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Golf:Legende im Camping-Van

Golf: US-Senioren-Tour

Seine Siegerpokale sind zuletzt ein bisschen größer geworden: Alex Cejka stemmt die "Alfred S. Bourne Trophy" in Tulsa.

(Foto: Sue Ogrocki/dpa)

Alex Cejka gewinnt bei seinem zweiten Start sein zweites Major auf der Senioren-Tour. Das hat nicht einmal Bernhard Langer geschafft. Es ist die späte Belohnung für einen harten Arbeiter.

Von Felix Haselsteiner

Es ist etwas mehr als ein Jahr her, da spielte Alex Cejka in einer anderen Welt Golf. Aufgrund der Pandemie hatte der große Golfzirkus damals Pause gemacht, die Turniere auf der PGA Tour fanden genauso wenig statt wie so gut wie alle anderen Golfevents, bei denen man Geld verdienen konnte. Die meisten Spieler nutzten diese Zwangspause, um sich auszuruhen und entspannt zu trainieren, Alex Cejka hingegen verbrachte seine Zeit mit seiner Frau in einem Camping-Van am Colorado River in Arizona: Dort fand ein Turnier der sogenannten "Outlaw Tour" statt, wo Golf sich tatsächlich nach einem Outlaw-Sport anfühlt: unscheinbare Plätze, keine Caddies, aber guter Sport und gute Vorbereitung auf größere Turniere zu einem späteren Zeitpunkt. Oder auch mehr als das: Cejka nämlich gewann auf der Mini-Tour zweimal in Serie, erhielt dafür jeweils etwa 4300 US-Dollar-Preisgeld und lächelte mit einem kleinen Pokal in der Hand für das Siegerbild in die Kamera.

Ein gutes Jahr später hat Cejka Geschichte geschrieben, weil er erneut zwei Turniere in Serie gewinnen konnte. Diesmal allerdings nicht auf der "Outlaw Tour", sondern auf der "PGA Champions Tour", der Senioren-Turnierserie, was immer ein wenig nach rüstigen Rentnern klingt, die auch noch ein bisschen spielen - in Wahrheit aber eine der besten Golfligen der Welt ist: Die Plätze sind schwierig, die Preisgelder hoch und die fünf Majors besonders umkämpft. Der einzige relevante Unterschied zur regulären PGA Tour: Mitspielen darf nur, wer über 50 ist. Cejka ist das seit diesem Jahr und hat am Sonntagabend sein zweites Senioren-Major-Turnier gewonnen - bei seinem erst zweiten Start. Eine Quote, die es im Golfsport so noch nicht gegeben hat.

Erst bei seinem 287. Start gewann er ein Turnier auf der US-Tour

"Ich bin derselbe Typ, ich versuche dasselbe Golf zu spielen, aber seit ich 50 bin, läuft es für mich einfach", sagte Cejka nach seinem Sieg beim Senior PGA Championship. Der Pokal, den er in der Hand hielt, war diesmal etwas größer, genau wie das Preisgeld von 630 000 US-Dollar. Die Summen sind das eine, das Prestige ist das andere: Cejka zählt nun bereits nach seinen ersten Starts auf der Senioren-Tour zu den Aushängeschildern, gemeinsam etwa mit Bernhard Langer, dem bisher erfolgreichsten Starter auf der Senioren-Tour. Wie schon bei seinem Sieg beim Regions Tradition Major vor drei Wochen ließ Cejka am Sonntag unter anderem den US-Ryder-Cup-Kapitän Steve Stricker hinter sich, mit vier Schlägen Vorsprung gewann er am Ende deutlich.

Cejkas Erfolge sind die späte Belohnung für viel harte Arbeit. Die meisten Geschichten späterer Sieger bei Major-Turnieren und damit auch die Geschichten von Millionären beginnen immer noch in Country-Clubs und noblen Vororten, Cejkas Geschichte begann einst mit der Flucht seiner Familie aus Tschechien nach Deutschland im Alter von neun Jahren. Als Jugendlicher fasste er in der neuen Heimat Fuß, arbeitete sich dann schrittweise nach vorne, bis er es als Profi auf die European Tour schaffte. Cejka gewann zwischen 1995 und 2002 vier Turniere, dann ging er in die USA, um sich der nächstgrößeren Herausforderung zu stellen - und musste sich lange gedulden. Erst bei seinem 287. Start im Jahr 2015 gewann er ein Turnier auf der PGA-Tour, dazwischen hatte er für zwei Jahre seine Startberechtigung verloren.

Senior PGA Championship - Final Round

Gute Putts: Am Ende gewann Cejka souverän mit vier Schlägen Vorsprung.

(Foto: Dylan Buell/AFP)

Cejkas Karriere war immer die eines respektablen Golfers, der sich durchwühlt und seine Startberechtigungen auf den letzten Metern der Saison einfuhr. Das alles schaffte er, ohne die großen Erfolge zu feiern und die große Aufmerksamkeit zu bekommen. In Deutschland kennt man Martin Kaymer und Bernhard Langer wegen ihrer großen Siege, Cejka hingegen war immer der unbekannte, unscheinbare Golfer, der eben auch noch genannt wurde, wenn es in einer Aufzählung um deutsche Golfer in den USA ging.

Das dürfte sich nun geändert haben; nur ist unwahrscheinlich, dass sich Alex Cejka dadurch verändern wird. Die Altersgrenze 50 scheint in seinem Golfspiel irgendetwas bewegt zu haben, der Lifestyle hingegen ist derselbe, bodenständige geblieben: Zum Senioren-Major reiste Cejka wie zur Outlaw-Tour in seinem Camping-Van an, gemeinsam mit seiner Frau parkte er vor dem Hotel, in dem die Spieler untergebracht werden. Auf die Frage, wie er seinen historischen Erfolg feiern würde, antwortete er: "Wenn ich zurückkomme, machen wir uns eine Flasche im Camper auf."

© SZ/pps/mp
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