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Golf: US-Masters:Training statt Turniere

Seine Vorbereitung hat er deshalb geändert. Zwei Wochen ohne Turnier, stattdessen verschärftes Training. Wenige Meilen entfernt von Augusta feilte er auf einem ähnlich konzipierten Platz in Sage Valley an dem Draw, den er zwar mit den Schlägern aus Eisen schon ganz gut beherrscht, der ihm aber mit den Hölzern deutliche Probleme bereitet. Das Fazit vor Beginn des Turniers am Donnerstag: Den Schlag hat er jetzt im Griff. Aber von ihm alleine wird der Erfolg wohl nicht abhängen.

Seit dem 27. Februar ist Kaymer die Nummer eins der Weltrangliste. Und seitdem sieht er sich weit höheren Erwartungen ausgesetzt. Kollegen, Fans, Fachleute äußern sich ständig über ihn. Auch ein US-Masters-Sieg wird ihm langfristig zugetraut. "Selbstverständlich erwarte ich das von ihm", sagt Bernhard Langer, "ich habe ihm das auch schon mehrmals gesagt." Zu den geplanten Proberunden mit dem Altmeister kam es nicht. Langer musste wegen einer Daumenverletzung absagen.

Alex Cejka, der zweite Deutsche, der in Augusta mitspielen darf, hat bei seinen zwei Starts bei diesem Turnier 1996 und 2004 jeweils den Cut geschafft und die Positionen 44 und 29 belegt. Vom Abschlag bis zum Grün hat er ein gutes Spiel für Augusta: Cejka trifft die Bälle beim ersten Schlag oft erstklassig und erwischt die Grüns somit häufig. Dort angekommen, beginnen allerdings die Probleme. In der Putt-Statistik taucht Cejka selten ganz vorne auf. "Er kennt das Problem und er arbeitet daran", verspricht Manager Richard Rayment. Gelöst hat Cejka, 40, es noch nicht. Am Montag stellte er in Augusta fest: "Die Grüns sind hier wie immer sehr schnell." Auf seinen Proberunden hat er auch sonst gestaunt. Seit er vor 15 Jahren zum ersten Mal in Augusta spielte, hat sich viel getan: Viele Bahnen sind enger, länger und noch schwerer geworden.

Junge Schultern, alter Kopf

Sich auf die besondere Herausforderung einzulassen, sie sogar zu genießen - auch darum geht es in Augusta. Viele Profis gehen das mit Hilfe von Sport-Psychologen an. Die Deutschen aber winken ab. Cejka hat das Turnier schon lange zu einem seiner Lieblinge erklärt, er ist gelöst und locker. Kaymer gilt generell als nervenstark. "Am wichtigsten ist das Gehirn, der Kopf auf seinen Schultern", sagt der zweimalige Masters-Champion Bernhard Langer: "Er hat einen sehr alten Kopf auf seinen jungen Schultern. Und er trifft kluge Entscheidungen." Kaymer jedenfalls hat beschlossen, von nun an auch Doglegs wie Pink Dogwood zu mögen. Unbescheiden sagt er: "Meine Ansprüche an mich sind wirklich sehr, sehr hoch. Ich will alle Major-Turniere gewinnen."

© SZ vom 07.04.2011

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