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Hängende Spitze:Tendenz zu Schnuller und Stofftier

Dortmunds Youssoufa Moukoko hat den Jugendrekord geknackt - jetzt wackelt auch der Uralt-Rekord von Klaus Fichtel.

Glosse von Ulrich Hartmann

Der Jugendrekord ist geknackt. Youssoufa Moukoko hat im Alter von 16 Jahren und einem Tag als jüngster Fußballer der Bundesliga für Dortmund gespielt. Ab sofort muss es darum gehen, dass er gesund bleibt und möglichst lange spielt. Dann kann er in ferner Zukunft auch recht bequem den Bundesliga-Rekord von Karl-Heinz Körbel und den Altersrekord von Klaus Fichtel überbieten. Körbel hat seine Karriere 1991 nach stolzen 605 Bundesligaspielen beendet. Fichtel hatte seine Laufbahn 1988 im Alter von rund 43,5 Jahren abgeschlossen.

Sollte Moukoko in den nächsten 18 Jahren kein Ligaspiel verpassen, dann knackt er Körbels Rekord anno 2038 im Alter von 33 Jahren. Und wenn er auch noch Fichtels Altersrekord bricht, wird er mit 43,5 Jahren auf 945 Erstligaspiele gekommen sein. Man kann davon ausgehen, dass er dann auch Gerd Müllers unerreichte 365 Bundesliga-Tore überboten haben wird.

Zukunftsforscher können über solche konservative Hochrechnungen natürlich nur lachen. Einerseits werden immer fittere Profis künftig bis in die hohen Fünfziger spielen können, andererseits werden sich die Evolution im leistungsorientierten Fußball und die genmedizinische Entwicklung derart verbessern, dass die Vollversammlung der Deutschen Fußball-Liga die Altersgrenze für Bundesligaspieler schrittweise immer weiter senken muss. Hintergrund ist dabei stets, dass Talente nicht vom Ausland abgeworben werden.

Eines Tages bedarf es dann allerdings einiger Ergänzungen des Reglements: Windeln und Schnullis müssen farblich zu den Trikots passen, Kuscheltiere dürfen vor Anpfiff mit Gegenspielern getauscht werden. Und bei Unzufriedenheitsgeplärr auf dem Feld dürfen 21 zusätzliche Bälle ins Spiel gebracht werden.

© SZ vom 23.11.2020
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