Hockey-WM:Reiseroute Terrassa

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Hockey-WM: Einsatz gegen einen überlegenen Gegner: Charlotte Stapenhorst versucht die Torwartin der Niederlande zu umdribbeln, am Ende stand es dennoch 1:3.

Einsatz gegen einen überlegenen Gegner: Charlotte Stapenhorst versucht die Torwartin der Niederlande zu umdribbeln, am Ende stand es dennoch 1:3.

(Foto: Imago/Imago/ANP)

Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft übersteht die Gruppenphase der WM. Am Wochenende steigt die Zwischenrunde - und mit ihr die Ambitionen.

Von Benjamin Zügner, München/Amstelveen

Unterkünfte bei Großevents im Sport haben ihren eigenen Charme. Die Ressorts rangieren oft zwischen luxuriös und pompös, Abgeschiedenheit ist erwünscht. Nur findet die Hockey-WM der Frauen (1.-17. Juli) nun im dicht besiedelten Europa statt, und der deutsche Vorrunden-Spielort Amstelveen liegt lediglich eine viertelstündige Autofahrt entfernt vom Schiphol Airport, dem Amsterdamer Luftfahrtzentrum. Mit Abgelegenheit und Ruhe wird es wohl nichts.

Die deutschen Hockey-Frauen jedoch residieren dieser Tage im Landgoed Diun & Kruidberg, in schlossähnlicher Szenerie und naturverbundener Umgebung. Es sei ein "Hotel unserer Träume", lautete der Tenor, und so schuf man hier die Basis für das Minimalziel, die K.o.-Phase. Nach überstandener Gruppenphase trifft das DHB-Team nun am Samstag im Duell um den Viertelfinaleinzug auf Südafrika (17 Uhr, Dazn).

Der Trainer sieht noch Arbeit: Abstimmungen müssen verfeinert, das Zusammenspiel sollte verbessert werden

Bereits zum Auftakt des Weltturniers schlugen die "Danas", so der Kosename der deutschen Nationalspielerinnen, die Debütantinnen aus Chile mit 4:1. Doppel-Torschützin Charlotte Stapenhorst lobte schon da die Teamleistung, überzeugend war der Turnierstart allemal. Die mittlerweile 27-Jährige gehört zum Kern der verjüngten Mannschaft, hatte bereits erheblichen Anteil am olympischen Bronzegewinn 2016. Nun traf die gebürtige Berlinerin drei Mal, zuletzt beim überzeugenden 3:0 zum Gruppenabschluss gegen die Irinnen. Den aktuellen WM-Zweiten aus dem Turnier genommen zu haben, war jedoch nicht mehr als ein gelungenes Zwischenziel auf der avisierten Reiseroute.

Bundestrainer Valentin Altenburg dämpfte ebenfalls die aufkommende Euphorie. Der Sieg sei zwar "gut für das Selbstvertrauen" gewesen, so der 41-Jährige, der erst seit Januar Bundestrainer ist, dennoch verlief die Gruppenphase nicht durchweg reibungslos. Einige Abstimmungen müssten noch verfeinert, das Zusammenspiel der Mannschaftsteile verbessert werden. Besonders im zweiten Gruppenspiel gegen die Weltranglisten-Ersten und Gastgeberinnen aus den Niederlanden (1:3) war das offenkundig.

Gleichwohl kann das DHB-Aufgebot der Partie gegen Südafrika zuversichtlich entgegenblicken, die Erinnerungen aus dem vergangenen Jahr dürften omnipräsent sein. Eine Chronik der Olympischen Spiele von Tokio: Irland geschlagen, gegen die Niederlande verloren, wie bei dieser WM. Und gegen Südafrika? 4:1 hieß damals der Endstand. Auch jetzt stecken die Deutschen in der Favoritenrolle, die Südafrikanerinnen hatten in der Vorrunde nicht ein Spiel gewonnen. Zwar seien sie gut beraten, "in der K.o.-Runde einer Weltmeisterschaft nicht von etwas Einfachem auszugehen", sagte Bundestrainer Altenburg der Deutschen Presse-Agentur, insgeheim dürfte manche aber schon ans Viertelfinale denken.

Die Reisekoffer müssen ohnehin mehrmals gepackt werden, je nachdem, wie weit sie kommen. Zum ersten Mal nämlich wird eine Hockey-WM der Frauen in zwei Ländern ausgetragen, den Niederlanden und Spanien. Ab dem Halbfinale finden die Spiele dann allesamt in Katalonien statt, genauer in Terrassa, im Olympiastadion des Geburtsortes des spanischen Fußball-Helden Xavi.

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