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Hängende Spitze:Die Deutschländer

Nachdem die holländischen Trainer die Bundesliga veränderten, gibt es nun eine deutsche Fraktion in den Niederlanden. Nur spielte sich die etwas tollpatschig ein.

Von Philipp Selldorf

In den Niederlanden gibt es zwar den FC Twente Enschede, von dem es schon hieß, dass er gern der deutschen Bundesliga beitreten würde, und der dafür bekannt ist, dass seine Fans die Nähe zum Nachbarland zu einem Merkmal ihrer Kultur erhoben haben, weshalb es sogar einen Fanklub gibt, der sich (keineswegs wegen des gleichnamigen Würstchens) "Die Deutschländer" nennt. Doch von einem ausgewogenen bi-nationalen Austausch zwischen den beiden Spitzenligen kann keine Rede sein. Das Verhältnis von Import und Export blieb bisher eine einseitige Angelegenheit zugunsten der niederländischen Handelsleute. Besonders holländische Trainer hinterließen im hiesigen Fußball vielerlei unvergängliche Spuren: Vom General Rinus Michels, dem Jahrhundertcoach Huub Stevens und dem Alleswisser sowie Allesbesserwisser Louis van Gaal bis zum populären "Holland-Berti" van Marwijk (der auch "Manneken Pils" gerufen wurde), dem cholerischen Motorrad-Cowboy Gertjan Verbeek in Bochum und Nürnberg oder dem aktuellen Leverkusener Coach Peter Bosz, der seine Zuhörer immer wieder erschreckt, indem er einen ironischen Witz in seine Rede streut. So was fällt auf im angestrengten Trainersprech auf der Pressekonferenz, in dem vorwiegend festgestellt wird, dass sich die Mannschaften für ihren selbstredend immensen "Aufwand" "belohnt" oder eben "nicht belohnt" hätten.

Dennoch gibt es in den Niederlanden neuerdings einen beachtlichen Zuzug deutscher Trainer: Während Frank Wormuth in seine dritte Saison mit Heracles Almelo geht, haben Thomas Letsch bei Vitesse Arnheim und Roger Schmidt bei PSV Eindhoven ihre Arbeit im Nachbarland aufgenommen. Besonders PSV trägt jetzt einen deutlichen deutschen Akzent in die Eredivsie. Neben Schmidt und seinem Stab bildet auch das Team mit dem Torwart Lars Unnerstall, dem Verteidiger Timo Baumgartl und dem just aus Augsburg verpflichteten Philipp Max eine gewichtige deutsche Fraktion. Am Wochenende glückte PSV ein 2:1-Sieg gegen den FC Emmen, der umso glorreicher ausfiel, weil er dank einer famosen Unfallszene für Belustigung sorgte. Hauptdarsteller war ein Schweizer, der Torwart Yvan Mvogo, vormals RB Leipzig, als Assistent fungierte Max, und ihr gemeinsamer Moment der Berühmtheit übertrumpfte an Ungeschick sogar die Tollpatschigkeiten, die am Freitagabend die Schalker in München aneinanderreihten.

Max also spielte diesen harmlosen Tempo-30-Rückpass, dessen Weg Mvogo so lang studieren konnte, dass er im entscheidenden Augenblick am Ball vorbeitrat. Zuletzt gelacht hat dennoch Philipp Max: In der 96. Minute sorgte eine seiner nun auch in Holland weltbekannten Linksflanken für den Siegtreffer.

© SZ vom 21.09.2020

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