Judo:Abschluss in Bronze

Judo - Olympics: Day 8

Obenauf: Anna-Maria Wagner gegen die Niederländerin Guusje Steenhuis.

(Foto: Harry How/Getty Images)

Das deutsche Judo-Team holt im Mixed-Wettbewerb die dritte Medaille bei den Spielen in Tokio. Anna-Maria Wagner kämpft dabei ohne "das Go" der Ärzte.

Von Thomas Hahn, Tokio

Igor Wandtke ist jetzt ein Olympiasieger-Besieger. Das war natürlich nicht der Titel, der zählte, nach dem Bronze-Gewinn der deutschen Judo-Mannschaft beim olympischen Mixed-Team-Wettkampf im Nippon Budokan von Tokio. Aber ein schönes Gefühl war es schon, im Viertelfinale gegen Japan den zweiten deutschen Punkt gegen den Goldgewinner seiner Gewichtsklasse bis 73 Kilo, den ehrwürdigen Shohei Ono, gewonnen zu haben. "Respekt", sagte Wandtke in Richtung Ono, "er ist der Größte. Aber heute habe ich meine Chance genutzt."

Der Mixed-Team-Wettkampf im Judo hatte olympische Premiere in Tokio, und er wurde zu einer schönen Wiedergutmachung für alle im deutschen Team, die davor nicht so weit gekommen waren, wie sie eigentlich hatten kommen wollen. Zum Beispiel für Igor Wandtke vom Judo-Team Hannover, der im Einzelturnier gleich seinen ersten Kampf verloren hatte. Oder für Theresa Stoll, die WM-Dritte vom TSV Großhadern, die in der Klasse bis 57 Kilo im Achtelfinale gescheitert war.

Anna-Maria Wagner gar nicht kämpfen sollen: "Die Ärzte haben mir das Go nicht gegeben."

Sie war auch deshalb ein tatkräftiges Mitglied des Bronze-Teams, weil sie sich ihrerseits als Olympiasiegerin-Besiegerin einbrachte. Bei der Begegnung mit Team Japan errang sie nämlich den ersten Punkt gegen Uta Abe. Uta Abe ist als Gold-Gewinnerin der Klasse bis 52 Kilo zwar leichter - trotzdem war der Sieg eine Errungenschaft.

Das Viertelfinale ging dann trotz der 2:0-Führung noch 2:4 verloren, weil gegen die geballte golddekorierte Kompetenz der Japaner dann doch nichts zu machen war. In der Trostrunde bezwang das deutsche Team die Mongolei. Im Bronze-Kampf setzte es sich dann gegen die Niederlande durch. Unter anderem dank eines Sieges der Einzel-Olympiadritten und Weltmeisterin Anna-Maria Wagner gegen Guusje Steenhuis. Dabei hätte Anna-Maria Wagner gar nicht kämpfen sollen. "Die Ärzte haben mir das Go nicht gegeben", gab sie später zu. Im Halbfinale des Einzelturniers hatte sie sich am Arm verletzt. "Aber ich habe gesagt: Wenn es wirklich darauf ankommt, gebe ich alles." Sie schonte sich, bis sie gebraucht wurde. Und meldete nach getaner Märtyrer-Arbeit: "Die Medaille ist da."

Es war ein schöner Abschluss weitestgehend erfolgreicher Tage für die Auswahl des Deutschen Judo-Bundes. Außer den Bronze-Medaillen im Team und von Anna-Maria Wagner hatte ja auch noch Eduard Trippel in der Klasse bis 90 Kilo überraschend Silber gewonnen. Für Japans Team hingegen endete die Erfahrung der Heimspiele mit gemischten Gefühlen.

Neun Einzel-Goldmedaillen hatten Nippons Judoka in den Tagen davor gewonnen, das hat davor noch keine Nation geschafft. Und nach den harmlosen Rückschlägen gegen Deutschland kamen sie dann natürlich auch ins Mixed-Team-Finale. Aber dort verloren sie. Gegen die Franzosen ihres großen Angstgegners Teddy Riner, den erfolgreichsten Judoka der Sportgeschichte. Riner sagte: "Es ist ein Traum, das Schwarz auf Weiß zu haben: Frankreich vor Japan bei Olympia in Tokio." Nationalcoach Kousei Inoue hingegen - wohlgemerkt Trainer einer Riege, die in den Tagen zuvor soviel Gold gewonnen hatte wie noch nie - war bedient. Er sagte: "Wir sind sehr enttäuscht, dass wir nicht alle Erwartungen erfüllen konnten."

© SZ/lib
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