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Olympiabewerbung von Katar:Heißer Kandidat

FILE PHOTO: World Athletics Championships - Doha 2019

Hitze in der Nacht: Läufer bei der Leichtathletik-WM 2019 in Katar

(Foto: REUTERS)

In Katar ist die Hitze unerträglich, für Sport interessiert sich die Bevölkerung kaum. Warum das Emirat bei der Bewerbung um Olympia 2032 trotzdem Favorit ist.

Kommentar von Thomas Kistner

Sie tun es wieder. Katar bewirbt sich um die Sommerspiele, es ist der dritte Anlauf. Das Emirat will die Olympia-Sause 2032 austragen, nur zehn Jahre nach der Fußball-WM, die 2022 in diesem Wüstensprengel stattfindet, der die Größe Nordhessens aufweist. Man gönnt sich und der Welt ja sonst nichts.

Bisher ringen um das Event: Brisbane/ Australien, Indien, Indonesien und die zwei Koreas, auch der deutsche Regionalkandidat Rhein/Ruhr mischt mit. Nun aber tritt mit Katar ein Akteur in den Ring, der einschlägige Fragen aufwirft.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, dafür bei 40 Grad

Olympische Spielevergaben sind gewaltige geostrategische Entscheidungen. Und so bescheinigen unerfahrene Sportbeobachter den neuen Interessenten schlechte Karten. Unvergessen ist ja die Handball-WM 2015, für die sich Katar sogar Fans ins Land holte, um das eben mal flott zusammengekaufte und eingebürgerte Nationalteam anzufeuern. Weil die Sportbegeisterung jenseits von Jagdfalken und Rennkamelen traditionell verhalten ist, fand auch die Straßenrad-WM Mitte Oktober 2016 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, dafür bei 40 Grad.

Also, warum sollte es den Weltsport - nach der gleichfalls umstrittenen Leichtathletik-WM 2019 und der Fußball-WM 2022 - immer wieder aufs Neue an den Golf verschlagen, in eine sengende Hemisphäre, die Spitzensportler zu mitternächtlichen Kraftakten zwingt? Wirkt da nicht jeder andere Kandidat verheißungsvoller? Australien, der bisherige Frontrunner - ein sportverrückter Kontinent? Zwei schlafende Riesen in Süd- und Südost-Asien? Die ewigen Duellanten in Korea, die ja für das Internationale Olympische Komitee (IOC) den größten Schatz auf Erden bergen: den Friedensnobelpreis, wenn's mit Doppel-Spielen klappen täte - auch wenn danach die Grenze gleich wieder verrammelt würde? Oder diese deutsche Infrastrukturkampagne: Auch sie weist aus Sicht von Sport und Athleten Vorzüge gegenüber Katar auf; angefangen bei den klimatischen.

Aber so naiv darf man das nicht sehen.

Katar übernimmt mit dem Eintritt ins Rennen eine Favoritenrolle. Das superreiche Emirat ist, erstens, berüchtigt für sehr überzeugende Argumentationshilfen bei Sportkandidaturen. So stehen just die beiden WM-Vergaben in Leichtathletik und Fußball in penetrantem Korruptionsgeruch. Auch hat kaum einer der Sportfunktionäre, die Dohas Werbereizen hier wie dort einst erlegen waren, später keinen Ärger mit der Justiz bekommen; kaum einer ist noch im Amt.

Bach - einer der Getreuesten des Emirats

Und das Scheitern von Katars Olympia-Kandidaturen für 2016 und 2020? Das verdankte sich der beherzten Intervention des damaligen IOC-Präsidenten Jacques Rogge. Der ließ das Emirat jeweils in der Vorauswahl durchfallen. Im Wissen, dass ein Sieg Dohas in einer Finalrunde, wenn also alle hungrigen rund 110 IOC-Mitglieder an die Wahlurne dürfen, kaum zu verhindern sein würde.

Aber Rogge trat 2013 ab, sein Nachfolger zählte schon damals zu den Getreuesten des Emirats: Thomas Bach, Wirtschaftsanwalt und bis zur IOC-Thronbesteigung sogar Chef der umstrittenen arabisch-deutschen Handelskammer Ghorfa. Und Bachs einflussreichster Wahlhelfer war Ahmad Al-Sabah; der Kuwaiter ist im Sport nur deshalb nicht mehr so präsent, weil ihn das FBI ins Visier genommen hat. Für Katar hatte Bach stets ein Faible, trotz steter Korruptionsgerüchte und Menschenrechtsdebatten: "Es liegt an Katar. Ich kann mir vorstellen, dass Katar eines Tages Kandidat für die Ausrichtung Olympischer Spiele sein wird", frohlockte er bereits 2016 bei einer Konferenz in Doha.

Am selben Tag verkündete damals die Welt-Anti-Doping-Agentur, dem Testlabor in Doha die Akkreditierung zu entziehen. Das war natürlich ein dummer Zufall. Der aber perfekt ins Bild passt.

© SZ vom 29.07.2020/sonn

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