Kevin De Bruyne Der Einzige, den Guardiola nicht ersetzen kann

Immer anspielbar: Manchester Citys Kevin De Bruyne (rechts, hier in der Partie gegen Arsenal) weiß, wie man sich Platz verschafft.

(Foto: Phil Noble/Reuters)
  • Manchester City feiert in der Premier League einen Startrekord.
  • In der Elf von Pep Guardiola ragt ein Spieler heraus: Der Belgier Kevin De Bruyne hat sich im Mittelfeld unentbehrlich gemacht.
  • Die öffentliche Akzeptanz als einer der besten Fußballspieler der Welt fehlt ihm allerdings noch.
Von Sven Haist, Manchester

Im Studio des Fernsehsenders Sky UK sitzt Kevin De Bruyne vor einem etwa zwei Meter langen Tastbildschirm. Auf dem Monitor läuft sein sehenswerter Siegtreffer zum 1:0 für Manchester City im Duell mit Meister FC Chelsea. Der belgische Nationalspieler könnte sich seinen Linksschuss nun noch einige Male in Zeitlupe ansehen, etliche seiner Kollegen hätten das bestimmt gemacht. Stattdessen fordert er den Moderator auf, die gezeigte Szene zurückzuspulen. Die Analyse beweist dann De Bruynes Empathie für eine Anschauung des Fußballs, bei der der Ball solange hin und her gepasst wird, bis eine Situation zur Einleitung einer Torchance entsteht.

Inmitten des Reichs aus tausendundeinem Pass steht De Bruyne. Manchester Citys Ziel ist es, den Spielgestalter freizukombinieren. So wie das vor ein paar Wochen beim Treffer im Heimspiel gegen den SSC Neapel in der Champions League (2:1) exemplarisch gut gelang. Nach 33 Sekunden, 23 Ballberührungen und zwölf Pässen der Vorbereitung hatte De Bruyne schließlich den Ball am Fuß, um ihn im Strafraum querzulegen für Jungstürmer Gabriel Jesus. Oder wie beim 3:1 (1:0) am Sonntag über den FC Arsenal, als De Bruyne erneut mit einem Linksschuss die Führung erzielte. Das Ergebnis suggeriert einem nachher, dass die Gunners eigentlich nicht chancenlos waren - dabei waren sie es doch.

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Durch den zehnten Erfolg im elften Spiel der Saison hat Manchester City an der Tabellenspitze der Premier League einen neuen Startrekord aufgestellt. Die Bilanz mit 31 Punkten und 31 mehr geschossenen als kassierten Toren ist selbst für Pep Guardiola neu, trotz der 21 Titel in sieben Jahren mit seinen vorherigen Klubs FC Barcelona und FC Bayern. Der Abstand auf die schwer hinterher hechelnde Konkurrenz beträgt derzeit acht Punkte - eine solch große Lücke zu diesem Zeitpunkt kennt die Premier League nicht. Momentan sieht es eher so aus, als beende City die Saison ungeschlagen, als dass jemand aufschließt aus dem Verfolgerfeld um Manchester United, Tottenham und Chelsea.

Die gegenwärtige Entwicklung bestätigt den Trend der zurückliegenden Spielzeiten, wonach der höchsten englischen Spielklasse zunehmend die Spannung im Rennen um die Meisterschaft entweicht. Seit der Saison 2013/14 hat es keine Entscheidung mehr am letzten Spieltag gegeben. Die vorherrschende Langeweile in den vergangenen 13 Jahren erschließt sich bloß deshalb nicht, weil die Trophäe für den Meister permanent den Besitzer wechselt und der vermeintliche Abstiegskandidat Leicester City im Mai 2016 mit einem Coup die Phalanx der Topklubs aufbrach. Seit dem Titelgewinn des FC Arsenal in der Spielzeit 2003/04 machten nämlich die beiden Klubs aus Manchester sowie Chelsea die Meisterschaft immer unter sich aus.

Einst ließ Mourinho ihn ziehen

Aus den kostspieligen Staraufgeboten der Spitzenteams ragt gerade nur einer heraus: Kevin De Bruyne, 26. Seine Entwicklung zum einzig nicht gleichwertig zu ersetzenden Profi bei ManCity leitete ausgerechnet eine falsche Einschätzung von José Mourinho ein, Guardiolas ärgstem Widersacher in der Trainerzunft. Vor vier Jahren ließ Mourinho, damals bei Chelsea angestellt, den universell einsetzbaren Offensivakteur ziehen, weil ihm dessen Berufsauffassung nicht gefiel. Der zurückhaltende De Bruyne bevorzugt einen Stil, der darauf ausgerichtet ist, die Schwächen des Gegners auszunutzen. Mourinho hingegen möchte dem Gegner immer erst einmal die Stärken nehmen, wie jetzt wieder bei Manchester United zu erkennen ist.

Dank De Bruynes Zwischenstation beim VfL Wolfsburg konnte sich Guardiola im Dienst des FC Bayern aus nächster Nähe dessen Fähigkeiten anschauen. Für etwa 75 Millionen Euro überbot ManCity im Sommer 2015 die internationale Konkurrenz im Werben um den Belgier. Ein Jahr später traf er dort dann auf Guardiola, der umgehend seine Position auf dem Spielfeld anpasste. Im Vergleich zu den vorherigen Saisons agierte De Bruyne fortan nicht mehr als Außenspieler oder hängende Spitze, sondern im zentralen Mittelfeld. Im personellen Aufgebot Citys befinden sich ja in Sergio Agüero und Jesus zwei Angreifer, die über einen schnelleren Antritt und mehr körperliche Wucht verfügen.

An De Bruynes Verständnis, sich in der Mitte des Feldes immer anspielbar für die Teamkollegen zu bewegen, kommt jedoch keiner heran. Seine geschickte Positionierung und seine Geschmeidigkeit erlauben es ihm nach der Ballannahme, sich in der Nähe des gegnerischen Strafraums in alle Richtungen zu drehen. Beidfüßig ausgebildet, beherrscht er jede Art des Zuspiels und Torabschlusses. In 105 Einsätzen für ManCity hat De Bruyne 26 Tore erzielt und 45 Vorlagen geliefert. Hinter diesen Werten verstecken sich die Balleroberungen, die De Bruyne dem Team durch seine Beobachtungsgabe beschert. Selbst in dieser Statistik hat er mittlerweile zu den Führenden der englischen Liga aufgeschlossen.

Lediglich die öffentliche Akzeptanz als einer der besten Fußballspieler der Welt fehlt ihm noch. Das dürfte an seinem unscheinbaren Auftreten liegen. Sogar zu seinem Besuch im Fernsehstudio erschien De Bruyne nämlich im Trainingsanzug. Das einzige, was an ihm glänzte, war die Analyse seines Treffers.

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