen Cruyff habe ich doch ganz gut ausgesehen."

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Günter Delzepich ist ein weiterer legendärer Spieler der Alemannia. Pressschlagheroe, Zweimeter-Zweizentner-Zweitligabriegel, Mittelfeld-Monster. All diese Namen hat man ihm gegeben, diesem Hühnen, der technisch nicht besonders begabt war, dafür aber mit unbändigem Willen und Kampf und noch unbändigerer Kraft den Ball über den meist arg ramponieren Rasen im Aachener Tivoli drosch. Einmal, so raunt man sich in Aachen heute noch zu, habe Delzepich gewettet, dass er einen Medizinball von außerhalb des 16-Meter Raumes ins Tor schießen könne, ohne dass der Ball einmal den Boden berührt. Die Wette hat er verloren. Delzepich soll den Medizinball über das Tor geschossen haben.

BROICH LUER

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Und natürlich Willi Landgraf: Sie nannten ihn "Kampfgraf", aufgrund seiner, sagen wir mal, "engagierten Spielweise". Andere könnten behaupten, sie hätten nie einen schlimmeren Treter, Kratzer und Wusler gesehen als Landgraf. 19 Jahre am Stück spielte er in der zweiten Liga (507 Spiele), sieben davon für den Klub Alemannia Aachen, mit dem er sich 2006 seinen größten Traum erfüllte: den Aufstieg in die erste Liga. Das Tragische für Landgraf: Er konnte den Weg in die Bundesliga nicht mehr mitgehen, er war zu alt, zu schwach, wollte kein Gnadenbrot. "Nach Aachen zu kommen, war definitiv die beste Entscheidung meiner Karriere", erklärte Landgraf trotzdem. Aachens früherer Sportdirektor Jörg Schmadtke sagte: "Willi ist ein Unikat, den muß man einfach liebhaben." Er ackert übrigens immer noch, für den VfB Bottrop, in der Bezirksliga Niederrhein.

Aachen Tvoli alemannia

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Auf dem Tivoli in Aachen fand auch das erste so genannte "Geisterspiel" im deutschen Profi-Fußball statt. Am 24. November 2003 (1:0) waren beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg nach einem Feldverweis gegen Erik Meijer (71.) Gegenstände von den Zuschauerrängen auf das Spielfeld geworfen worden, Nürnbergs damaliger Trainer Wolfgang Wolf wurde am Kopf getroffen. Am 26. Januar 2004 wurde die Partie wiederholt, Aachen gewann mit 3:2. Torschützen: Ivica Grlic, Emmanuel Krontiris und Bachirou Salou.

Alemannia Aachen - Eric Meijer

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Und noch ein legendärer Kicker der Alemannia: Erik Meijer spielte von 2003 bis 2006 in Aachen - und brachte damals gleich einen wunderbaren Spitznamen mit: "The butcher". In seiner ersten Spielzeit erzielte er fünf Treffer in fünf Pokalspielen und führte Aachen damit ins Finale des DFB-Pokals. Dort gab es zwar eine Niederlage gegen Werder Bremen, doch weil Bremen als Meister für die Champions League qualifiziert, durfte Aachen im Europapokal starten - und überstand sogar die Gruppenphase.

Alemannia Aachen 2. Bundesliga Tivoli

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Drei Mal qualifizierte sich Alemannia Aachen für die deutsche Eliteklasse - zunächst 1967/68, dann 1969/70, schließlich auch 2005/06: Das war eine mittelschwere Sensation, schließlich hatte niemand mehr damit gerechnet, dass Aachen überhaupt noch mal aufsteigen würde (der Klub wurde zuvor unter anderem drei Mal in Serie Sechster). Nach 36 Jahren gelang dennoch der Aufstieg, Aachen rastete komplett aus, Stürmer Eric Meijer trank Bier aus großen Gläsen. Es nützte: nicht viel. In der Bundesliga agierte Aachen recht chancenlos, stieg mit 34 Punkten und 46:70 Toren postwendend wieder ab. Wieder wurde Bier getrunken: jedoch aus Frust.

Alemannia Aachen - Borussia Mönchengladbach

Quelle: Achim Scheidemann/dpa

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Wer so lange im deutschen Profifußball agiert, hat natürlich prominente Fans. Zum Beispiel Peer Steinbrück. Doch halt, ist der nicht eigentlich Fan von Borussia Mönchengladbach? Als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen kam Steinbrück jedoch nicht umher, sich auch mal am Aachener Tivoli blicken zu lassen. Geschehen ist dies im März 2004, Gegner war - tadaaa - Borussia Mönchengladbach.

Fußball - Die Anzeigetafel im Aachener Tivoli-Stadion

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"Bundesliga - wir kommen", das stand auf der Anzeigetafel des Tivoli, als der Aufstieg in die höchste Spielklasse erreicht wurde. Derzeit spielt die Mannschaft gegen den Abstieg aus der zweiten Bundesliga - und gegen die finanziellen Probleme, die sich bei einem Abstieg noch vergrößern würden. Am Sonntag wird dennoch erst einmal gefeiert - das Stadion wird wohl mit 30.000 Zuschauern ausverkauft sein, fast die komplette Mannschaft des ersten Zweitliga-Spiels wird anwesend sein. In diesem Sinne: "Oche Alaaf".

© sueddeutsche.de/jüsc/ebc
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