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Hängende Spitze:Jeder Tag zählt

Jamal Musiala, 17 Jahre und 115 Tage alt (jung?), ist der jüngste Bundesliga-Spieler in der Geschichte des FC Bayern. In sein Leben hat er schon einiges reingepackt.

Für die deutsche Musikgeschichte waren die Geburtswochen von Jamal Musiala im Frühjahr 2003 keine Glanzzeit, die deutschen Charts wurden überschwemmt von fast schon musikalischen Auskopplungen aus der Fernseh-Show "Deutschland sucht den Superstar". We Have a Dream sangen die jungen Leute, Take Me Tonight oder You Drive Me Crazy. Wechselhafte Wochen. Aber wenigstens sangen die jungen Leute damals nicht mehr davon, wie es ist, jung zu sein. Sie sangen also nicht, dass man mit 17 noch Träume habe, und nicht einmal, dass man nicht immer 17 sein könne. Musiala wurde also in eine Welt hineingeboren, in der die Jugend keine Sensation mehr war. Nicht in der Musik, und auch nicht in der Bundesliga.

Musiala ist jung, er ist so jung, dass Zahlenfreunde am Samstag sein Alter auf den Tag ausgerechnet haben: Musiala, 17 Jahre und 115 Tage alt (jung?), ist der jüngste Bundesliga-Spieler in der Geschichte des FC Bayern, sein Alter vom Samstag wird noch lange als Referenz dienen. So wie nun die Zahlenfetischisten an den dänischen Bayern Pierre-Emile Hojbjerg (17 Jahre und 255 Tage beim Debüt), an den österreichischen Bayern David Alaba (17 Jahre und 265 Tage) oder auch an den hessisch-italienischen Bayern Gianluca Gaudino (17 Jahre und 284 Tage) erinnert haben.

In seine 17 Jahre und 115 Tage hatte Musiala schon am Samstag einiges reingepackt; bevor er im vergangenen Sommer nach München gewechselt ist, hatte er für Southampton, den FC Chelsea und den stolzen hessischen TSV Lehnerz gespielt. Noch hat das keinen Stoff für unvergessliche Lieder geliefert, aber eine gute Grundlage ist es schon einmal. Die Bundesliga-Debütanten mögen von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag jünger werden, doch auch in einer immer jüngeren Bundesliga ist es weiterhin so, dass nur die besungen werden, die Taten nachgewiesen haben, für die es oft nicht von Nachteil ist, dass die Jungen nicht immer 17 Jahre alt geblieben sind.

© SZ vom 22.06.2020 / SZ

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