Stabhochspringerin Spiegelburg vor Olympia Alle Augen auf Silke

Nach ihrem deutschen Rekord von 4,82 Metern muss sich Stabhochspringerin Silke Spiegelburg mit ihrer neuen Rolle als Olympia-Favoritin für London auseinandersetzen. Ihr Trainer glaubt an ihren Durchbruch - auch der Druck soll für Spiegelburg kein Problem mehr sein.

Von Thomas Hahn

Trainer Leszek Klima ist auch zwei Tage nach dem Ereignis noch ganz bewegt von der Meisterleistung seiner Stabhochspringerin Silke Spiegelburg. "Darauf habe ich drei Jahre lang gewartet", sagt er, weil er aus den biomechanischen Analysen doch wusste, dass seine Leverkusener Musterschülerin Spiegelburg schon 2009 das Zeug dazu hatte, die 4,80 Meter zu nehmen. Am Freitag beim Diamond-League-Meeting in Monaco hat sie es nun endlich geschafft, hat mit 4,82 Metern den deutschen Rekord von Martina Strutz aus dem vergangenen August um zwei Zentimeter verbessert und die Führung in der aktuellen Weltbestenliste übernommen.

Mit einem ausführlichen Jubelsprint über die Bahn des Stade Louis II hat Silke Spiegelburg ihre Errungenschaft gefeiert und danach ihrerseits die Bedeutung des Erfolgs erklärt: "Darauf habe ich drei Jahre lang gewartet." Und nun sitzt also ihr alter polnischer Meistermacher daheim und sagt aus seiner stillen Freude heraus einen harten Satz: "Jetzt ist sie die absolute Favoritin." Für Olympia in London, natürlich. Denn Leszek Klima findet: "Wenn man bedenkt, dass in Monaco die zwölf besten Leute der Welt am Start waren, war das eigentlich die Generalprobe."

Generalproben sind praktisch, denn ihre Ergebnisse kann man sich zurechtlegen, wie man sie gerade braucht. Wenn sie gut waren, sind sie ein Hinweis darauf, dass alles gut ist vor der Aufführung. Waren sie schlecht, greift der fromme Aberglaube, wonach einer missratenen Generalprobe immer eine gelungene Premiere folgt. Am Theater redet man sich so seit Jahrhunderten die größten Proben-Reinfälle schön, und wenn nur ein Körnchen Wahrheit dran wäre, müsste sich jetzt nicht Silke Spiegelburg freuen, sondern Europameister Renaud Lavillenie aus Frankreich, der am Samstag beim Meeting in Stettin seine Anfangshöhe drei Mal riss (genauso wie der deutsche Meister Malte Mohr). Oder Jelena Issinbajewa, die Weltrekordlerin aus Russland, die in Monaco bei 4,70 Metern ebenfalls einen Salto Nullo fabrizierte.

Die Wahrheit allerdings ist, dass die Bezeichnung Generalprobe im Sport gar nicht richtig passt. Beim letzten Wettkampf vor dem Großereignis sagen die Athleten schließlich keinen Shakespeare-Monolog auf, den sie anderntags auf derselben Bühne vor Publikum zum Besten geben sollen. Sie prüfen nur ihre Form für einen Wettkampf, der beim Großereignis unter ganz anderen Bedingungen ablaufen kann. Gerade Silke Spiegelburg hat in ihrer Karriere schon oft erlebt, dass gute Vorleistungen gar nichts garantieren.

Silke Spiegelburg war 2001 Jugendweltmeisterin, 2004 mit 18 schon Olympia-Starterin, 2005 Juniorenweltrekordlerin. Und dann? EM-Zweite 2010 war sie und zwei Mal Hallen-EM-Zweite (2009, 2011). Das ist aller Ehren wert, aber meistens verfehlte sie die Podestplätze, wenn es wichtig war: Olympia-Siebte 2008 in Peking, WM-Vierte 2009 in Berlin, WM-Neunte 2011 in Daegu.

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