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Handball-Überflieger THW Kiel:Ein Triumph ohne Argwohn

Dem Triple von 2007 haftet der Ruch der Manipulation an. Kiels diesjähriger Dreifacherfolg ist von einer anderen Qualität. Man ist geneigt, von einer perfekten Saison zu sprechen. Der THW ist die dominierende Handball-Mannschaft der Gegenwart. Der Erfolg hilft, die Begleitumstände des ersten Champions-League-Triumphs zu vergessen.

So ein Triple, also der Gewinn von nationaler Meisterschaft, nationalem Pokal und international höchstwertigem Klub-Wettbewerb innerhalb von einer Saison, ist nicht mehr so außergewöhnlich, wie es einmal war. Das haben inzwischen so viele Mannschaften in so vielen Sportarten geschafft, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann. Selbst den Handballern des THW Kiel ist dieses Triple schon gelungen, vor fünf Jahren.

THW Kiel's Narcisse lifts the trophy after winning the men's Champions League Handball final against Atletico Madrid in Cologne

Kieler Spieler nach Champions-League-Triumph: Perfekte Saison

(Foto: REUTERS)

Den Dreifach-Erfolg von 2007 begleitet freilich nach wie vor der Ruch der Manipulation - auch wenn der damalige THW-Manager Uwe Schwenker und der damalige THW-Trainer Noka Serdarusic erst zu Beginn dieses Jahres vom Vorwurf freigesprochen wurden, das Champions-League-Finale gegen die SG Flensburg-Handewitt seinerzeit mittels Schiedsrichterbestechung zugunsten von Kiel beeinflusst zu haben.

Kiels diesjähriges Triple ist von einer anderen Qualität, nicht nur, weil neue Leute auf den wichtigen Posten sitzen; nicht nur, weil das Finale deutlich genug ausfiel, um Argwohn zu ersticken. Man ist geneigt, von einer perfekten Saison zu sprechen, weil die einzige Pflichtspiel-Niederlage - das 23:24 im Oktober gegen Montpellier in der Champions-League-Vorrunde - fast vergessen ist.

Sollte der THW jetzt noch die letzten zwei Bundesliga-Partien gegen Absteiger Hildesheim sowie die mittelmäßigen Gummersbacher gewinnen, hätte er tatsächlich eine sehr seltene Leistung im Spitzensport vollbracht: eine Saison in der höchsten Liga ohne Punktverlust.

Das würde Kiels Triumphzug zusätzlich aufwerten. Man kann ja nicht behaupten, die Bundesliga sei schwach besetzt, die internationalen Erfolge deutscher Klubs an diesem Wochenende belegen das Gegenteil: Da gewann erst Göppingen den EHF-Pokal und dann Flensburg-Handewitt den Europacup der Pokalsieger. Und im Champions-League-Halbfinale machten die Füchse Berlin den Kielern auch mehr Mühe als dann Atletico Madrid im Endspiel.

Der THW Kiel ist auf dem Gipfel einer Entwicklung angekommen, die vor fünf Jahren eingesetzt hat, mit jenem zweifelhaften Champions-League-Sieg. Seitdem stand Kiel mit einer Ausnahme jedes Jahr wieder im Finale (siegte aber bis dato nur 2010 noch einmal). Die Ausnahme war das vorige Jahr, als der HSV Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen den deutschen Handball in der Champions-League-Endrunde repräsentierten.

2011 war auch das Jahr, in welchem Hamburg den Rekordmeister Kiel als Titelträger ablöste und dem THW nur der Pokal blieb. Dennoch muss man feststellen: Die Kieler sind die dominierende Handball-Mannschaft der Gegenwart. Den Ruch, der den ersten Champions-League-Titel umgibt, können sie eh nur mit weiteren makellosen Erfolgen vertreiben.